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AstraZeneca: Nach Impfung verstorbene Camilla (18) hatte Autoimmunkrankeit

Raum für Impfungen in Österreich - Symbolbild
Raum für Impfungen in Österreich - Symbolbild   -   Copyright  HELMUT FOHRINGER/AFP
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Der Tod der 18 Jahre alten Camilla in der Nähe von Genua nach einer Impfung mit AstraZeneca hat viele In Italien geschockt. Laut Medienberichten wollen sich jetzt vielle junge Frauen nicht mehr impfen lassen. Erste Untersuchungen des Todes der Jugendlichen, die am 9. Juni wenige Tage nach der Impfung verstorben ist, ergeben, dass Camilla an einer Autoimmunkrankheit litt. Zudem bekam sie zuvor eine Hormonbehandlung.

Das 18-jährige Mädchen hatte eine Thrombozytopenie, die zu einem chronischen Thrombozytenmangel führt. Einen solchen Blutplättchenmangel hatten Forscher als seltene schlimme Nebenwirkung des AstraZeneca-Vakzins beschrieben (siehe weiter unten).

Neun Tage nach der Impfung war Camilla erstmals wegen starker Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit ins Krankenhaus von Lavagna gekommen, sie wurde aber wieder nach Hause geschickt. Als die Jugendliche zwei Tage später erneut ins Krankenhaus kam, wurde sie notoperiert, doch sie verstarb an einer Hirnblutung.

Studie der Charité zu AstraZeneca & BioNTech

Wer unter 60 Jahre alt ist und als Erstimpfung gegen Covid-19 Vaxzevria von AstraZeneca bekommen hat, erhält - wegen der Gefahr von sehr seltenen schweren Thrombosen - als Zweitimpfung in vielen EU-Staaten ein mRNA-Vakzin. Eine in THE LANCET veröffentlichte Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass die milden Nebenwirkungen bei den sogenannten Kreuzimpfungen häufiger seien.

Der Arzt für Infektionskrankheiten und Beatmungsmedizin Leif Erik Sander von der Charité in Berlin hat zusammen mit seinem Team eine neue Studie zu Impfungen mit AstraZeneca veröffentlicht. Darin werden die sogenannte Kreuzimpfungen - erst AstraZeneca und dann BioNTech/Pfizer - mit doppelten BioNTech-Impfungen verglichen. Als Probanden fungierten mehr als 300 Beschäftigte im Gesundheitsbereich, die schon früh gegen Covid-19 geimpft worden waren und im Mai 2021 die Zweitimpfung erhalten hatten.

Bei den nicht schlimmen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber litten die .Impflinge in beiden Gruppen etwa gleich. Insgesamt haben die Teilnehmenden die Impfungen laut Studie von Leif Erik Sander gut vertragen.

Was die Wirksamkeit der beiden Impfungen betrifft, schnitten die Impflinge mit der Kombination AstraZeneca/BionTech besser ab als die, die nur mit BioNTech geimpft worden waren.

Allerdings werden medizinische Studien mit weniger als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern danach weiter auf ihre Aussagekraft überprüft.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek schreibt auf Twitter zu der Untersuchung der Charité von wichtigen Daten und einer sehr guten Immunantwort.

In Deutschland hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern darauf geeinigt, dass mit einer ersten AstraZeneca-Dosis geimpfte Menschen unter 60 Jahren als Zweitimpfung einen mRNA-Imfpstoff bekommen sollen. Das Umsteigen auf die Vakzine von BioNTech/Pfizer oder Moderna für das sogenannten Boosten hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) Anfang April nach der Diskussion zu Fällen von Hirnvenenthrombosen empfohlen.

In Frankreich hatten die Gesundheitsbehörden ebenfalls angekündigt, dass die 533.000 Menschen unter 55 Jahren, die eine Erstimpfung mit AstraZeneca gegen Covid-19 bekommen haben, eine Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin - von BioNTech-Pfizer oder Moderna - erhalten sollen.

Die Weltgesundheitsorganisation teilt diese Empfehlung nicht - wie die WHO-Sprecherin Margaret Harris im April in Genf mitteilte. Die bisherigen Daten reichten für eine Empfehlung sogenannter Kreuzimpfungen nicht aus.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran, der selbst Arzt ist, sagte: "Es gibt Zeiten, in denen wir der WHO folgen und dafür kritisiert werden, und es gibt Zeiten, in denen wir ihr nicht ganz folgen und dafür kritisiert werden, dass wir ihr nicht ganz folgen."

Erstimpfung mit AstraZenca - Zweitimpfung mit BioNTech auch laut spanischer Studio hochwirksam

Eine Studie aus Spanien bestätigt die Wirksamkeit der Kombination: Erstimpfung mit AstraZeneca - gefolgt von einer Zweitimpfung mit BioNTech. Die Grundlagen sind auf der Internetseite von EpidemiXsStudies veröffentlcht worden.

Die spanischen Forscher:innen des Gesundheitsinstituts Carlos III in Madrid hatten als Proband:innen 600 Personen, die vor mindestens 8 Wochen eine Dosis des Impfstoffs Vaxzevria von AstraZeneca erhalten hatten und die weniger als 60 Jahre alt sind.

Die Studie ergab, dass die Impfstoff-Kombinaton hochwirksam ist - und dass nicht mehr Nebenwirkungen beobachtet wurden als bei Erst- und Zweitimpfung mit demselben Impfstoff.

In einer Mitteilung schreiben die Wissenschaftler:innen: "Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieses heterologe Impfschema hoch immunogen ist und keine Probleme mit der Reaktogenität nach der Impfung aufweist, die sich von denen unterscheiden, die bereits bei der homologen Verwendung dieser gleichen Impfstoffe berichtet wurden; das heißt, die Reaktion des Immunsystems ist nach der zweiten Dosis des Comirnaty-Impfstoffs (von BioNTech) stark verstärkt, während die beobachteten unerwünschten Nebenwirkungen im erwarteten Bereich liegen, mild oder moderat sind und sich meist auf die ersten 2-3 Tage nach Erhalt des Impfstoffs beschränken. In keinem Fall wurde in dieser klinischen Studie eine Krankenhauseinweisung als Folge der Anwendung dieses Impfschemas berichtet."

