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Protokollarisches Debakel in Ankara: Von der Leyen aufs Sofa verbannt

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Protokollarisches Debakel in Ankara: Von der Leyen aufs Sofa verbannt
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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, ganz klar nicht amüsiert, als sie beim offiziellen Besuch in Ankara auf einem Sofa sitzen musste. Ihr Gastgeber, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und ihr Mitreisender, EU-Ratspräsident Charles Michel, durften dagegen auf Stühlen am Kopfende des Raumes Platz nehmen.

Sie habe so getan, als sei nichts geschehen und habe Substanz den Vorzug vor Protokoll gegeben, so ihr Sprecher am Tag danach in Brüssel. Dennoch erwarte sie, dass die Institution, die sie vertrete, protokollgemäß behandelt werde. Ihr Amt habe sie angewiesen, sicherzustellen, dass ein solcher Vorfall sich nicht wieder ereigne.

Auf Twitter hagelte es wütende Kommentare mit dem Hashtag #Giveheraseat, dass ausgerechnet die erste Frau an der Spitze der EU-Kommission so behandelt werde.

Hätte Charles Michel ihr seinen Stuhl anbieten sollen?

Einige verweisen auf den Rückzug Erdogans aus der "Istanbul Konvention" für Frauenrechte.

Schließlich war dem männlichen EU-Außenbeauftragten im vorigen Jahr an gleicher Stelle ein Stuhl angeboten worden. Auch das letzte rein männliche EU-Präsidentenpaar war es gewohnt, gleich behandelt zu werden.

Doch Protokollexperten sagen, die Sitzordnung in Ankara sei korrekt gewesen. Das türkische Protokoll habe hundertprozentig internationale Standards respektiert, sagt Thomas Sladko von der Protokolltrainingsschule ISPD. Es sei typisch für Leiter von Delegationen, den Platz zur Rechten des Gastgebers zugewiesen zu bekommen.

Doch Beobachter sehen in "Sofagate" keinen Zufall. Denn das diplomatische Debakel folgte der türkischen Entscheidung vor einigen Wochen, sich von der Istanbuler Konvention zurückzuziehen - diese kämpft gegen häusliche Gewalt und für den Schutz von Frauenrechten.

Journalist • Stefan Grobe