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Borjomi-Wasser aus Georgien: Jobs in den Mühlen der Weltpolitik

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Von Aleko Gvetadze, su
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Borjomi ist ein Mineralwasser aus Georgien, vulkanischen Ursprungs, über 1.500 Jahre alt. Das Heilwasser ist ein Hydrogencarbonat-Natrium-Säuerling, es hilft gegen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Leber, der Bauchspeicheldrüse und Stoffwechselerkrankungen. Und sein Fluorid wird eingesetzt, um Karies aufzuhalten.

Wurde, muss man eigentlich sagen. Denn das uralte Wasser aus dem Tal von Bordschomi im Kleinen Kaukasus ist in die Mühlen der Weltpolitik geraten.

Im Moment demonstrieren Arbeiter der Fabrik in Bordschomi gegen die mögliche Schließung der Firma, mit bis zu 120 Millionen Flaschen Jahreskapazität (2002) und rund 1.000 Mitarbeitern.

Nika Gelashvili, Mitarbeiter “IDS Borjomi”:

„Sie haben unsere Verträge geändert. Wenn sich die Lage beruhigt, fordern wir die Rückkehr zu den gleichen Bedingungen wie zuvor. Wir wollen gar nicht weiter protestieren. Aber warum haben sie die Fabrik geschlossen? Warum haben sie die Produktion des Mineralwassers eingestellt, das in Georgien und der gesamten Region sehr gefragt ist?“

UNABHÄNGIGKEIT, KRIEG, PRIVATISIERUNG, SANKTIONEN

In der Sowjetära war das Wasser der Hauptexportartikel der Georgischen SSR. Es wurden jährlich 450 Millionen Halbliterflaschen abgefüllt. Nach der Unabhängigkeit Georgiens brach der Mineralwasser-Export zusammen. Dem staatlichen Produzenten fehlten die Mittel für notwendige Investitionen. 1996 hatte das Unternehmen nur noch 14 Mitarbeiter.

2006 schließlich verhängte Russlands Gesundheitsbehörde ein Importverbot für georgische Mineralwasser – bis 2013. Dazwischen eskalierte der Südossetien-Konflikt und es kam zum offenen Krieg mit Russland, traditionell Hauptabnehmer des Borjomi-Exports.

2013 kaufte das russische Unternehmen „Alpha Group“ für 300 Millionen Dollar die Abfüllfirma. Der neue Besitzer – der russische Milliardär und Oligarch Michail Fridman – steht jetzt wegen des Krieges in der Ukraine unter internationalen Sanktionen. Also wurde die Produktion von Mineralwasser eingestellt.

Am 28. Februar 2022 hatte die Europäische Union ihn im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 auf die schwarze Liste gesetzt und sein gesamtes Vermögen im Zugriffsbereich der EU einfrieren lassen.

Levan Davitashvili, Georgiens Wirtschaftsminister:

„Ich kann jetzt nicht ins Detail gehen, aber die Regierung führt Verhandlungen und wir prüfen die rechtlichen Möglichkeiten.“

Das Interesse an den gesundheitlichen Vorteilen des Quellwassers von Borjomi war schon 1825 von den russischen kaiserlichen Behörden geweckt worden. Während der Sowjetzeit wurde es in andere Republiken exportiert. Und bis heute ist die Fabrik ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Georgien.

Nino Lobzhanidze, Ökonomin:

„Borjomi ist das Gesicht des Mineralwassers Georgiens. Dafür sind wir berühmt. Mineralwasser gehört zu den Top Ten der georgischen Exportprodukte. Deshalb ist es entscheidend, Borjomi zu retten und einen Ausweg aus dieser Situation zu finden.“

Die Fabrikangestellten von Borjomi, Kummer gewöhnt, bangen weiter um ihre Zukunft. Sie wollen protestieren, bis ihre Arbeitsplätze gerettet sind.

Aleko Gvetadze, su