Was Prof. Greinacher von der Uni Greifswald zu den Thrombosen sagt

Professor Dr. Andreas Greinacher, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin in Greifswald, ist DER Experte für die durch AstraZeneca ausgelösten Thrombosen oder Blutgerinnsel in Deutschland. Der Hämatologe forscht seit Jahren an den Thrombosen, die als Nebenwirkung durch Heparin ausgelöst werden. Heparin ist ein Medikament, das eigentlich die Blutgerinnung hemmen soll und deshalb gegen Thrombosen eingesetzt wird.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuvor angekündigt, dass die eigentlich nach 12 Wochen vorgesehene Zweitimpfung mit dem Vakzin von AstraZeneca vorgezogen werden könnte. Dem WDR sagte er am 6. Mai: "Die Zweitimpfung haben jetzt viele lieber früher, auch mit Blick auf den Sommer – das geht mit Astrazeneca auch innerhalb der Zulassung."

Die Wirksamkeit der Zweitimpfung - des sogenannten Boostens - beträgt nach vier bis acht Wochen laut der europäischen Arzneimittelbehörde EMA 50,4 Prozent. Bei zwölf und mehr Wochen liegt sie bei 72,1 Prozent bis 82,4 Prozent.

Andreas Greinacher warnt im Gespräch mit ZEIT ONLINE davor, die zweite Impfung mit AstraZeneca früher zu verabreichen. Dadurch könne das Risiko seltener schwerer Thrombosen erhöht werden. "Ich kann jedem nur empfehlen, drei Monate bei der AstraZeneca-Impfung zu warten.", sagt der Experte der Uni Greifswald. "Bei allen Antikörperreaktionen gegen PF4 (Plättchenfaktor 4), die wir bislang untersucht haben, war es immer so, dass die Antikörper bei den allermeisten Menschen nach drei Monaten verschwunden sind". Sollten sich nach der ersten Impfung unbemerkt Autoantikörper gebildet haben, dann wären diese nach 12 Wochen wieder aus dem Blutkreislauf verschwunden. "Wahrscheinlich wird die Uhr damit wieder auf null gestellt", meint Greinacher.

Greinacher erklärt die Thrombosen nach einer Impfung mit AstraZeneca durch Eiweißverbindungen auf den Blutplättchen in Verbindung mit einer extremen Immunreaktion, bei der Autoantikörper entstehen. Er geht davon aus, dass Antikörper an Blutplättchen andocken und sie so aktivieren. Die Blutplättchen können dann verklumpen, so dass Gerinnsel entstehen, und die Zahl der Plättchen insgesamt wird dadurch reduziert.

"Die im Impfstoff gefundenen Eiweiße sorgen für eine kurzfristige Immunreaktion. Sie werden kurz nach der Impfung vom Immunsystem erkannt. Das bewirkt ein Warnsignal, das die Autoimmunreaktion gegen PF4 (Plättchenfaktor 4) anstößt. Auch wenn die Proteine aus dem Impfstoff schon längst abgebaut sind, führen die dann nach einer Woche gebildeten stark reagierenden Autoantikörper bei den wenigen Menschen, bei denen diese Nebenwirkungen auftreten, zu den seltenen Thrombosen. Der Impfstoff ist also der Anstoß, der den Stein ins Rollen bringt." sagt der Experte in der Parmazeutischen Zeitung. Die Autoantikörper richten sich gegen das eigene Immunsystem und lösen laut Greinacher die Blutgerinnsel aus. Als Ursache für diese Nebenwirkung werden die Vektoren vermutet - also die Erkältungsviren, über die der Impfstoff bei Vektorimpfstoffen wie AstraZeneca und Johnson & Johnson sowie dem russischen Sputnik V, in die Zellen transportiert wird.

Greinacher nennt die Nebenwirklung "vaccine-induced thrombotic thrombocytopenia" (VITT), also durch den Impfstoff ausgelöste Thrombosen mit Blutplättchenmangel.

Die sehr seltene schlimme Nebenwirkung des Impfstoffs von AstraZeneca wird auf Deutsch auch TTS – Thrombose mit Thrombozytopenie Syndrom – genannt. Das Ärzteblatt erklärt, dass die Wissenschaft von einer Inzidenz von 2,2 pro 100.000 bei Frauen unter 60 Jahren und 2,0 pro 100.000 bei Männern unter 60 Jahren ausgeht.

Die Gefährdung durch die Nebenwirkung ist also vor allem bei älteren Patientinnen und Patienten extrem gering im Vergleich zu dem Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Wer ist von Nebenwirkungen betroffen?

Greinacher meint, der inzwischen widerlegte Ansatz, dass vor allem Frauen von den schweren Thrombosen betroffen sein sollen, gehe darauf zurück, dass am Anfang vor allem im Gesundheitswesen Beschäftigte geimpft wurden. Und in dieser Gruppe sind Frauen die Mehrheit.

Der Greifswalder Mediziner bestätigt zudem, dass in Großbritannien und in Kanada, wo auch viele ältere Menschen mit Vaxzevria von AstraZeneca geimpft wurden, auch in den höheren Altersstufen VITT aufgetreten sei. Das besagt auch eine Studie von Neurolog:innen aus Deutschland.

Professor Greinacher geht davon aus, dass das Risiko schwerer Komplikationen bei der zweiten Impfung geringer ist - aber nicht gleich Null: "Eine gut überstandene erste Impfung schließt Komplikationen bei der zweiten Impfung nicht sicher aus."

