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InvestEU: Starthilfe für Europa nach der Coronakrise

Von Naomi Lloyd, Guillaume Desjardin, Sabine Sans
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InvestEU: Starthilfe für Europa nach der Coronakrise
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Diese Woche in Real Economy: InvestEU – mit diesem Programm garantiert die EU Investitionen in kleine und mittlere Unternehmen und nachhaltige Infrastruktur, um das Vertrauen der Investoren zur stärken. Investitionen sollen die europäische Wirtschaft nach der Pandemie ankurbeln.

Investitionsschub für Europa

Europa braucht Investitionen in seine Unternehmen, Innovationen und Infrastruktur - wenn es seine Klimaziele erreichen und die wirtschaftliche Erholung ankurbeln will. Aber es gibt ein Problem - fast die Hälfte der EU-Unternehmen wollen wegen der Pandemie weniger investieren.

Wie man dieses Problem angeht: Ich spreche mit dem Chef der Europäischen Investitionsbank (EIB) hier in Luxemburg über das neue Programm der EU. Es soll Milliarden Euro an Kapital mobilisieren, indem es einen Teil des finanziellen Risikos für Investoren übernimmt.

Wie das vor Ort funktioniert, hat sich Guillaume Desjardins in einer alten wiederbelebten Kohlebergbaustadt in Polen angesehen. Doch zuerst einen Überblick über InvestEU:

Was ist das Programm InvestEU?

Damit sich Europa von der Pandemie erholt, braucht es Investitionen, um die wirtschaftliche Erholung in Gang zu bringen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Doch Investoren sind zögerlich. Damit sie mehr Projekte finanzieren, springt InvestEU ein - mit einer Garantie von 26 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt und 7 Milliarden von Partnerbanken.

Damit sollen rund 370 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Finanzierungen mobilisiert werden.

Das Geld wird in Innovations- und Digitalisierungsprojekte fließen, den Mittelstand unterstützen - insbesondere von der Coronakrise hart getroffene Unternehmen, die soziale Eingliederung fördern und nachhaltige Infrastrukturen unterstützen.

Und: Mindestens 30 Prozent aller Investitionen müssen dazu beitragen, ein grüneres Europa zu schaffen.

Investitionen und sozialer Wohnungsbau in Polen

InvestEU folgt auf den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) - bekannt als Juncker-Plan - der erfolgreich mehr als 500 Milliarden Euro an Investitionen generierte. Euronews-Reporter Guillaume Desjardins hat sich in Polen angesehen, wie Projekte davon profitieren.

In Real Economy geht es oft um grüne Energie und den ökologischen Wandel. Aber was wird aus den Kohleregionen? In Wałbrzych im polnischen Niederschlesien unterstützt die Europäische Union die Revitalisierung dieser Stadt, die seit rund fünf Jahrhunderten von der Kohle lebt.

Um die Kohleära abzuschließen und das Stadtzentrum neuzubeleben, hat der Ort von der Europäischen Investitionsbank ein Darlehen in Höhe von 14 Millionen Euro erhalten. Das wird teilweise von der Europäischen Kommission unterstützt.

"Revitalisierung bedeutet, ein Viertel der Altstadt quasi neu zu bauen", sagt Roman Szełemej, Bürgermeister von Wałbrzych. "Revitalisierung im sozialen Leben bedeutet, dass vor allem neue Fami-lien in diesem alten Teil der Stadt ein neues Leben beginnen und die alte Stadt neubeleben."

Und nicht nur Wałbrzych profitiert vom europäischen Investitionsplan, sondern auch Poznan, Polens fünftgrößte Stadt: "Wir müssen Wohnungen für junge Leute und für Senioren bauen", erklärt der Bürgermeister von Poznań Jacek Jaśkowiak. "Sie brauchen ein bisschen Unterstützung, ein bisschen Starthilfe. Dann können sie sich hier niederlassen, eine gute Arbeit finden und die Kinder in den Kindergarten schicken."

Der Fokus liegt auf sozialem und bezahlbarem Wohnraum. Am Ende soll dieses Programm 3.000 bis 4.000 Menschen ein Zuhause geben. So wie der 69-jährigen Aleksandra Wysocka, die sich noch an den Tag ihres Einzugs erinnert:

"Ich bin am 25. März 2019 hier eingezogen. Ich war unbeschreiblich glücklich darüber. Ich sagte zu meiner Katze, schau Beniu, du hast hier einen Balkon. Eine Wohnung zu kaufen, das wäre für mich zu teuer. Und für mich am Wichtigsten ist, dass die Frau, bei der ich den Mietvertrag unterschrieben habe, nicht eines Tages kommt und sagt, sie müssen die Wohnung wieder verlassen."

