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Was bringen die Corona-Apps? Portugal will sie verpflichtend machen

Was bringen die Corona-Apps? Portugal will sie verpflichtend machen
Copyright  JOSÉ SENA GOULÃO/ 2020 LUSA - Agência de Notícias de Portugal, S.A.
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Die Smartphone-App "Stay Away Covid" soll in Portugal bald für alle Pflicht sein. Diesen Plan hat der sozialdemokratische Ministerpräsident angekündigt. In den vergangenen 24 Stunden haben die Gesundheitsbehörden 2.169 Neuinfektionen gemeldet, 33 weitere Covid-19-Patienten sind gleichzeitig verstorben.

"Ich hasse es, autoritär zu sein, aber wir müssen diese Pandemie unter Kontrolle bringen", verteidigte Regierungschef Antonio Costa am Donnerstag seinen Vorschlag zur Pflicht-App. In den kommenden Tagen soll das Parlament über eine Sonderregelung abstimmen, die die App und andere Corona-Regeln wie das Tragen von Masken obligatorisch macht. Wer die Handy-App nicht nutzt, könnte dem Gesetzesvorschlag zufolge mit Geldbuen in Höhe von bis zu 500 Euro bestraft werden.

Seit Anfang September ist die App "Stay Away Covid" auf freiwilliger Basis verfügbar. Bislang haben sie etwa 1,7 Millionen der 10 Millionen Einwohner Portugals heruntergeladen, ein Niveau, das nach Angaben der Regierung nicht ausreicht, um die Wirksamkeit der App sicherzustellen.

Wie überall in Europa haben viele Portugiesinnen und Portugiesen haben aber kein Smartphone, das neu genug ist, um die App downzuloaden.

Problem ist der Schutz der Privatsphäre

Die portugiesischen Abgeordneten sollen am Freitag, den 23. Oktober, über die Vorschläge der Regierung, die im Parlament keine Mehrheit hat, abstimmen.

Die konservative Opposition hat angekündigt, dass sie für die neuen Corona-Regeln stimmen könnte. Aber sie will die verpflichtende App dann im parlamentarischen Ausschuss ablehnen.

Für die Nationale Datenschutzkommission (CNPD) warnte, die obligatorische Einführung der App werfe Probleme in Bezug auf die Privatsphäre, aber auch ethische Fragen auf, wie ihre Sprecherin Clara Guerra erklärte. Sie verwies auch darauf, dass die Europäische Kommission den freiwilligen Einsatz der Coronavirus-Apps empfohlen hatte.

Die Organisation D3, die sich für die digitale Rechte einsetzt, meint, der Gesetzentwurf der Regierung sei ein beispielloser und undemokratischer Eingriff in die Privatsphäre der Portugiesen. D3 drohte damit, den Fall vor die Gericht zu bringen, falls das Parlament das Gesetz verabschieden sollte.

Ziemlich peinlich: die App in Frankreich

In Paris musste Premierminister Jean Castex eingestehen, dass er die App StopCovid nicht heruntergeladen hatte. Heruntergeladen wurde diese seit Anfang Juni von etwa 2,6 Millionen Smartphone-NutzerInnen in Frankreich - viele hatten aber die App auch wieder von ihren Handys gelöscht.

Gleichzeitig mit den nächtlichen Ausgangssperren, die an diesem Samstag in Kraft getreten sind, kündigte Präsident Emmanuel Macron an, dass es bald eine neue Version der App geben werde.

Diese soll man nicht permanent über Bluetooth eingeloggt lassen - und die neue App soll auch dazu dienen, in Restaurants einfacher die Kontaktdaten zu hinterlassen.

Macron gestand ein: "Die App hat nicht funktioniert. Wir haben es nicht geschafft, dass sie den Leuten etwas bringt. Deshalb habe ich die Teams schon vor einigen Wochen gebeten, die App komplett umzugestalten."

Die neue App in Frankreich bekommt auch einen neuen Namen. Aus "Stop Covid" wird am 22. Oktober "Tous Anti-Covid" ("Alle gegen Covid").

Inzwischen steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen immer weiter. An diesem Samstag verzeichneten die Gesundheitsbehörden mehr als 32.000 positive Tests, eine Positivitätsrate von 13 Prozent und 90 weitere Todesfälle innerhalb von 24 Stunden.

19,3 Millionen Downloads der deutschen Corona Warn-App

Wie das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite zur App mitteilt haben bis Mitte Oktober 19,3 Millionen Nutzer die "Corona Warn App" downgeloaded. Seit dem Start der Corona-Warn-App haben laut RKI insgesamt 10.504 Nutzerinnen und Nutzer ihr positives Testergebnis geteilt.

Ute Teichert Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), meinte Ende September aber, die App spiele "in der alltäglichen Arbeit der deutschen Gesundheitsämter so gut wie keine Rolle". Es komme "äußerst selten" vor, dass sich ein App-Nutzer wegen eines entsprechenden Warnhinweises bei den Ämtern melde.

Experten sind allerdings auch uneins darüber, wie viel Prozent der Bevölkerung die App nutzen müssen, damit diese wirklich hilft, die Pandemie einzudämmen. Eine Studie der Universität Oxford geht davon aus, dass 60 Prozent der Bewohner eines Landes User der App sein müssen, um das sogenannte "contact tracing" - also die Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten - wirklich sicherzustellen und die Verbreitung des Coronavirus zu stoppen.

Im SZ-Interview sagte Lucie Abeler-Dörner vom Big-Data-Institut der Universität Oxford: "Am besten funktioniert die App tatsächlich, wenn viele Leute sie nutzen. Unsere Simulationen zeigen jedoch, dass die App anfängt zu wirken, sobald 15 Prozent der Bevölkerung mitmachen. Dann können Infektionsketten unterbrochen und Ansteckungen verhindert werden."

Viele Downloads, aber auch Pannen bei NHS Covid-19

In nur vier Tagen wurde die App "NHS Covid-19" der britischen Gesundheitsbehörden von 12 Millionen Usern downgeloaded. ¨Die Regierung in London wollte den Schutz der Privatsphäre garantieren. Es wurde sehr lange ¨über die App diskutiert, und NHS Covid-19 wurde erst Anfang Oktober gestartet. Inzwischen steht sie in zwölf verschiedenen Sprachen zur Verfügung.

Benutzer beschwerten sich dann aber über "beängstigende und verwirrende" Pop-up-Warnungen, denn die App zeigte zuerst an, sie seien in Gefahr gewesen, dann war die Warnmeldung aber plötzlich wieder verschwunden.

Die App hatte offenbar auch Probleme, die Risikogebiete richtig anzuzeigen. Nutzer in London bemerkten an diesem Samstag, dass die Warnung in ihrer App immer noch nicht von mittel auf hoch geändert worden sei - einen Tag nachdem die erhöhte Warnstufe in Kraft getreten war.

Einige User bekamen auch die missverständliche Anzeige, dass ihr Wohngebiet sowohl als hohes als auch als mittleres Risiko eingestuft sei.. Je nach Warnstufe gelten verschiedene Einschränkungen wie das Verbot, Leute aus anderen Haushalten nach Hause einzuladen.