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Noch 155 Vermisste allein in Ahrweiler nach Hochwasser-Katastrophe

Von Euronews mit dpa
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In Ahrweiler in NRW nach dem Hochwasser
In Ahrweiler in NRW nach dem Hochwasser   -   Copyright  Bram Janssen/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Nach der Hochwasser-Katastrophe gibt es von vielen Vermissten immer noch kein Lebenszeichen. Allein im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler noch 155 Menschen vermisst.

Dass jetzt, nach knapp einer Woche, noch Überlebende gefunden werden, hält das Technische Hilfswerk für relativ unwahrscheinlich.

"Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller", sagte Lackner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Zu diesem Zeitpunkt ist es aber leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten."

Der Einsatzleiter der Feuerwehr in Ahrweiler, Holger Quint, befürchtet, dass beim Auspumpen von Parkhäusern und Tiefgeragen weitere Leichen in den parkenden Autos gefunden werden könnten.

Bis zu 5.000 Vermisstenmeldungen bei der Polizei

Insgesamt seien seit der verheerenden Flut mehr als 5.000 Hinweise zu vermissten Personen bei der Polizei eingegangen, darunter auch Mehrfachmeldungen sowie Personen, die aufgrund zusammengebrochener Verbindungen bisher nicht erreicht werden konnten.

Die Zahl der Todesopfer wird jetzt mit mindestens 170 angegeben: 120 Menschen starben in Rheinland-Pfalz, 48 in Nordrhein-Westfalen.

Der Ahrweiler Priester Jörg Meyrer sagt, es seien auch junge Menschen unter den Opfern, die anderen hätten helfen wollen in letzter Minute.

"Menschen, die in ihrem Auto gestorben sind, weil sie rausfahren, irgendwo hinfahren wollten, und die Flutwelle sie überrascht. Auf dem Weg in den Keller sind viele gestorben, weil sie nicht mehr rauskamen als das Wasser kam. Wir werden uns in den nächsten Tagen und Wochen dieser Wirklichkeit stellen müssen, die auch noch mal ein großer Schock für uns sein wird", so Priester Jörg Meyrer.

Zu früh für die Suche der Schuldigen?

Kritik an fehlenden Alarmsignalen und Sirenen wird laut, die in den letzten Jahren vielerorts abgeschafft worden sind, verbunden mit der Frage, ob ein besseres Warnsystem Tote hätte verhindern können.

THW-Vizepräsidentin Lackner warnte vor schnellen Schuldzuweisungen. "Natürlich werden wir die Abläufe aufarbeiten müssen. Aber ich finde diese Debatte drei bis vier Tage nach der Katastrophe unglücklich." Sie riet davon ab, "jetzt von Versagen zu sprechen und Schuldige zu suchen". Nach wie vor stünden viele Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz, viele Maßnahmen der Unterstützung liefen noch.

Künftig benötige man wieder mehr bewährte Alarmsysteme, so Lackner. "Wieso nicht mit Lautsprechern vor Ort auf den Straßen warnen, wie zum Beispiel auch bei einem Bombenfund? Auch viele Sirenen sind in den letzten Jahren abgeschafft worden, die braucht es."

Derweil werde in den Regionen der Hochwasserkatastrophe Aufräumarbeiten und Schadensprüfungen fortgesetzt. Wie die Staatskanzlei in Mainz mitteilte, will sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Nürburg (Eifel) ein Bild machen (18.00 Uhr). Dazu werde die SPD-Politikerin auf dem Nürburgring erwartet. Das Fahrerlager der traditionsreichen Rennstrecke dient in diesen Tagen als Zentrum für die Bereitstellung der Helfer.

Die Landesregierung in Mainz hatte für Betroffene der Katastrophe in Rheinland-Pfalz am Dienstag Soforthilfen bis zu 3500 Euro pro Haushalt beschlossen. Das Geld soll ohne Bedürftigkeitsprüfung schnellstmöglich über die Kreisverwaltungen ausgezahlt werden, teilte die Staatskanzlei mit. Darüber hinaus seien auf dem Spendenkonto der Landesregierung mehr als 6,2 Millionen Euro an Privatspenden eingegangen. Das Geld soll über Kreisverwaltungen verteilt werden.