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Bulgarien: Mehr bulgarische Ware, weniger europäische Importe

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Bulgarien: Mehr bulgarische Ware, weniger europäische Importe
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Die großen Einzelhandelsunternehmen in Bulgarien machen sich derzeit Gedanken über ihr Angebot. Die Regierung will kurze Lieferketten, ob nun für Obst, Fleisch oder Milch, und das bedeutet: mehr bulgarische Produkte. Ende Mai treten deshalb neue Gesetze in Kraft. Für die Geschäfte eine Herausforderung.

Einzelhandelsunternehmer Peter Pavlov erklärt: "Nehmen wir einen kleinen Apfelproduzenten, der nicht die notwendigen Packmaschinen hat oder Äpfel nicht lagern kann. Wie soll er große Einzelhändler beliefern? Das wäre ausgesprochen schwierig. Deshalb helfen wir den kleinen Produzenten. Rund 80 Prozent unserer Waren werden in Bulgarien hergestellt, das wollen wir noch steigern. Wir haben 20 neue Verträge mit kleinen, regionalen Produzenten ausgehandelt."

Einige Geschäfte haben bereits Marketingkampagnen rund um die neuen Produkte gestartet. Schließlich sollen sich die neuen Investitionen lohnen. Nicht wenige setzen darauf, dass das Konzept der kurzen Lieferketten sich langfristig durchsetzt. Viele Landwirte jedenfalls begrüßen die Maßnahmen.

Den bulgarischen Obst- und Gemüsebauern sind alle Maßnahmen willkommen, da die Branche seit Jahren am Rande des Abgrunds steht. Es gibt keine Chance, wie man mit europäischen Importe mithalten oder diese ganz blockieren kann. Die Marktanteile sind je nach Produkt unterschiedlich. Importe machten 2019 zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Verkäufe aus.

Krassimir Kumtchev arbeitet schon lange im Obst- und Gemüseanbau. Angefangen hat er noch zu Zeiten des Kommunismus. Nun gehörte er zu jenen, die neue Regeln aushandeln. Unter anderem beklagt er einen ungleichen Wettbewerb innerhalb der EU.

Schafft alle Subventionen in der EU ab.
Krassimir Kumtchev
Obst- und Gemüsebauer

Kumtchev sagt: "Polnische Apfelbauern bekommen 25 Cent an Subventionen von der EU, dazu noch mal 25 Cent vom polnischen Staat, das sind 50 Cent. Davon kann ich nur träumen. In Bulgarien bekommen wir pro Kilo einen halben Cent. Das ist eine 33-fache Differenz. Soll das Solidarität sein? Ist das der Wettbewerb, von dem alle reden? Die EU-Kommission sollte in dieser Hinsicht nicht in Bulgarien mitmischen. Wenn sie einen wirklich freien Markt haben will, dann sollten für alle die gleichen Spielregeln gelten. Ich sage es nochmal: schafft alle Subventionen in der EU ab."

Auch die Sanktionen der EU gegen Russland haben die bulgarischen Bauern getroffen. Seit 2014 flossen massenhaft europäische Produkte nach Bulgarien, die eigentlich für Russland bestimmt waren. Die EU-Kommission sagt, protektionistische Maßnahmen könnten die Volkswirtschaften EU-weit destabilisieren, sie hat Sofia einen Monat gegeben, um eine Lösung zu finden.