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Aufgeheizte Stimmung in Wien bei Anti-Coronamaßnahmen-Demo

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Von Euronews  mit dpa
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Aufgeheizte Stimmung in Wien bei Anti-Coronamaßnahmen-Demo
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In Österreich haben Zehntausende gegen die bevorstehenden Corona-Verschärfungen protestiert. In Wien nahmen laut Polizei rund 35.000 Menschen an Demonstrationen gegen den Lockdown und die Impfpflicht teil. Der Protestzug legte am Samstagnachmittag

weite Teile des Verkehrs in der Wiener Innenstadt lahm. «Die Stimmung ist aufgeheizt», sagte ein Polizeisprecher. Es sei zu mehreren Festnahmen gekommen. Einige Teilnehmer warfen nach Beobachtungen von Medien Flaschen auf die Polizisten.

Die Teilnehmer kritisierten die am Montag in Kraft tretenden Ausgangsbeschränkungen sowie die ab 2022 geltende Corona-Impflicht als Zwangsmaßnahmen. Immer wieder wurde «Freiheit» skandiert. Viele Demonstranten trugen keine FFP2-Masken und verstießen damit gegen die Auflagen. Die Polizei war mit 1300 Beamten im Einsatz.

Psychologe Martin Hanko (44) ist einer der Demonstranten. Er sagt: "Ich habe Angst davor, wenn man Kinder impft, die nicht zu einer Risikogruppe gehören. Ich sage nicht, dass es Corona nicht gibt, ich gehöre auch nicht der rechts extremen Szene an. Ich bin ein Österreicher, der frei in diesem Land leben will."

Zu den Protesten hatte unter anderem die rechte FPÖ aufgerufen. Deren selbst an Corona erkrankte Chef Herbert Kickl meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort. Darin rief er zu einem möglichst breiten Widerstand auf. Schon zuvor hatte er die Strategie der Regierung scharf kritisiert und von einer «Diktatur» in Österreich gesprochen.

Unter die Demonstranten mischten sich nach Informationen der österreichischen Nachrichtenagentur APA auch bekannte Neonazis und weitere Personen aus dem rechtsextremen Umfeld.

Die österreichische Regierung hatte wegen der massiven vierten Corona-Welle einen Lockdown für alle ab Montag angekündigt. Während die Ausgangsbeschränkungen für Geimpfte und Genesene am 13. Dezember enden sollen, ist der Lockdown für Ungeimpfte unbefristet. Außerdem wird Österreich als erstes Land in der EU im Februar 2022 eine Corona-Impfpflicht einführen.

Die Impfquote liegt inzwischen bei rund 66 Prozent. Die Bereitschaft zur schützenden Injektion hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Die Impfzahlen haben sich gegenüber dem Sommer vervierfacht. Gründe dafür sind die 3G-Regel am Arbeitsplatz und die 2G-Regel, die Ungeimpfte von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausschließt.

Am Samstag wurde in Österreich erneut mehr als 15 000 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gezählt. Unter Berücksichtigung der Zahl der Einwohner ist der Wert fast dreimal so hoch wie in Deutschland. Die Lage in den Kliniken blieb allerdings zumindest binnen Tagesfrist weitgehend stabil.

Angesichts der baldigen Ausgangsbeschränkungen nutzten viele Menschen am Samstag noch einmal die Chance zum Einkaufen. Die Innenstädte und die Shopping-Center waren gut besucht. Ab 22. November dürfen die Menschen in Österreich nur mehr aus triftigen Gründen ihr Zuhause verlassen. Alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie die Lokale schließen. Es ist bereits der vierte Lockdown in Österreich.

Niederlande

Einen Tag nach den Unruhen in Rotterdam in den Niederlanden haben sich Tausende auf dem zentralen Dam-Platz in Amsterdam versammelt, obwohl die Organisatoren den Protest abgesagt hatten. Sie gingen friedlich durch die Straßen, streng überwacht von der Polizei.

Nach den heftigen Ausschreitungen in Rotterdam hat die Justiz Untersuchungen und weitere Festnahmen angekündigt. Der Justizminister sprach von "extremer Gewalt gegen die Polizei".

Corona-Krawalle sind in den Niederlanden nicht neu. Schon im Januar hatte es in mehreren Städten eine Welle der Gewalt gegeben, nach dem eine Ausgangssperre verhängt worden war. Auch damals war Rotterdam ein Zentrum der Gewalt gewesen.

Italien

In der italienischen Hauptstadt Rom gingen Tausende gegen den Green Pass auf die Straße. Viele forderten, statt Green Pass sollten die Behörden lieber die Grenzen zu Italien zu kontrollieren und keine Ungetesteten ins Land zu lassen.

Kroatien

Der Protest in Zagreb in Kroatien richtete sich vor allem gegen die jüngsten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung, die am letzten Dienstag in Kraft getreten waren.

Demnach dürfen Amtsgebäude nur mehr noch von Menschen betreten werden, die entweder geimpft, genesen oder getestet sind. Zu der Kundgebung hatte eine Initiative von Impf- und Maßnahmengegnern aufgerufen. In Kroatien stiegen die Corona-Infektionszahlen zuletzt stark an. Nur 46,5 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner lag am Samstag bei 789, mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. In den letzten sieben Tagen starben im Schnitt täglich 58 Menschen an Covid-19.