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Schwieriger Neustart für Lyoner Gastronomie, aber: "Es brummt"

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Schwieriger Neustart für Lyoner Gastronomie, aber: "Es brummt"
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Saubermachen, montieren, bohren, installieren. Nach zwei Monaten Schließung aufgrund der Coronakrise feierten Cafés und Restaurants in Frankreich an diesem von nicht wenigen Gastronomen als historisch empfundenen Tag eine Art Wiederauferstehung.

Typisch für Lyon und Umgebung sind die sogenannten Bouchons. Kleine Gaststätten, große Portionen, gehaltvolle Mahlzeiten in rustikaler Atmosphäre mit regionalem Touch.

Sonia Alves de Carvalho leitet einen traditionellen Bouchon: "Seit heute morgen brummt es. Es ist tatsächlich so, die Stammgäste kommen zurück, und sie kommen wegen uns zurück."

Eine Stunde vor der Öffnung geht es auch in der Küche rund. Spezialitäten wie Quenelles und Ratatouille simmern vor sich hin.

Mundschutz ist hier Pflicht, genauso wie Abstand halten - wenn es denn machbar ist. Der Rhythmus ist ein anderer als vorher.

Chefkoch David Mizoule: "Wir werden mit Sicherheit etwas langsamer arbeiten. Sonst gibt es hier immer viel Bewegung und Gerenne. Aber wir werden uns anpassen wie alle anderen auch".

Die Gasträume mussten so umgestaltet werden, dass zwischen den Tischen anderthalb meter Platz ist. Mit dem Risiko, an Geselligkeit zu verlieren, das eigentliche Merkmal dieser Tempel der Lyoner Gastronomie.

Ein weiblicher Gast meinte: "Es ist ein bißchen traurig, alles wirkt größer, weniger intim. Aber wir sind ja auch die Ersten."

Das Restaurant musste ungefähr die Hälfte der Tische wegschaffen. Das bedeutet zwangsläufig weniger Betrieb. Die Abwesenheit von Urlaubern, die 55% der Kundschaft ausmachen, ist schwer durch Stammkundschaft zu ersetzen. Eine Situation, die Mitarbeiter direkt betrifft.

Philippe Florentin ist Miteigentümer des Café Comptoir Abel in Lyon: "Heute herrscht immer noch Ungewissheit. Alle arbeiten 20 statt der gewohnten 39 Stunden pro Woche, also nur halb so viel."

Euronews-Reporter Guillaume Petit kommentierte in Lyon: "Man kann die Bouchons in Lyon eigentlich gar nicht verfehlen. Sie sind berühmt für ihre freundliche Atmosphäre und Tradition. Aber mit wenigen Touristen und mehr sozialer Distanz ringen sie um Lösungen für sinkende Einkünfte."

Auch im von Muriel geführten Bouchon "Café des artisans" wird nur jeder zweite Tisch benutzt. Heute Mittag stehen Geflügelleberkuchen und Tarte à la praline auf dem Menü. Gerichte, die sie zum Mitnehmen anbieten will, wenn es nicht besser wird. Weit entfernt von den Traditionen vergangener Zeiten.

Muriel beklagte: "Normalerweise sitzen alle zusammen und unterhalten sich, jetzt können sie sich nicht einmal nahe kommen. Das entspricht nicht der Seele eines Bouchons."

Muriel hofft auch auf den guten Willen der lokalen Behörden. Sich anpassen ja, aber das verlieren, was diesen Ort so charmant und gesellig macht, eher nein. Aller Neuanfang ist schwer - auch in Bouchons.