Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Wahlen im Iran: Politischer Machtwechsel durch Hardliner erwartet

Access to the comments Kommentare
Von Euronews mit dpa
euronews_icons_loading
Wahlen im Iran: Politischer Machtwechsel durch Hardliner erwartet
Copyright  ATTA KENARE/AFP or licensors
Schriftgrösse Aa Aa

Im Iran hat die Präsidentenwahl begonnen. Ali Chamenei, das politische und religiöse Oberhaupt des Irans, gab am Freitag eine zeremonielle erste Stimme ab.

Mehr als 59 Millionen Stimmberechtigte wählen einen Nachfolger für Präsident Hassan Ruhani, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten durfte.

Der Wächterrat lässt keine Wahl

Von den zunächst sieben zugelassenen Kandidaten gingen am Wahltag nur noch vier ins Rennen. Als klarer Favorit gilt der Kleriker und Justizchef Ebrahim Raeissi. Er ist Spitzenkandidat der Hardliner und Wunschpräsident des Establishments.

Vor vier Jahren noch an Ruhani gescheitert, dürfte der Weg ins Präsidialamt für Ebrahim Raeissi dieses Mal einfacher werden. Dafür sorgte auch der sogenannte Wächterrat, der als Wahlgremium ernsthafte Konkurrenten aussortierte. Denn wer zur Präsidentenwahl antreten darf, bestimmt vorab das konservative Gremium.

Dies führte sogar in den eigenen Reihen zu heftigen Protesten - und zu großem Desinteresse der Menschen an einer Wahl, die weithin als inszeniert und undemokratisch wahrgenommen wird.

Was ein Sieg von Hardliner Raeissi bedeuten würde

Nach der Wahl erwarten Beobachter einen politischen Machtwechsel. Als Präsident würde Raeissi nach Überzeugung von Experten den moderaten Kurs Ruhanis nicht fortsetzen. Der ultra-konservative Kandidat hatte in der Vergangenheit immer wieder das Wiener Atomabkommens von 2015 scharf kritisiert. "Wir werden das Abkommen respektieren, die Bedingungen dafür stellen aber wir, nicht die USA", hatte er im Wahlkampf gesagt.

Auch in der Nahost-Politik erwarten Beobachter bei Übernahme des Präsidentenamts durch Raeissi einen radikaleren Kurs, im Verhältnis zum Erzfeind Israel einen gar noch feindseligeren als bislang.

Außenseiterchancen werden dem reformorientierten Ökonomen Abdolnasser Hemmati eingeräumt, der insbesondere auf Proteststimmen hofft.

Meinungsforschungsinstitute gehen von einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung von 40 Prozent aus. Erste Ergebnisse werden laut Innenministerium am Samstag oder spätestens Sonntag erwartet. Der neue Präsident soll im August vereidigt werden.