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Täglich ein Kilo Fisch: Kormoranplage am Balaton

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Täglich ein Kilo Fisch: Kormoranplage am Balaton
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Ihr Anblick ist berauschend und beängstigend zugleich: Riesige Kormoranschwärme am Ufer des Plattensees bereiten der örtlichen Fischerei und Aquakultur enorme Probleme.

Schätzungen zufolge haben mehr als 60 Tausend Vögel diesen vergleichsweise milden Winter in Ungarn verbracht.

"Ich kann Ihnen genau sagen, wie viel ein Kormoran verzehrt: bis zu ein Kilogramm Fisch täglich", klagt Ferenc Lévai vom ungarischen Verband für Fischerei und Aquakultur. "Die 40.000 Vögel, die für gewöhnlich in Ungarn überwintern, fressen 3500 Tonnen Fisch pro Jahr. Der gesamte Fang der 700.000 ungarischen Fischer beläuft sich auf 5.000 Tonnen im Jahr. In diesem Jahr wird jeder zweite Fisch in Ungarn von einem Kormoran gefressen."

Auch eine Bedrohung für seltene Fischarten

Zwar hat das ungarische Agrarministerium die Erlaubnis zur Ausdünnung der Kormoranbevölkerung erteilt. Doch ihre Zahl habe einfach überhandgenommen, klagen die Fischer. Das sei auch eine Bedrohung für seltene Fischarten.

Euronews-Reporter Gábor Tanács: "Ein Vogel, der drei Meter tief taucht und jeden Tag ein Kilogramm Fisch verzehrt, ist sicher kein Freund von Anglern und Fischern. Doch was sagen Naturschützer zu der Kormoranplage?"

Der menschliche Faktor

Die Überzahl sei zwar eine Gefahr für einige Fischarten in Ungarn, meint der Experte Balázs Szendöfi, aber Hauptursache für das Problem seien der Klimawandel und menschliche Aktivitäten. "In normalen kalten Wintern würden diese Vögel, die aus dem Norden und von der Ostsee kommen, bis zum Mittelmeer weiterfliegen. Sie sind an den Fischreichtum der Meere und der ungarischen Gewässer angepasst.

Doch hier kommt ein weiterer menschlicher Faktor ins Spiel: Aufgrund von Flussregulierungen und der Trockenlegung der Sümpfe im neunzehnten Jahrhundert ist der ungarische Fischbestand heute tausendmal kleiner."

Einst drastisch reduziert, hat sich der Kormoranbestand auch in anderen EU Ländern so stark vergrößert, dass Forderungen nach einem Managementplan für die Vogelart auf EU-Ebene laut werden.