André Karch, stellvertretender Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin am Universitätsklinikum Münster, kritisierte die Aufhebung der Priorisierung von Risikogruppen für die beiden Vektorimpfstoffe von AstraZeneca sowie Johnson & Johnson in Deutschland. Der Epidemiologe hält es für dringend notwendig, zuerst all die Menschen zu impfen, denen ein schwerer Verlauf von Covid-19 droht.

Wie wenn man den schlafenden Drachen ärgert

Professor Greinacher erklärte bei einer Pressekonferenz des Science Media Center: "Durch diese Impfung wird ein evolutionär ziemlich altes Immunsystem zum Arbeiten angeregt. Ich habe schon manchmal das Vergleichsbild genommen, es ist so, als wenn Sie sich einen Drachen in irgendeiner Höhle vorstellen, den man möglichst tunlichst ruhen lässt. Und durch die Impfung wird dieser geärgert und beginnt dann langsam aufzuwachen und nach einer Woche irgendwo ärgerlich zu werden. Und dann ist es völlig egal, was ihn aufgeweckt hat. Der Impfstoff ist zu dem Zeitpunkt bestimmt nicht mehr im Blut zirkulierend, sondern dann läuft eine Immunreaktion quasi auf Autopilot, die dann diese starken Gerinnungsaktivierungen durchführt. Wir wissen mittlerweile auch, dass Patienten, die diese Immunreaktion zeigen, auch weitere andere starke Antikörper-Reaktionen zeigen, so dass eine insgesamt überschießende Immunreaktion bei diesen Menschen auftritt. Warum das jetzt bei einem von 40.000 oder 50.000 Menschen nach der Impfung auftritt und bei den anderen 49.999 nicht, das ist im Moment noch unklar."

Mitte März hatte in Norwegen Professor Pål André Holme von der Uniklinik Oslo eine ähnliche Theorie wie die Kollegen von der Uniklinik Greifswald aufgestellt. Er hatte drei Beschäftigte des Gesundheitswesens, die nach der Impfung an Blutgerinnseln litten, behandelt. Holme sagte, dass die Blutgerinnsel durch eine starke Immunantwort produzierte Antikörper, die an die Blutplättchen andocken, ausgelöst werden könnten. Doch laut norwegischen Medien - wie VG - unterstrich Holme, dass dies bisher nur eine Hypothese sei. In Norwegen wird AstraZeneca inzwischen nicht mehr verimpft.

"Unsere Theorie ist, dass es sich hierbei um eine heftige Immunreaktion handelt, die sehr wahrscheinlich auf die Impfung folgt. Zusammen mit der Sektion für fortgeschrittene Thrombozytenimmunologie am Universitätskrankenhaus von Nordnorwegen (UNN) haben wir spezifische Antikörper gegen Thrombozyten nachgewiesen, die ein Bild ergeben können, das wir auch aus anderen Bereichen der Medizin kennen, dort aber von Medikamenten ausgelöst", erklärte der Chefarzt in Oslo.

Vergleichbare Probleme gibt es als Nebenwirkung von Heparin. Dieses Medikament verhindert die Blutgerinnung und soll eigentlich vor Blutgerinnseln schützen.

Auch Hirnarterien von Thrombosen betroffen

Britische Forscher:innen gehen davon aus, das Vaxzevria - der Impfstoff von AstraZeneca - nicht nur in sehr seltenen Fällen Thrombosen von Hirn- und Bauchvenen, sondern auch Thrombosen der Hirnarterien, die das Blut ins Gehirn transportieren, auslösen kann. Laut der Studie, die im Journal of Neurology Neurosurgery & Psychiatry veröffentlicht wurde, haben drei jüngere Impflinge einen Schlaganfall erlitten. Einer davon endete tödlich. Es werden zwei Fälle von Patientinnen beschrieben, die nach der Impfung unter starken Kopfschmerzen sowie einseitigen Lähmungserscheinungen litten.

In Großbritannien sind mehr als 33 Millionen Dosen von AstraZeneca verimpft worden, dabei wurden 309 Fälle schwerer Thrombosen verzeichnet.

Weitere Hypothese zur Erklärung des Auslösers der Thrombosen

Ein Forscherteam um Rolf Marschalek von der Goethe-Universität Frankfurt hat im Preprint eine Studie zur Ursache von Nebenwirkungen der Vektor-Impfstoffe wie AstraZeneca und Johnson & Johnson veröffentlicht. Vektor-Impfstoffe nutzen - anders als mRNA-Vakzine - Viren von Erkältungskrankheiten, um den Impfstoff in die Zellen zu transportieren.

Laut der auf Research Square erschienenen Studie kann es bei Vektor-Impfstoffen im Zellkern zu seltenen Aufspaltungen der DNA des Spike-Proteins kommen. Diese führten zu mutierten Proteinversionen, die in extrem seltenen Fällen Thrombosen auslösen. In einem Interview mit der Financial Times sagt Marschalek, dass dieses Problem durch eine veränderte Zusammensetzung des Impfstoffs behoben werden könnte.

Dieser Ansatz wird unter Expert:innen kontrovers diskutiert. Aber laut Medienberichten arbeiten sowohl AstraZeneca als auch Johnson & Johnson bereits mit dem Team um Professor Marschalek zusammen.

Sutdie aus Schottland zu seltenen Blutungen

Eine Studie aus Schottland, die in der Fachzeitschrift NATURE ver¨¨offentlicht wurde, vermutet einen Zusammenhang zwischen der Impfung mit Vaxzevria von AstraZeneca und seltenen Blutungen. Die Wissenschaftler:innen unterstreichen aber, dass die aufgetretene Krankheit behandelbar sei und dass der Nutzen der Impfung gegen Covid-19 das Risiko bei weitem übertreffe.

Das Forscherteam um Aziz Sheikh von der University of Edinburgh geht von einem leicht erhöhten Risiko der Autoimmunkrankheit ITP aus. ITP steht für idiopathische thrombozytopenische Purpura, dabei werden vermehrt Blutplättchen abgebaut. Eines der Symptome von ITP sind kleine punktförmige Blutungen.

