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COVID-19 und die guatemaltekischen Meeresschildkröten

Endlich Meer! Die guatemaltekischen Naturschutzbehörden freuen sich - und die kleinen Meeresschildkröten vermutlich auch, schließlich ist dies der erste richtige Badeausflug ihres Lebens.

Die Babyschildkröten sind das Ergebnis eines guatemaltekischen Zuchtprogrammes, an dem COVID-19 nicht spurlos vorbeigegangen ist. Nein, nein, die Schildkröten sind C19-virenfrei, keine Angst. Das Problem liegt etwas anders...

Denn streunende Haustiere mögen Eier - auch in Guatemala. Und frisch gelegte Schildkröteneier haben frei laufende Hunde sozusagen zum Fressen gerne. Einmal ausgebuddelt von Hund oder Katze haben die Eiernester der Meeresschildkröten keine Chance mehr. Deshalb hat sich der Naturschutzgesetzgeber in Guatemala etwas ganz Raffiniertes ausgedacht: Nächtliche Strandwanderer (Meeresschildkröteneier werden bekanntlich meist nachts gelegt) bekommen die Erlaubnis, Eier zu sammeln und sich daraus nach Sonnenaufgang ein leckeres Schildkröteneieromlett zuzubereiten - unter der Voraussetzung, dass sie jedes fünfte Fund-Ei abliefern bei der örtlichen Brutstation. Doch COVID-19-Ausgangssperren führten dazu, dass die guatemaltekischen Strandläufer nachts nicht mehr am Strand laufen dürfen. Ohne Strandwanderung aber auch kein Eiersammeln und ohne Eiersammeln keine Ablieferung von Eiern an der Zuchtstation. Das Ergebnis: dieses Jahr schlüpfen weniger Meeresschildkröten als sonst. Und wer ist Schuld daran? Klar doch, COVID-19.

Hier geht es übrigens nicht um ein paar Dutzend Jungschildkröten mehr oder weniger. Nein, beim Thema Schildkröten wird in Guatemala nicht gekleckert, sondern geklotzt: 513.009 Eier wurden in der vorherigen Brutsaison eingesammelt und gut behütet ausgebrütet. 475.327 Kleinmeeresschildkröten erblickten dank dieser Anstrengung das Licht der Welt - das ist ein Zuchterfolg auf den ganz Guatemala stolz ist: 92 Prozent Erfolgsquote, das kann sich sehen lassen. Die auf das Ei genauen Angaben sind hochoffiziell, sie stammen von der Naturschutzbörde CONAP.

Schildkrötenschützer fordern Nachtwanderverbotsausnahmeregelung

Guatemala ist quasi das Paradies der Meeresschildkrötenforscher, Meeresschildkrötenzüchter, Meeresschildkrötenexperten - und natürlich der Meeresschildkröten selbst. Sechs der acht weltweit existierenden Meeresschildkrötenarten verbuddeln ihre Eier in guatemaltekischem Strandsand. Die Brutsaison reicht von Juli bis November, doch für dieses Jahr prognostizieren die Naturschutzbehörden nichts Gutes (COVID-Erklärung siehe oben).

Natürlich legen die Meeresschildkröten auch weiterhin nachts ihre Eier auf Guatemalas Stränden ab. Doch "in freier Wildbahn" schlüpfen sehr viel weniger Babyschildkröten, weshalb derzeit intensive Gespräche geführt werden zwischen Naturschutzbehörden und Regierung. Die Umweltschutzämter und Aufzuchtstationen hätten von der Regierung gerne eine Nachtwanderverbotsausnahmeregelung für registrierte Meeresschildkröteneiersammler.