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Kliniken vor dem Kollaps: Armee errichtet Feldlazarett in Prag

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Teile des Feldlazaretts im Prager Stadtteil Letnany stehen schon
Teile des Feldlazaretts im Prager Stadtteil Letnany stehen schon   -   Copyright  AP Photo via CTK/Roman Vondrous
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In Tschechien ist an diesem Samstag erstmal die Grenze von mehr als 15.000 bestätigten Corona-Neuinfektionen überschritten worden.

Schon seit mehreren Tagen treffen in Prag Armeelastwagen ein, die Material für ein großes Feldlazarett für 500 Patienten geladen haben.

Dagmar Dvorakova ist Sprecherin der Tschechischen Armee. Sie sagte vor Ort: "Die Feldlazarette sind für den Krisenfall sowohl in der Tschechischen Republik als auch im Ausland ausgerichtet. Dieses Feldlazarett wurde das letzte Mal 2017 in Afghanistan eingesetzt."

Andrej Babis, dessen Regierung mit einer der schlimmsten Coronavirus-Ausbrüche der Welt konfrontiert ist, räumte ein, dass man beim Umgang mit dem Ausbruch im Sommer Fehler gemacht habe, und plädierte dafür, die strengen Corona-Regeln erneut zu befolgen.

Höchster EU-Wert

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag an diesem Samstag bei 1210. Das ist der höchste Wert aller EU-Staaten.

Die EU, die Niederlande und Österreich entsprachen einer Bitte Prags und liefern jetzt 150 Beatmungsgeräte. Das Gesundheitssystem scheint trotz der vor anderthalb Wochen veranlassten Ausgangsbeschränkungen vor dem Zusammenbruch zu stehen.

Die Krankenhäuser sagen geplante und routinemäßige Operationen ab und kümmern sich nur noch um die lebensbedrohlichen Fälle. Deshalb ist der Bau des Feldlazaretts im Prager Stadtteil Letnany so dringend.

Jan Kvacek ist eigentlich Direktor des Prager Krankenhauses Na Bulovce, kümmert sich jetzt aber auch um den Aufbau des Lazaretts: "Wenn die meisten Prager Krankenhäuser ihre Kapazität verlieren und keine neuen Patienten mehr aufnehmen können, dann werden die stabilen Patienten hierher, in die provisorische Außenstelle des Krankenhauses Na Bulovce, geschickt, damit die Notarztwagen die Akutpatienten wieder in die Kliniken bringen können."

Höhepunkt der Krise steht noch bevor

Den Ärzten und dem medizinischen Personal werden zwei Labors, Röntgengeräte und eine Dekontaminationseinheit zur Verfügung stehen. Sie rechnen Anfang November mit dem Höhepunkt der Krise.

Jan Kvacek sagte zur Ausstattung des Feldlazaretts: "Es gibt auch zehn Intensivbetten mit mechanischer Beatmung für die Fälle, in denen sich der Zustand eines Patienten rasch verschlechtert".

Die letzten Betten werden gerade geliefert. Sie werden in 50 Abschnitten mit je einer Zeltambulanz in der Halle aufgestellt.

Euronews-Korrespondent Jiri Skacel ergänzte vor Ort: "Das Feldlazarett hier in Letnany wird in ein paar Tagen fertiggestellt sein. Danach können die ersten Patienten eingeliefert werden."