Die Studie der Universität Ediburgh hatte Blutungs- und vaskuläre Ereignisse nach Covid-19-Impfungen bei 2,53 Millionen Menschen in Schottland analysiert.

Die Risiken sind laut Studie vergleichbar mit denjenigen anderer Vakzine wie den Impfstoffen gegen Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln und Grippe..

In den 27 Tage nach der Impfung mit Vaxzevria etwas mehr Fälle von ITP aufgetreten nämlich in der Häufigkeit von 1,13 Fällen pro 100.000 Erstimpfungen.

Fünf Fälle von Thrombosen durch AstraZeneca in Griechenland

Die griechische Arzneimittelbehörde EOF hat an diesem Mittwoch in Athen fünf Fälle von schweren Thrombosen nach einer Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca bekannt gegeben. Es handelt sich um vier Frauen im Alter von 36, 44, 47 und 61 Jahren und einen 35 Jahre alten Mann. Eine der vier Frauen ist verstorben, die drei anderen werden weiter in Krankenhäusern behandelt.

Die Vorsitzende der griechischen Impf-Kommission Maria Theodoridou unterstrich, dass der Nutzen der Impfungen die Gefahren bei Weitem überrage. Schließlich wurden in Griechenland 905.915 Erst- und Zweitdosen des Vakzins von AstraZeneca verimpft.

Wirksamkeit gegen indische Variante

Die Gesundheitsbehörde in Großbritannien Public Health England (PHE) hat eine Studie zur Wirksamkeit der Impfstoffe von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer gegen die indische Variante des Coronavirus B.1.617.2 im Preprint veröffentlicht. Die Impfung von AstraZeneca war der Studie zufolge nach der zweiten Dosis zu 60 % wirksam gegen die indische Mutante, verglichen mit 66 % gegen die britische Variante.

Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer erwies sich zwei Wochen nach der zweiten Impfung bei der indischen Variante als zu 88 % wirksam, um eine symptomatische Erkrankung zu verhindern, verglichen mit 93 % Wirksamkeit gegen die britische Variante. Der Impfstoff von Moderna konnte wegen der geringen Anzahl an verimpften Dosen im Vereinigten Königreich nicht mit einbezogen werden.

Public Health England (PHE) erklärte laut BBC, der Unterschied in der Wirksamkeit zwischen den beiden Impfstoffen nach zwei Dosen könne daher kommen, dass die zweite Dosis von AstraZeneca später verabreicht wurde als bei dem Impfstoff von Pfizer, der zuerst zugelassen wurde.

Andere Daten zeigen, dass es länger dauert, bis die maximale Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffs erreicht ist, so PHE.

Für die Studie wurden 12.675 gen-sequenzierte Fälle zwischen dem 5. April und dem 16. Mai analysiert. In nur 1.054 dieser Fälle wurde die indische Variante sequenziert, bekannt als B.1.617.2.

Seltene Nebenwirkungen von AstraZeneca können früh erkannt offenbar behandelt werden

Bei einer 62-jährigen Frau aus Österreich bildete sich an Tag 8 nach der Impfung mit AstraZeneca nach einem leichten Biss auf die Lippe ein riesiger blauer Fleck - und sie litt unter Zahnfleischbuten. Wie das Ärzteblatt berichtet, wurde im Wiener Allgemei­nen Krankenhaus die seltene Nebenwirkung des Impfstoffs gleich entdeckt. Und es gibt Mittel gegen die sogenannte impfstoffinduzierte immune thrombotische Thrombozytopenie (VITT). Der Patientin konnte mit intravenös verabreichten Immunglobulinen (IVIG) und einem Steroid geholfen werden.

Die entsprechende Studie österreichischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im "Journal of Thrombosis and Haemostasis" veröffentlicht wurde, geht davon aus, dass die sehr seltenen schlimmen Nebenwirkungen des Impfstoffs von AstraZeneca - wenn sie rechtzeitig entdeckt und behandelt werden - verhindert werden können.

Die Störung wird - so vermuten die Expert:innen - durch die Bildung von Autoantikörpern gegen den Plättchenfaktor 4 (PF4) - in Verbindung mit einem noch nicht bekannten Anion - ausgelöst. Dies führt zu einem Zerfall der Blutplättchen oder Thrombozyten. Die Patient:innen leiden dann gleichzeitig unter Thrombosen und einer erhöhten Blutungsneigung.

Unter internationalen Experten gibt es die Vermutung, dass die sehr seltenen Blutgerinnsel, die nach Impfungen mit AstraZeneca in Europa und in den USA mit Johnson & Johnson aufgetreten sind, durch die Vektoren verursacht wurden. Die Vakzine von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind - wie Sputnik V - Vektoren-Impfstoffe. Dabei werden die DNA-Informationen zur Produktion der Antikörper gegen das Coronavirus über sogenannte Vektorviren (meist Erkältungsviren) in den Körper eingeschleust.

Genau diese Vektoren könnten - wenn sie beeinträchtigt sind - die Probleme in Form von Blutgerinnseln verursachen.

Erleichterungen schon nach 1. Impfung?

Am 15. Mai hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer vorgeschlagen, dass Vorteile zum Beispiel beim Reisen schon nach der ersten Dosis des Impfstoffs mit AstraZeneca gelten sollten. "Wir alle wollen in den Sommerurlaub fahren. Eine Erleichterung kann ich mir sehr gut vorstellen: Wer mit Astrazeneca geimpft wird, sollte schon drei Wochen nach der ersten Dosis mehr Freiheiten bekommen“, sagte Kretschmer der Berliner Morgenpost. Damit würde man sich an Österreich orientieren. Der Schutz sei schon nach der ersten Astrazeneca-Impfung sehr gut.

