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Covid, "Brexit" - LKW-Fahrer, die raren Schätzchen in der Lieferkette

Von Tadgh Enright, su mit dpa
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Covid, "Brexit" - LKW-Fahrer, die raren Schätzchen in der Lieferkette
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Tadgh Enright, Euronews:

„Große Lücken in den Supermarktregalen in ganz Großbritannien, manche sind völlig leer. Der Grund: Die Lieferkette steckt in der Krise. Nicht das Angebot ist knapp, sondern die Lkw-Fahrer, teils wegen des „Brexits“ und teils wegen der Pandemie. Das trifft alle – vom unabhängigen Dorfladen bis zu den großen Ketten. Und Branchen-Insider sagen, das ist erst der Anfang….“

... es sei denn, die Regierung erlaubt mehr Lkw-Fahrern, aus dem Ausland hierher zu kommen und zu arbeiten.

Die Sommerzeit ist ja eigentlich die Jahreszeit des Überflusses. Aber britische Social-Media-Nutzer klagen über leere Supermarktregale.

Diese Bilder zeigen, wo es Probleme gibt. Natürlich nicht überall. Aber große Einzelhändler wie Sainsburys und Tesco warnen, dass ihre Lager in den Läden nicht überall so voll sind wie sie sein sollten.

Einige Filialleiter erzählen, dass ...

Bryan Roberts, Einzelhandelsanalyst

"... sie einfach weniger regelmäßig beliefert werden – das geht oft zurück von fünf, sechs, sieben Lieferungen pro Woche auf vier oder fünf. Tesco hat bereits festgestellt, dass Nahrungsmittel verdorben sind, weil sie nicht schnell genug ans Ziel kamen. Ich meine, das wird in den kommenden Wochen und Monaten noch schlimmer, weil es so einen Mangel an LKW-Fahrern gibt. Und es wird lange dauern, den zu beheben. Tausende müssen ausgebildet werden."

100.000 BRUMMI-FAHRER FEHLEN

In der Branche wird geschätzt, dass 100.000 weniger Lkw-Fahrer hat, als es braucht – und die Liste der Gründe ist lang. Wegen des „Brexits“ können neue Fahrer aus Europa nicht mehr ohne weiteres einspringen, manche Fachkräfte aus Osteuropa finden die Visa zu teuer.

Und wegen der neuen Zollvorgaben verzichten viele Spediteure vom Festland seit dem „Brexit“ auf das Geschäft mit Großbritannien. Nur Unternehmen mit jahrelanger Expertise würden noch fahren, sagte Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL),(„dpa“).

Viele Fahrer sind während der Pandemie heimgefahren und nicht zurückgekommen. Und während das Land im Lockdown war, stand die Ausbildung neuer Fahrer still. Der Ausweg der Regierung: Sie änderte die Regeln, damit die Fahrer länger auf der Straße bleiben können.

Rod McKenzie, britischer Straßentransportverband (Road Haulage Association) :

"Wir müssen qualifizierte Fahrer, die ausgestiegen sind, ermutigen. Sie könnten wieder in den Beruf einsteigen, als eine Art Notmaßnahme. Und ja, wir möchten, dass europäische Lkw-Fahrer wieder zugelassen werden. Sie gehören auf die Liste der Mangelberufe und / oder man gibt ihnen kurzfristige Visa, um hierher zu kommen und zu arbeiten.

Noch gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Regierung sich hier bemüht ..."

Tadgh Enright, Euronews:

"... mehr Fahrer aus dem Ausland einzustellen. Es wird auch versucht, mehr Fahrprüfungen anzubieten, damit mehr neue Fahrer auf die Straße kommen. Schnelle Lösungen gibt es aber nicht. Viele rechnen damit, dass es noch schlimmer kommt, bevor es wieder besser wird.“

Der grassierende LKW-Fahrermangel hat ganz Europa fest im Griff
Dirk Engelhardt
Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL)

Kommt dazu: Der massive Anstieg von Neuinfektionen bei Aufhebung fast aller Corona-Maßnahmen führt in England zu immer mehr Schwierigkeiten. Weil sich Hunderttausende Menschen derzeit als
Kontaktpersonen in Selbstisolation befinden, fallen Züge aus, werden Läden geschlossen, Schulen gehen vorzeitig in die Sommerferien.

AUCH IN DEUTSCHLAND FEHLEN BIS ZU 60.000 FAHRER

Den europäischen Spediteuren kommt die „Brexit“-Lücke in Großbritannien nicht zugute. „Der grassierende LKW-Fahrermangel hat ganz Europa fest im Griff“, so Engelhardt. Der BGL geht allein in Deutschland von 45.000 bis 60.000 fehlenden Fahrern aus. 30.000 LKW-Fahrer gingen pro Jahr in den Ruhestand, doch wurden zuletzt nur 15.000 bis 20.000 LKW-Führerscheine jährlich neu erworben. Die Lücke dürfte daher größer werden, warnt er. Wenn nicht bald etwas gegen den Mangel unternommen werde, drohe auch hier ein Versorgungskollaps.

Tadgh Enright, su mit dpa