Wie bereitet sich der Gesundheitssektor auf den digitalen Wandel vor?

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Von Claudio Rosmino
Wie bereitet sich der Gesundheitssektor auf den digitalen Wandel vor?
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Der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) wird den Weg für das digitale Zeitalter der gemeinsamen Nutzung von Gesundheitsdaten ebnen. Wie bereitet sich der Gesundheitssektor auf diese Revolution vor? Welches sind die größten Herausforderungen in einem historisch zersplitterten Markt wie dem europäischen? Darum geht es in dieser Smart-Health-Folge.

Zersplitterte Realität

Die europäische Gesundheitsbranche ist mit einer zersplitterten Realität konfrontiert, vor allem in Bezug auf Vorschriften und Standards. In der Folge gibt es nur eine begrenzte Fähigkeit, gemeinsam zu agieren. 

Die Initiative 'Integrating the Healthcare Enterprise' (IHE) hilft bei der Vernetzung: Sie stellt Standards zur Verfügung, die es Ärzten, Industrie und Patienten ermöglichen, Informationen untereinander auszutauschen. 

Die internationale Veranstaltung "Connectathon" hat im schweizerischen Montreux Akteure des Gesundheitssektors versammelt, um über gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren und Gesundheitsprodukte zu testen. Die Erfahrungen werden bei der Umsetzung des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) berücksichtigt.

"Die Industrie fungiert mit ihren Produkten als Brücke zwischen der Gesetzgebung und den Nutzern klinischer Daten, seien es Patienten oder Ärzte", erklärt Lapo Bertini, Produktstratege für globale Interoperabilität bei Dedalus. "Synergieeffekte entstehen, wenn Institutionen Interoperabilitätsrahmen auf der Grundlage internationaler Normen eingeführt haben."

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Lapo Bertini, Produktstratege für globale Interoperabilität bei Dedaluseuronews

Schaffung einer Interkonnektions-Architektur

Nationale Gesundheitssysteme stehen jedoch vor einer Reihe von Herausforderungen.

Ein Beispiel: Ein Patient muss regelmäßig sein Herz untersuchen lassen. Aber die Ergebnisse werden oft nicht zwischen den verschiedenen Akteuren ausgetauscht. Die IHE schlägt eine Partnerschaft zwischen Nutzern, Anbietern und Einrichtungen des Gesundheitswesens vor, um Protokolle zu erstellen, die klären können, wie Gesundheitsdaten gemeinsam genutzt werden können.

Die Schaffung einer solchen Interkonnektions-Architektur ist jedoch eine sehr komplexe Aufgabe. Ein Schweizer Cyber Health Experte erklärt, wie es funktioniert:

"Es gibt mehrere Herausforderungen. Die erste besteht darin, eine Rechtsgrundlage für den Austausch von Gesundheitsdaten und die gemeinsame Nutzung von Dokumenten zu schaffen, damit der Patient selbst bestimmen kann, wer darauf zugreifen darf", so Stéphane Spahni, Systemarchitekt an den Universitätskliniken Genf. "Dann müssen wir die technischen Voraussetzungen schaffen, damit die verschiedenen Systeme miteinander kommunizieren können. Und hier spielt die IHE eine wichtige Rolle, indem sie die Normen bereitstellt, die diese Interoperabilität ermöglichen."

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Stéphane Spahni, Systemarchitekt an den Universitätskliniken Genfeuronews

Im digitalen Gesundheitswesen sind die Faktoren "Standards" und "Interoperabilität" von entscheidender Bedeutung, damit das System ordnungsgemäß funktioniert und den Patienten eine qualitativ hochwertige Versorgung bietet. Standards sind eine Reihe von Regeln, die die Kommunikation zwischen Gesundheitssystemen ermöglichen. Interoperabilität bedeutet, dass Daten in einer koordinierten Weise ausgetauscht werden.

Den Austausch zwischen Systemen testen

Auf der Connectathon-Veranstaltung werden medizinische Produkte und Software von IHE-Experten getestet, um zu überprüfen, ob sie mit den Protokollen übereinstimmen, die in verschiedenen Bereichen wie z.B. Radiologie, Kardiologie, Koordination der Patientenversorgung und Labor festgelegt wurden. 

Anne-Gaëlle Bergé, Technische Leiterin bei Connectathon, IHE Europe: "Die Softwareentwickler, die an der Veranstaltung teilnehmen, wollen den Austausch zwischen ihrem System und anderen Softwares testen, die realen Anwendungsfällen nachempfunden sind."

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Anne-Gaëlle Bergé, Technische Leiterin bei Connectathon, IHE Europeeuronews

Bei der Genehmigung des Zugangs zu Patienten-Gesundheitsdaten sehen IT-Experten eine Einzelfall-Option vor, so Anne-Gaëlle Bergé:

"Man kann sich das so vorstellen, dass die Einwilligung standardmäßig erfolgt und es dann dem Patienten überlassen bleibt, zu entscheiden, welcher Arzt auf welche Daten Zugriff hat. Zum Beispiel möchte man nicht, dass auf seine Daten zugegriffen wird, außer wenn man in die Notaufnahme eingeliefert wird. Das heißt, dass man wirklich auf Daten zugreifen muss, um behandelt zu werden."

Der "Europäische Gesundheitsdatenraum" gibt dem digitalen Wandel der Gesundheitssysteme neuen Schwung. Die gemeinsame Datennutzung mit Unternehmen des digitalen Gesundheitswesens hilft, patientenorientierte Gesundheitslösungen anzubieten.