Der Chef der Ständigen impfkommission hält das allerdings für keine gute Idee.

Auch der Epidemiologe Karl Lauterbach sprach sich im Berliner Tagesspiegel vehement dagegen aus: "Dies ist medizinisch nicht haltbar und auch nicht sinnvoll. In englischen Daten hat sich der Schutz vor einer Infektion oder der Weitergabe des Coronavirus als relativ gering erwiesen. In England rückt man daher inzwischen auch wieder vom Zwölf-Wochen-Intervall ab und verabreicht die zweite Dosis nach acht Wochen."

Aufschrei eines Hausarztes in Frankreich

Auf Twitter verbreitet der Vertreter eines Hausärzteverbandes einen Aufschrei: "Morgen muss ich 3 Dosen AstraZeneca wegwerfen, weil die Patienten sie nicht als Zweitimpfung haben wollen, obwohl sie keine Nebenwirkungen hatten. Andere hatten Termine für Pfizer, aber haben "vergessen" Bescheid zu sagen, dass sie nicht kommen." Das schreibt Jean Paul Hamon - der eine Arztpraxis in Clamart bei Paris hat - umrahmt von drei wütenden Emojis. Der Mediziner war 2020 selbst an Covid-19 erkrankt.

Auch in meinem Umfeld in Lyon sind Leute Impfskeptiker, von denen ich es nicht vermutet hätte. Mein Physiotherapeut wartet auf den Impfstoff des französischen Pharmakonzerns Sanofi, der Ende des Jahres bereit sein sollte. Eine Freundin, die Lehrerin auf Guadeloupe ist, fühlt sich "noch nicht bereit für die Impfung". Auf Facebook fragt eine Nachbarin nach, wie es denn die anderen mit der Impfung hielten. Sie fahre ja nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln und meide Menschenansammlungen.

In Deutschland klagen Hausärztinnen und Hausärtze eher darüber, dass sie nicht genug Impfdosen haben für alle, die sich gegen Covid-19 impfen lassen wollen. Die Situation hat sich noch verschärft, seit am 7. Juni die Priorisierung aufgehoben wurde.

Was tun mit Millionen Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca, die in mehreren EU-Ländern ungenutzt herumliegen?

In Frankreich hatte die Regierung vorgeschlagen, Vaxzevria auch unter 55-Jährigen anzubieten, aber die Gesundheitsbehörden - genauer gesagt die Mitglieder der "Haute Autorité de Santé - vertreten den Standpunkt , dass "erst ab 50-55 Jahren der Nutzen das Risiko wirklich übertrifft".

Allerdings wird in Dänemark - wo eigentlch AstraZeneca nicht mehr Teil des nationalen Impfprogramms ist - das Vakzin in privaten Zentren auch an Jüngere verimpft.

Laut dem französischen Sender BFMTV wird in Frankreich darüber nachgedacht, mehrere Millionen Dosen des Vakzins von AstraZeneca an das Verteilungsprogramm COVAX weiterzugeben, von dem vor allem ärmere Staaten profitieren.. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass sein Land bis zum Ende des Jahres 30 Millionen Impfstoffdosen an COVAX abgeben wird.

In der Klage der EU gegen AstraZeneca geht es um die Lieferung von 90 Millionen Dosen Vaxzevria. Und in Frankreich - wo die Impfwilligen beim Anmelden aussuchen können, welchen Impfstoff sie verabreicht bekommen - bevorzugen viele die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer oder Moderna. Dabei werden die Vektorimpfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson auch in Hausarztpraxen und Apotheken verimpft.

Ungeschickte Politiker auch in Kanada

Oft werden Menschen, die sich mit AstraZeneca haben impfen lassen, mit Mitleid betrachtet - besonders von denen, die einen mRNA-Impfstoff von BioNTech oder Moderna bekommen haben. Das schreibt der Schriftsteller Douglas Coupland, der in Kanada lebt und sich mit AstraZeneca hat impfen lassen. Der Autor von "Mc Job" und "Generation X" meint, dass die Verantwortlichen in Kanada bei ihren Entscheidungen gegen AstraZeneca "eher von Politik und Ungeschicklichkeit als von Wissenschaft angetrieben wurden".

Es sei auch typisch, dass seine Generation X nur die Restbestände der Impfstoffe bekomme. Dabei sei er mit AstraZeneca sehr zufrieden, denn das sei ein hervorragendes Vakzin.

Andere in Kanada fordern, dass das Land die über das Programm COVAX erhaltenen Dosen von AstraZeneca an andere Länder abgeben sollte, statt diese ungenutzt herumliegen zu lassen. Dr. Irfan Dhalla, ein Facharzt für Innere Medizin in Toronto, sagte laut CBC, dass Kanada die Dosen sofort weterleiten solle. "Wir sollten definitiv keine Dosen des AstraZeneca-Impfstoff in Kühlschränken lagern, während Tausende von Menschen jeden Tag in Indien, und andere Länder auf der ganzen Welt sterben und verzweifelt um einen hochwirksamen Impfstoff bitten," sagte er.

In Kanada wie in Deutschland sollten jüngere Geimpfte, die eine erste Dosis von AstraZeneca bekommen haben, als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff erhalten.

AstraZeneca in Brasilien teilweise - in der Slowakei ganz ausgesetzt

In Brasilien hat die nationale Gesundheitsbehörde am 10. Mai 2021 empfohlen, Schwangere nicht mehr mit dem Vakzin von AstraZeneca gegen das Coronavirus zu impfen. Zuvor hatten bereits die Regionalregierungen von Sao Paulo und Rio de Janeiro die Impfungen von Schwangeren mit AstraZeneca gestoppt. Es war von einem "Zwischenfall" in Rio de Janeiro die Rede, dieser wurde aber nicht offiziell bestätigt.