Risikoscheu privater Investoren zerstreuen

Um das Projekt zu finanzieren, wandte sich der Bauträger an die Europäische Investitionsbank. Die gewährte einen Kredit in Höhe der Hälfte der Gesamtkosten, um die Risikoscheu der Investoren zu zerstreuen.

"Die Banken haben uns nicht ganz vertraut. Das war eine etwas andere Tätigkeit als das, was wir vorher machten", sagt Andrzej Konieczny, Geschäftsführer von Poznańskie Towarzystwo Budownictwa Społecznego: "Und auch die von uns gewünschte Darlehenslaufzeit, - ursprünglich waren es 25-30 Jahre - war ein Problem. Erst als die Europäische Investitionsbank uns unterstützte, vertrauten uns auch die anderen Banken."

Der Bauträger hofft, dass der Erfolg dieses Projekts sowie der Vertrauensbeweis der EIB zukünftige Investoren überzeugen wird, ihr nächstes Projekt zu finanzieren.

Ab Juli wird InvestEU den Juncker-Plan ablösen. Diesmal werden neben der Europäische Investitionsbank auch lokale Bankinstitute beteiligt sein.

Im Rahmen von InvestEU arbeitet die Europäische Kommission mit nationalen Banken wie der BGK in Polen und der Europäischen Investitionsbank zusammen. Darüber spreche ich mit ihrem Präsidenten Werner Hoyer.

Euronews-Reporterin Naomi Lloyd:

Danke, dass Sie unser Gast bei Real Economy sind. Wie stark hat sich die Pandemie auf das Vertrauen der Investoren ausgewirkt?

Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank:

Die Pandemie hat Investitionsentscheidungen komplizierter gemacht, weil Einnahmen und Ressourcen der Unternehmen immer knapper werden. Die Unternehmen - und wir fragen jedes Jahr 12.500 nach ihren Plänen – geben an, ihre Investitionen leider zurückfahren zu müssen, insbesondere in den innovativen Bereichen. Das bereitet uns große Sorgen. Für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und seine Rolle in der Welt ist das eine Bedrohung.

Euronews:

Welche Prioritäten setzt InvestEU?

Werner Hoyer:

Digitalisierung und Innovation sind Schlüsselbereiche. Aber wir müssen auch in die Infrastruktur investieren, die im Rückstand ist. Und dann sieht man an dem Beispiel, das Sie in Polen beschrieben haben, wie wichtig es ist, die Menschen zu qualifizieren. Denn der Bergmann, der in Südschlesien aus der letzten Kohlegrube kommt, der wird nicht zwei Wochen später ein digitales Start-up leiten. Wir müssen diesen Menschen helfen, einen Job der neuen Generation zu bekommen.

Euronews:

Der Bericht über den sozialen Wohnungsbau hat gezeigt, dass private Banken anfangs zögerlich waren. Erst die Unterstützung der EIB hat weitere Investitionen ausgelöst. Ist das oft so?

Werner Hoyer:

Sehr oft sogar, manche Leute nehmen das Label "EIB-Finanzierung" als Sicherheitsgarantie, weil die Haupt- oder Schlüsselentscheidungen bei uns von Leuten mit einem technischen oder wissenschaftlichen Hintergrund getroffen werden. Das ist wahrscheinlich einmalig in der Bankenwelt. Wir können auf ein großes Vertrauen der Investoren zählen und wir erwarten, dass Investoren uns 60 bis 80 Milliarden Euro pro Jahr in Form von Anleihekäufen zur Verfügung stellen.

Eines unserer Vorzeigeprojekte im Moment ist Biontech, der Hersteller und Erfinder dieses fantastischen Impfstoffs. Wir kannten diese Firma schon vorher, weil wir die Entwicklung ihrer Krebsprodukte mitfinanziert haben. Sie kamen Ende 2019, Anfang 2020 zu uns und sagten, da kommt etwas auf uns zu. Wir glauben, dass unsere neue Technologie, bei deren Entwicklung sie uns geholfen haben, nützlich sein könnte, um diese kommende Epidemie bzw. Pandemie zu bekämpfen. Das ist eine Situation, in der ein privater Investor nicht bereit oder in der Lage wäre, dieses Risiko einzugehen. Es brauchte also einen öffentlichen Anstoß, damit daraus eine Erfolgsstory wird.

Cutter • Silvia Lizardo

Weitere Quellen • Produktion: Camille Cadet; Kamera Luxemburg: Thierry Winn, Nelson Parreira, Paulo Koglin; Kamera Polen: Mathieu Rocher; Motion Design: NEWIC https://www.agence-newic.com/