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Zu gut für die Tonne: Lebensmittel verwerten statt verschwenden

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Zu gut für die Tonne: Lebensmittel verwerten statt verschwenden
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Von Claudio Rosmino  & Sabine Sans
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Ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel wird verschwendet, ihre Produktion belastet die CO2-Bilanz. Ein Kurswechsel ist notwendig. In Europa gibt es immer mehr Initiativen, die Lebensmittelverschwendung bekämpfen. Thema dieser Farm to Fork-Folge.

Lebensmittel mehr wertschätzen und weniger verschwenden

Lebensmittel halten uns am Leben und schenken uns Gesundheit - deswegen engagiert sich der Berliner Verein RESTLOS GLÜCKLICH für mehr Wertschätzung und gegen Verschwendung. die Mitglieder versuchen durch Bildung das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln zu stärken und Menschen fit zu machen für nachhaltige Ernährung im Alltag.

Geschäftsführerin Hanna Legleitner zeigt in der Online-Kitchen, wie man nicht nur gesund für sich selbs, sondern auch fürs Klima kochen kann.

Sie ist eine der vielen Aktivist:innen, die sich in Deutschland dafür einsetzen, Lebensmittelabfälle zu reduzieren.

Fast ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel landet ungenutzt in der Tonne. Laut Angaben der Welthungerhilfe sind das rund 1,3 Milliarden Tonnen jährlich.

Lebensmittelverschwendung: ein globales Problem

Lebensmittelverschwendung ist ein globales Problem, und die Coronakrise hat es noch verschlimmert. Sie wirkt sich auf Abfallentsorgungssysteme, die Ernährungsunsicherheit, den Verlust der Artenvielfalt und die Umweltverschmutzung aus. Wären Lebensmittelverluste ein Land, wäre es die drittgrößte Quelle für Treibhausgas-Emissionen in der Welt nach China und den USA.

Allein in der EU fallen jährlich 88 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, die damit verbundenen Kosten werden auf 143 Milliarden Euro geschätzt.

Die Europäische Kommission hat sich im Rahmen der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung verpflichtet, die Lebensmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene bis 2030 zu halbieren sowie die Lebensmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferketten zu verringern. Eine der konkreten Maßnahmen ist die "Vom Hof auf den Tisch-Strategie", die unter anderem folgendes vorsieht: rechtlich verbindliche Ziele zur Verringerung der Lebensmittelabfälle in der gesamten EU bis Ende 2023 sowie eine Überarbeitung der EU-Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung ("Verbrauchsdatum" und "Mindesthaltbarkeitsdatum") bis Ende 2022.

Lebensmittelverschwendung gibt es in vielen Bereichen, es gibt auch viele Möglichkeiten, sie zu verringern. Der Berliner Verein RESTLOS GLÜCKLICH setzt sich für mehr Wertschätzung und gegen Verschwendung von Lebensmitteln ein. Die Aktivist:innen sammeln Lebensmittel, deren Verfallsdatum ansteht oder die unansehnlich sind, für Bildungsprojekte.

In ihrer Online-Kitchen zeigen sie, wie man kreative Zero-Waste-Gerichte zubereitet. Man bekommt konkrete Tipps, wie man beim Einkauf, der Lagerung und bei der Verwertung der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenwirken kann. Verwertet wird, was die Lebensmittelrettungen hergeben: was gesund aussieht, gut riecht, sich gut anfühlt und schmeckt.

"Deutschlandweit werden jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das ist total absurd. Und setzen uns dafür ein, dass diese Lebensmittel wiederverwendet werden, dass sie in den Kreislauf zurückgeführt werden und dass die Leute auch verstehen, worum es eigentlich dabei geht, was es für Auswirkungen hat aufs Klima, wenn wir jeden Tag so viel Essen wegwerfen", so Hanna Legleitner. "Und so lecker kann Klimaretten schmecken. Das haben wir jetzt alles aus geretteten Lebensmitteln gekocht, und es sieht total toll aus und schmeckt auch richtig gut."

Die Online-Kitchen entstand aus der Teilnahme an der #planetaryhealthchallenge, einer internationalen Initiative, die das Bewusstsein für die optimale Ernährung schärfen will.

Lebensmittel retten, die Umwelt schützen und dabei Geld sparen

Wie man Lebensmittel retten, die Umwelt schützen und dabei Geld sparen kann, zeigt das SIRPLUS Impact-Startup in Berlin. Verkauft werden überschüssige Lebensmittel von über 700 Partnern, die kurz vor oder nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen oder nicht der Norm entsprechen. Die Lebensmittel können bis zu 70 Prozent billiger als regulär verkauft werden. Gerettet wird nicht nicht bei Supermärkten, sondern bei Hersteller:innen und Produzent:innen, Logistiker:innen und Großhändler:innen, wo größere Mengen anfallen.

"Alleine im Jahr 2020 konnten wir mit Sirplus 3,5 Millionen Produkte retten und tragen damit natürlich auch dazu bei, dass diese Produkte nicht weggeworfen werden und können so auch etwas für die Nachhaltigkeit tun und gegen den Ausstoß von Treibhausgasen", so Susanne Zander von Sirplus.

Auch die inzwischen internationale Initiative foodsharing engagiert sich gegen Lebensmittelverschwendung. Die Online-Plattform koordiniert und vernetzt Ehrenamtliche, die ungewollte und überproduzierte Lebensmittel von Privatpersonen, Einzelhändlern und Produzenten abholen und kostenlos verteilen. Foodsharing-Mitarbeiterin Katja Scheel erklärt:

_"Das ist also völlig offen, alle können mitmachen, alle können sich engagieren. Das ist ganz wichtig für uns, dass wir eine Mitmachbewegung sind. Wir haben in Berlin über 10.000 Aktive"
_

Lena Alex erklärt, warum sie sich ehrenamtlich engagiert und das Foodsharing-Netzwerk nutzt:

"Ich bin Teil von Foodsharing, weil ich finde, dass viel zu viele genießbare Lebensmittel weggeworfen werden. Und dagegen möchte ich etwas tun und deswegen rette ich und deswegen nutze ich auch die Verteiler. Und ich möchte auch meinem Sohn zeigen, wie nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln funktioniert."