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Weltweite Kritik an Hagia Sophia-Umwandlung

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Weltweite Kritik an Hagia Sophia-Umwandlung
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Die Entscheidung, die Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umzuwandeln, hat weltweit für Kritik gesorgt.

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am Freitag den Weg dafür freigemacht und dem historischen Kuppelbau den Status als Museum aberkannt. Die Leitung der Hagia Sophia soll zudem der türkischen Religionsbehörde übergeben werden.

Der EU-Außenbeauftragte Joseph Borrell bedauerte in einem offiziellen Statement die Entscheidung der Türkei. Die Hagia Sophia habe einen starken symbolischen, historischen und universellen Wert und die Türkei habe eine gut etablierte Tradition der Kulturerhaltung, heißt es darin. "Die Entscheidung des türkischen Staatsrates, eine der wegweisenden Entscheidungen der modernen Türkei zu kippen, und die Entscheidung von Präsident Erdoğan, das Denkmal unter die Leitung des Vorsitzes für religiöse Angelegenheiten zu stellen, ist bedauerlich."

Die griechische Kulturministerin Lina Mendoni sprach von einer "Provokation für die zivilisierte Welt".

Die UNESCO weist in einem Tweet darauf hin, dass die Entscheidung ohne vorherige Diskussion getroffen wurde und die Listung der Hagia Sophia als Weltkulturerbe rechtlichen Verpflichtungen unterliege.

"Das globale Ansehen der Türkei wird irreversibel und erheblich sein"

Soner Cagaptay ist Türkei-Analyst für das Washington Institute. Er meint: "Die Hagia Sophia wird eine Moschee und Erdogans Popularität wird zunehmen, vielleicht gewinnt er ein paar Prozentpunkte dazu. Aber ich denke, der Aufschwung wird gering und vergänglich sein. Der Schaden dieser Umwandlung für das globale Ansehen der Türkei hingegen wird irreversibel und erheblich sein".

Das erste Freitagsgebet solle bereits am 24. Juli in der Hagia Sophia stattfinden, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Abend in einer TV-Ansprache. Au´ßerdem sagte er: "Wie alle unsere Moscheen werden die Türen der Hagia Sophia für Einheimische und Ausländer, Muslime und Nicht-Muslime weit offen stehen."

Vor der Hagia Sophia in der Istanbuler Altstadt versammelten sich eine Gruppe Befürworter der Entscheidung. Der Platz vor dem Gebäude wurde von der Polizei abgesperrt.

Über die Nutzung der Hagia Sophia wird schon lange gestritten. Islamisch-konservative waren für die Umwandlung in eine Moschee, Griechenland und Russland waren wegen ihrer Bedeutung für die Orthodoxe Kirche dagegen.