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Vom Hof auf den Tisch: Weniger Pestizide für ein gesünderes Leben

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Vom Hof auf den Tisch: Weniger Pestizide für ein gesünderes Leben
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Von Claudio Rosmino  & Sabine Sans
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Europa will 2050 erster klimaneutraler Kontinent werden. Das ist das Ziel der EU. Die Biodiversitätsstrategie des Grünen Deals ist Bestandteil des EU-Wiederaufbauplans. Das Ziel der "Farm to Fork"-Strategie, also „Vom Hof auf den Tisch" ist der Schutz der Artenvielfalt und ein nachhaltiges Lebensmittelsystem. Die Strategie beinhaltet, den Einsatz von chemischen und gefährlicheren Pestiziden bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Außerdem werden Maßnahmen ergriffen, um im kommenden Jahrzehnt den Düngemitteleinsatz um mindestens 20 Prozent sowie den Einsatz von Antibiotika in Viehzucht und Aquakultur um 50 Prozent zu senken. Bis 2030 sollen zudem ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschafteter werden.

Schätzungen zufolge gingen 2017 in der Europäischen Union mehr als 950.000 Todesfälle auf ungesunde Ernährung zurück. Eine gesunde, pflanzliche Ernährung senkt das Risiko lebensbedrohlicher Krankheiten und verringert die Umweltauswirkungen unseres Lebensmittelsystems.

Auch eine verstärkte Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung und die Förderung von Forschung und Entwicklung im Rahmen von Horizont Europa mit 10 Milliarden Euro und der Wissenstransfer spielen eine wichtige Rolle. Die Kennzeichnung nachhaltiger Lebensmittel soll fundierte Verbraucherentscheidungen erleichtern.

In Europa erzeugte Nahrungsmittel können sich nicht nur einen guten Ruf in puncto Nachhaltigkeit erwerben. Das kann auch ein Wettbewerbsvorteil für europäische Landwirte sein und ihnen neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Europa kann somit weltweites Vorbild werden.

Moderne Landwirtschaft setzt auf Nachhaltigkeit

Der weltweit wachsende Nahrungsmittelbedarf ist die größte Herausforderung für die moderne Landwirtschaft, von der auch eine nachhaltigere Produktionsweise gefordert wird.

Die "Vom Hof auf den Tisch“-Strategie, das Herzstück des Grünen Deals der Europäischen Union, will Lebensmittel gesünder und ihre Produktion umweltfreundlicher gestalten.

Raubbau am Boden und Umweltverschmutzung machen einen Paradigmenwechsel notwendig. Er soll die Auswirkungen des Klimawandels abmildern und die Artenvielfalt schützen. Zentraler Punkt dieser EU-Strategie ist, den Einsatz von chemischen und gefährlicheren Pestiziden bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren.

Alternativen zu Pestiziden

Im Zentrum Frankreichs arbeitet das Landwirtschaftsinstitut von Ahun an sicheren Alternativen zu Pestiziden, deren verstärkter Einsatz Ernten vor Krankheiten schützen soll. Dort setzen Agrarexperten Protokolle um, die vom Dephy-Netzwerk definiert wurden. Die französische Initiative im Rahmen der „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie unterstützt Landwirte dabei, sich mit nachhaltigen Produktionsmethoden zu beschäftigen und weniger Pestizide einzusetzen.

Zu den Maßnahmen gehören: maßgeschneiderte Anbaustrategien und -methoden, die Vermeidung der umweltschädlichsten Produkte sowie die Stärkung der Pflanzenimmunität durch natürliche Biostimulanzien. Die Strategie kommt nicht nur der Umwelt und der Gesundheit des Landwirts zugute, der den Chemikalien ausgesetzt ist. Sie wirkt sich einer französischen Studie zufolge auch positiv auf den Ertrag aus:

"Wir haben eine nationale Datenbank, die gezeigt hat, dass die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln keinen Einfluss auf die Gewinnspanne hat", sagt Benoît Thiret, regionaler Koordinator des Dephy-Netzwerks. "Da wir weniger Pflanzenschutzmittel verwenden, können wir zwar einen geringeren Ertrag erwarten, aber wir haben auch weniger Kosten, sodass die Gewinnspanne am Ende fast gleich ist."

Mechanische Unkrautbekämpfung

Mechanische Unkrautbekämpfung spielt eine wichtige Rolle bei der Bodenbearbeitung. Dank dieser Technik, die unter bestimmten Bedingungen eingesetzt wird, kommt der Landwirt mit erheblich weniger Herbiziden aus.

"Dank dieser Methode konnten wir den Verbrauch von Herbiziden noch weiter reduzieren. Dazu muss man die Maschine zur richtigen Zeit, im richtigen Wachstums-Stadium und mit der richtigen Geräte-Einstellung einsetzen, um die Entwicklung der Pflanzen nicht zu gefährden", erklärt Benoît Thiret.

Wissenstransfer spielt eine wichtige Rolle

Im Rahmen der nationalen und europäischen Initiativen spielt auch der Wissenstransfer eine wichtige Rolle. Die Schüler der Landwirtschaftsschule repräsentieren die nächste Generation von Landwirten. Sie müssen sich mit einer nachhaltigeren Art der Lebensmittelproduktion unter neuen Regeln auseinandersetzen. Sie erleben den kulturellen Wandel – auch in der Landwirtschaft.

"Ich habe den Eindruck, dass sich die Entwicklung gerade etwas beschleunigt", erzählt Marion Libert, Studentin an der landwirtschaftlichen Hochschule von Ahun. "Früher waren wir viel mehr auf Pestizide fokussiert. Heute wird deren Einsatz von vielen Menschen hinterfragt. Mein Vater ist Biobauer, daher weiß ich, dass eine achtsame Produktion möglich ist.“

Und ihr Kommilitone Damien Farejeaux sagt: "Heute wenden wir andere Methoden an und erzielen den gleichen Ertrag wie vorher, für eine bessere Qualität der Lebensmittel und um unsere Umwelt, unseren Planeten zu erhalten."

Langfristige Umstellung auf Bio

Der von der Hochschule betriebene Bauernhof führt seine eigene Anbau- und Zuchtaktivitäten durch. Durch die Anwendung der Protokolle, die sich auf die Reduzierung von Pestiziden konzentrieren, ist das Geschäft profitabel. Langfristig soll der Betrieb auf Bio umgestellt werden. Aktuell achtet man bereits auf Bodenschutz, die Basis für eine gesunde Nahrungsmittelkette, so Direktorin Dominique Carrere:

"Biologie beginnt mit dem Boden. Wenn es Leben im Boden gibt, geben wir das an die Pflanzen und Tiere weiter. Wenn unsere Pflanzen am Anfang (der Nahrungsmittelkette) gesund sind, dann werden die Tiere, die sie fressen, gesunde Milch, gesundes Fleisch produzieren. Und wir Menschen werden automatisch gesunde Nahrung konsumieren."