Eilmeldung

Online-Hass: 89-jährige Auschwitz-Überlebende bekommt Polizeischutz

Liliana Segre braucht Polizeischutz, im Internet erhielt sie bis zu 200 Botschaften von Hass und Drohungen
Liliana Segre braucht Polizeischutz, im Internet erhielt sie bis zu 200 Botschaften von Hass und Drohungen
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Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet, nachdem eine 89-jährige Holocaust-Überlebende und Senatorin jeden Tag hunderte Hassnachrichten online erhielt.

Liliana Segre hat ab sofort zudem zwei Carabinieri, die sie begleiten und für ihre Sicherheit sorgen.

Online erhielt Segre eigenen Angaben zufolge bis zu 200 antisemitische Hass-Nachrichten sowie Drohungen - und das jeden Tag. Bei einer öffentlichen Veranstaltung wurde zudem ein Banner der rechten Partei Forza Nuova hochgehalten.

In der vergangenen Woche war in Italien eine Sonderkommission zur Bekämpfung von Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus und Aufstachelung zu Hass und Gewalt eingesetzt worden. Der Antrag hatte das Parlament gespalten, war aber mit 151 Ja-Stimmen und 98 Enthaltungen angenommen worden. Segre war erste Unterzeichnerin des Antrags gewesen.

Lega, Forza Italia und Fratelli d'Italia hatten sich der Abstimmung enthalten.

"Wir müssen die Demokratie pflegen"

Im Gespräch mit Euronews sagte Liliana Segre: "Der Niedergang der Demokratie steht nicht unmittelbar bevor. Wir müssen sie aber ständig pflegen, um sicherzustellen, damit die Mechanismen funktionieren. Der beste Weg, es in Form zu halten, ist die ständige Praxis des Erinnerns! Wir befinden uns in einer neuen Ära, in der alles im Netz gekauft und verkauft wird, sogar die Bildung von Gewissen. Das ist die neue Grenze".

Über den Hass im Internet sagte sie: "Das Leben ist sehr kurz, wir haben sehr wenig Zeit und viel Stress. Auch nur eine Minute am Tag zu verschwenden, um die Seele zu entzünden, ist eine nutzlose Zeitverschwendung. Eine echte Schande."

Segre war 2018 vom italienischen Präsidenten Matarella zur Senatorin auf Lebenszeit berufen worden.

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