An diesem Dienstag hat die Slowakei angekündigt, dass keine Erstimpfungen mit Vaxzevria von AstraZeneca mehr vorgenommen werden. Menschen, die eine erste Dosis des Vakzins bekommen haben, erhalten aber wie geplant ihre Zweitimpfung mit AstraZeneca, teilte das slowakische Gesundheitsministerium mit.

Ansturm auf freigegebene Impfungen in Deutschland

Am zweiten Mai-Wochenende hat es in vielen deutschen Städten lange Schlangen vor Impfzentren gegeben, in denen AstraZeneca für alle angeboten wurde. Auf Fotos im Internet war zu sehen, dass in Stuttgart so viele gekommen waren, dass Menschenmassen ohne Abstand auf eine Impfung warteten.

Auch in Hamburg und in Köln wollten sich vor allem Jüngere mit dem fur alle freigegebenen Vakzin gegen Covid-19 impfen lassen. An diesem Montag hat Gesundheitsminister Jens Spahn auch die Beschränkungen für den Impfstoff von Johnson & Johnson - bei dem nur eine Dosis notwendig ist - aufgehoben.

Risiko laut Studie auch für über 60-Jährige

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) von Anfang Mai 2021, die im Preprint veröffentlicht wurde - also noch nicht von wissenschaftlichen Kolleg:innen geprüft ist - zeigt allerdings, dass auch bei über 60-jährigen Frauen nach einer Impfung mit AstraZeneca ein sehr geringes Risiko einer Hirnvenenthrombose besteht.

Der Anteil von Sinusvenenthrombosen war nach einer AstraZeneca-Impfung mehr als neunmal höher als nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff von BioNTech oder Moderna. Und die Rate war bei Frauen im Vergleich zu der von Männern mehr als dreimal so hoch.

Laut SPIEGEL ONLINE wollen die Autoren der Studie aber keineswegs Angst vor AstraZeneca verbreiten. "Wir stellen damit nicht die Impfung infrage, auch nicht das AstraZeneca-Vakzin, denken aber, dass alle Personen, vor allem Frauen, vor der Impfung über dieses Risiko aufgeklärt werden sollten, gerade auch im Hinblick darauf, auf welche Symptome sie im Nachgang zu achten haben", sagt DGN-Präsident Christian Gerloff. "Außerdem sollte sehr zeitnah eine neue Risiko-Nutzen-Bewertung durch die zuständigen Behörden erfolgen."

Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab es in Deutschland bis zum 15. April 2021 insgesamt 59 Fälle von Hirnvenenthrombosen - davon 45 Frauen und 14 Män­ner - bei mehr als 4 Millionen mit dem Vakzin von AstraZeneca Geimpften.

Auf Deutsch werden die seltenen Komplikationen auch Vakzin-induzierte thrombotische Thrombozytopenie oder VITT, die nach Impfungen mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson auftreten können.

Zu den seltenen Thrombosen gehörten venöse Thrombosen an den großen Hirnvenen (Sinusvenenthrombosen), an Bauchvenen (Splanchnikusvenen) sowie arterielle Thrombosen. Das Paul-Ehrlich Institut berichtet, die meisten der bisher aufgetretenen Fälle betrafen Personen unter 60 Jahren innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt der ersten Dosis.

Einige vergleichen das Risiko zur Veranschaulichung mit einem Lotto-Gewinn.

AstraZeneca und BioNTech schon nach 1. Dosis hochwirksam

Eine Studie aus Großbritannien, die in der Fachzeitschrift THE LANCET veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass die Impfstoffe von BioNTech und AstraZeneca gegen Covid-19 schon nach der ersten Dosis eine höhere Wirksamkeit entfalten als ursprünglich von den Herstellern angegeben.

Dabei wurden mehr als 620.000 Menschen mit einer Erstimpfung befragt, die zwischen Dezember 2020 und März 2021 geimpft worden waren. Das Forscherteam beobachtete eine signifikante Verringerung des Infektionsrisikos ab dem 12. Tag nach einer ersten Impfstoffdosis - nämlich 60% für AstraZeneca und 69% für BioNTech nach 21 bis 44 Tagen.

Fragen zum Tod eines Studenten in Nantes nach Impfung mit AstraZeneca

Am 18. März 2021 ist der 24-jährige Anthony tot in seiner Wohnung in Nantes aufgefunden worden. Seine Familie hatte Alarm geschlagen, weil er sich nicht meldete. 10 Tage zuvor war der Medizinstudent mit dem Vakzin von AstraZeneca gegen Covid-19 geimpft worden. Medizinstudenten im 6. Ausbildungsjahr wie Anthony arbeiten im Krankenhaus, deshalb sind viele von ihnen als Gesundheitspersonal inzwischen geimpft.

Am 1. Mai hat der Anwalt von Anthonys Familie über den Obduktionsbericht informiert, wie Ouest France meldet. "Der Bericht deutet darauf hin, dass die Todesursache eine abdominale Thrombose (...) in der Milz durch gerade erst gebildete Gerinnsel ist", sagte der Anwalt Etienne Boittin. Bei Anthony sei "jede Infektion, jeder Virus, Krebs oder Tumor, die eine Thrombose erzeugen können", ausgeschlossen worden. Die Obduktion hat den Impfstoff als Auslöser der Thrombose nicht nachgewiesen. Die Ermittlungen dauern an.

Anwalt Boittin erklärte, dass er etwa 15 Familien vertrete, deren Angehörige nach einer Impfung mit AstraZeneca in Frankreich verstorben sind. Die allermeisten seien jünger als 60 Jahre alt.

Seit dem 19. März wird AstraZeneca in Frankreich nur noch für über 55-Jährige empfohlen. Bis Ende April waren 3,2 Millionen Menschen im Land mit AstraZeneca geimpft worden. Insgesamt sind in Frankreich bis zum 1. Mai 104.675 Menschen an Covid-19 verstorben.

