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Es tobt der Streit ums Essen - Minister:innen zerfleischen sich

Emmanuel Macron und sein Landwirtschaftsminister in Etaules in der Region Côte d'Or
Emmanuel Macron und sein Landwirtschaftsminister in Etaules in der Region Côte d'Or   -   Copyright  Ludovic Marin/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Haben die Minister wirklich nichts Wichtigeres zu tun, fragt ein Journalist seinen Kollegen im Radiosender France Info. Nein, die Debatte der Woche in der französischen Regierung ist der Streit ums Essen in den Schulkantinen in Lyon. Eigentlich reden Französinnen und Franzosen ja liebend gern übers Essen, aber so?

Am Wochenende hatte der Bürgermeister der Stadt Lyon, der Grüne Grégory Doucet, angekündigt, dass es wegen der Corona-Regeln jetzt nur noch ein Einheitsmenü in den Schulkantinen geben soll, damit alles schneller geht. Damit alle Kinder mitessen können, ist es ein Essen ohne Fleisch. Es gibt aber noch Eier und Fisch.

Schande und prähistorische Debatte

Diese Ankündigung hat einen Aufschrei ausgelöst. Es gab sogar Proteste einiger wütender Fleischbauern, aber vor allem tobt politischer Streit. Frankreichs Landwirtschaftsminister sprach von "Schande". Julien Denormandie prangerte eine "Ökologie des Ichs an, bei der jedes Mal diejenigen, die am schwächsten sind, die nicht unbedingt Zugang zu ausgewogenen Mahlzeiten haben, durch solche Entscheidungen bestraft werden".

Ihm widersprach seine Kollegin aus dem Umweltministerium. Barbara Pompili, dies sei eine "prähistorische Debatte". Auf Twitter plädiert sie für vegetarisches Kantinenessen.

Tatsächlich wird auch in Frankreich - außerhalb der Regierung - auch über eine ausgewogene Ernährunge ohne oder mit sehr viel weniger Fleisch diskutiert. Dazu bürgert sich der aus dem Englischen abgeleitete Begriff "flexitarien" ein, für Menschen, die sich nur halb vegetarisch ernähren.

Doch die meisten Minister im Kabinett von Regierungschef Jean Castex, der den Streit lieber heute als morgen beenden würde, setzen offenbar aufs Fleisch. Innenminister Gérald Darmanin meint, die Entscheidung in Lyon sei eine "inakzeptable Beleidiung der französischen Bauern und Metzger und zeuge von einer moralischen und elitären Politik der Grünen, die die unteren Schichten ausgrenzt." Viele Kinder bekämen oft nur in der Kantine Fleisch zu essen.

Macron: "Essen Sie Qualitätsfleisch"

Direkt zum Streit ums Kantinenessen in Lyon und den Zoff der Minister:innen wollte sich Frankreichs Präsident nicht äußern. "Es sollte alles geben. Essen Sie Hülsenfrüchte, essen Sie Qualitätsfleisch, bleiben Sie bei einem vollständigen Ernährungsmodell", sagte Emmanuel Macron, der zum "gesunden Menschenverstand" aufrief. "Wir verlieren viel Zeit in dummen Spaltereien". An diesem Dienstag war der Staatschef zu Besuch auf einem Bauernhof in der Region Côte-d'Or, weil die traditionelle Landwirtschaftsmesse in Paris in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer fällt.

Einige Ökologie-Befürworter:innen sind enttäuscht von Emmanuel Macron, der sich selbst eigentlich als Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel versteht. Sie meinen, der Präsident vertrete rückschrittige Positionen, wenn es um Umweltthemen gehe.

Streik in den Kantinen gehört zum Alltag der Eltern in Frankreich

In Lyon meinte eine Kollegin am Montagmorgen: "Ist doch eh egal, die Schulkantine hat zu, da wird gestreikt." Das ist in Frankreich übrigens öfter der Fall, dann nehmen andere Eltern oder die Tagesmütter schon mal ein oder zwei Kinder mehr zum Mittagessen mit nach Hause. Französische Frauen sind bekannt dafür, dass sie es schaffen, Kids und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Sie sind "débrouillardes", sie kommen zurecht und finden immer irgendwie eine Lösung.

Immerhin gibt es zur Zeit in Frankreich keinen harten Lockdown, Schulen und Kitas sind geöffnet.

Weitere Quellen • France Info