Bußgeld für Astra-Zeneca-Verweigerer in Schweden

In Schweden haben mehrere Personen ein Bußgeld aufgebrummt bekommen, weil sie sich nicht mit AstraZeneca impfen lassen wollten. In der Stadt Kalmar sind einige wieder umgekehrt, als sie wie der Rentner Staffan Lägerstrom und seine Frau erst in der Arztpraxis erfahren haben, dass sie das Vakzin Vaxzevria von AstraZeneca gespritzt bekommen sollten. Die südschwedische Stadt Kalmar verhängt in solchen Fällen, wenn die älteren Menschen den Impftermin nicht einhalten, eine Strafe von umgerechnet etwa 20 Euro.

Ziel der Bußgelder ist es, keine Impfstoffe verfallen zu lassen. Die schwedischen Gesundheitsbehörden empfehlen eine Impfung gegen Covid-19 mit AstraZeneca für über 65-Jährige - die Nachbarländer Dänemark und Norwegen haben Vaxzevria von AstraZeneca gestoppt.

In Schweden waren bis zum 30. April 2021 laut offiziellen Angaben 24,86% der Bevölkerung mit einer Dosis geimpft worden. Die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 liegt am 4. Mai bei 349,1.

Im April hatte sich Staatsepidemiologe Anders Tegnell in Stockholm mit AstraZeneca impfen lassen.

Die schwedische Regierung hat Anfang Mai angekündigt, dass das Land 1 Million Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca dem Covax-Programm zur Verfügung stellt. Covax steht für "Covid-19 Vaccines Global Access" - mit diesem Projekt der WHO, der EU-Kommission und von Frankreich sollen Impfstoffe fair verteilt werden - vor allem an Länder, die sich sonst kaum oder keine Vakzine leisten könnten.

Geimpfte in Deutschland können per App und im Internet Nebenwirkungen angeben

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut eine Internet-Seite eingerichtet, auf der Nebenwirkungen von Impfungen gegen Covid-19 gemeldet werden können.

Die Nebenwirkungen können auch über die App "SafeVac" weitergegeben werden.

Da die Geimpften bei den Informationen über Nebenwirkungen in ihrem Impfpass verzeichnete Nummern angeben sollen, bitten die Behörden darum, diese Daten nicht öffentlich zu machen. Es besteht die Gefahr, dass Daten gekapert und von Impfgegner:innen für falsche Angaben genutzt werden.

Der Tod der Krankenschwester in Zwettl wurde inzwischen genau untersucht

Zehn Tage nach einer Impfung mit dem Vakzin gegen das Coronavirus von AstraZeneca war eine Krankenschwester aus Zwettl in Niederösterreich am 28. Februar 2021 an einem Blutgerinnsel verstorben. Zudem hatte eine 35-Jährige nach ihrer Impfung eine Lungenembolie bekommen. Ihr ging es laut Informationen aus dem Krankenhaus Zwettl nach einigen Tagen wieder besser.

Zunächst gingen die österreichischen Gesundheitsbehörden und die europäische Arzneimittelagentur EMA davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem Impfstoff gebe. Doch inzwischen arbeiten Forscher:innen aus verschiedenen Ländern zusammen, um herauszufinden, was genau hinter den Komplikationen steckt.

Österreich setzt nicht mehr auf Impfungen mit AstraZeneca. Als Begründung nannte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) die Lieferschwierigkeiten des schwedisch-britischen Pharmakonzerns. Für die zweite Dosis der Menschen, die eine erste Dosis Vaxzevria bekommen haben, seien genug Dosen vorrätig.

Für 2022 und 2023 seien zu 90 Prozent mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Moderna bestellt worden, erklärte Mückstein in einem Interview. Die Entscheidung habe nichts damit zu tun, dass AstraZeneca etwa weniger wirksam wäre.

Vor fast drei Monaten hatte der Tod einer Krankenschwester im österreichischen Zwettl nach einer Impfung mit AstraZeneca für Aufsehen gesorgt.

Diese Symptome sind Warnsignale

Im ORF sagte Sabine Eichinger von der MedUni Wien am 19. März, dass sie AstraZeneca weiterhin für sicher hält. Doch Eichinger meint, dass starke Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schmerzen in den Beinen nach einer Impfung mit AstraZeneca als Alarmsignale gelten. "Wenn die typischen Beschwerden nach der Impfung wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder vielleicht auch Fieber nicht weggehen, wenn sich diese Beschwerden ändern oder wenn die Beschwerden weggehen und andere dann wieder kommen nach einem Zeitraum von vier bis fünf Tagen, dann müsste man hellhörig werden und gegebenenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen."

Sabine Eichinger, Expertin für Blutgerinnsel an der MedUni Wien, erklärt auch das Paradox, dass Thrombozyten, auch bekannt als Blutplättchen, Blutgerinnseln auslösen können. Niedrige Werte von Thrombozyten führen normalerweise zu Blutungen, nicht zu Gerinnung. "Man würde denken, dass niedrige Thrombozyten und Thrombosen eigentlich Gegensätze sind."

AstraZeneca in der Schweiz nach wie vor nicht zugelassen

Schon Anfang Oktober 2020 hatte der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca bei Swissmedic eine Zulassung des Impfstoffs gegen Covid-19 beantragt. Doch anders als für die Vakzine von BioNTech/Pfizer und Moderna, die seit Januar in der Schweiz verimpft werden, wurde die Zulassung bis Mitte April nicht erteilt.

Der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen EKIF, Christoph Berger, erklärte gegenüber Nau.ch, dass die Impfkampagne in der Schweiz mit BioNTech:Pfizer und Moderna gut vorankomme. "Falls die Zulassung erst in Monaten erfolgt, brauchen wir den Impfstoff immer weniger", sagte Berger.

Empfehlung der EMA bleibt bestehen

Die europäische Arzneimittelagentur EMA bleibt bei ihrer Empfehlung, dass sich die Menschen ohne Einschränkung mit AstraZeneca impfen lassen sollten. Die EMA-Chefin, die Irin Emer Cooke, erklärte an diesem Mittwoch in Amsterdam, die Nutzen des Impfstoffs von AstraZeneca überschreiten die Nebenwirkungen des Vakzins bei weitem. "Die Corona-Pandemie fordert unverändert täglich Tausende Menschenleben in der EU, deshalb brauchen wir alle Impfstoffe, die wir zur Verfügung haben", erklärte Cooke.

Vor allem die Menschen, die laut Priorisierung noch nicht mit dem Impfen an der Reihe sind, lassen sich vielerorts lieber mit AstraZeneca impfen als gar nicht. Manche Europäerinnen und Europäer wollen auch lieber in der Hausarztpraxis oder in der Apotheke ihrer Wahl und in ihrer Nähe die Spritze bekommen, statt sich auf den langen und eventuell beschwerlichen Weg zu einem Impfzentrum zu machen.

Niederlande setzen AstraZeneca aus

Kurz vor Ostern haben auch die Niederlande entschieden, den Impfstoff von AstraZeneca nicht mehr bei unter 60-Jährigen einzusetzen und ab dem 7. April vorläufig ganz zu stoppen. Im Land wurden bei 400.000 Menschen, die mit dem Vakzin geimpft wurden, fünf Fälle der seltenen Hirnvenenthrombosen - darunter ein Todesfall - gemeldet. Offenbar waren alle Frauen im Alter zwischen 25 und 65 Jahren, bei denen sich 7 bis 10 Tage nach der Impfung die schlimmen Blutgerinnsel bildeten.

Der Anteil an Fällen entspricht in etwa der Rate in anderen europäischen Staaten. In Frankreich wurden bis zum 25. März 2021 insgesamt zwölf Fälle von Sinusvenenthrombosen (Erklärungen und Hinweise auf Symptome hier weiter unten). Davon sind vier Personen verstorben.

Kanzlerin und Präsident mit AstraZeneca geimpft

Nach dem Präsidenten Frank-Walter Steinmeier ist auch die Kanzlerin Angela Merkel mit dem Impfstoff von AstraZeneca gegen das Coronavirus geimpft worden. "Ich vertraue den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen", erklärte der 65-jährige Steinmeier, der seiner Frau 2010 eine Niere gespendet hatte.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hatte sich auf einer Pressekonferenz in Berlin dazu geäußert, dass er seinen älteren Kabinettskolleg:innen dazu geraten hat, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Er selbst werde das auch tun, wenn er an der Reihe sei.

Der 71-jährige Innenminister war am Gründonnerstag der Aufmacher der digitalen BILD: "Horst Seehofer will sich NICHT mit AstraZeneca impfen lassen", hieß es. Er wolle den Impfstoff an sich nicht bewerten, sagte Seehofer gegenüber BILD, aber er erklärte: "Ich lasse mich nicht bevormunden."

Auch Horst Seehofer habe die Wahl, sich impfen zu lassen oder nicht, sagte Jens Spahn später.

Am 10. Mai 2021 wurde bekannt, dass sich Horst Seehofer - trotz einer Erstimpfung mit BioNTech - mit dem Coronavirus infiziert hat.

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Internetseite der BILD am 1. April 2021Screenshot

Mario Draghi und seine Frau mit AstraZeneca geimpft

Italiens Regierungschef Mario Draghi (73) und seine Frau Maria Serenella Cappello sind in Rom mit AstraZeneca geimpft worden. Das hat der Presseberater des Ministerpräsidenten mitgeteilt.

Schon Mitte März war Staatsprasident Sergio Mattarella (79) mit dem Vakzin des US-Herstellers Moderna gegen Covid-19 geimpft worden. Einige in Italien gingen dann davon aus, dass dies der beste Impfstoff sei. Da wollte Mario Draghi offenbar ein Zeichen setzen. Zusammen mit seiner Frau wartete er am Bahnhof Roma Termini darauf, dass er geimpft wurde.

Forschung hinter den Kulissen

In einem Artikel in ScienceMag haben Kai Kupferschmidt und Gretchen Vogel im April den aktuellen Forschungsstand zu den Problemen mit dem Impfstoff von AstraZeneca zusammengefasst. Inzwischen werden 30 Vorkommnisse mit mindestens 15 Todesfällen in Europa erforscht. "Die Leute arbeiten wie verrückt hinter den Kulissen, um mehr Klarheit zu schaffen", sagt Saskia Middeldorp vom Radboud University Medical Center in den Niederlanden. Die Expertin für Venenthrombosen hatte sich gegen den vorübergehenden Impfstopp von AstraZeneca ausgesprochen.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek meint, es mache Sinn, AstraZeneca einstweilen vor allem bei älteren Menschen einzusetzen. In Frankreich werden Personen im Alter ab 55 Jahren damit geimpft, in Schweden und Finnland ab 65 und in Island ab 70 Jahren.

Was sind Sinusvenenthrombosen?

Die Sinusvenen transportieren sauerstoffarmes Blut aus dem Kopf zum Herz. Durch die Sinusvenenthrombose verstopfen Blutgerinnsel die Sammelvenen des Gehirns - und können eventuell einen Schlaganfall verursachen. Bei dieser sehr seltenen Thromboseform gibt es einen Mangel an Blutplättchen sowie Blutungen.

Das Paul-Ehrlich-Institut rät, dass mit AZD1222 oder Vaxzevria von AstraZeneca Geimpfte, die starke und andauernde Kopfschmerzen haben oder punktförmige Hautblutungen, sofort zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen sollen.

Thrombosen kommen ansonsten besonders bei bettlägerigen Menschen, frisch Operierten oder auch Reisenden vor, die lange Zeit, ohne sich zu bewegen, sitzen. Rauchen, Übergewicht, Gefäßverkalkung, die Pille zur Verhütung und Diabetes gelten als weitere Risikofaktoren.