Der Sneaker-Markt: vom lässigen Accessoire zum Luxus-Produkt

Von Guy Shone, Laila Humairah
Der Sneaker-Markt: vom lässigen Accessoire zum Luxus-Produkt
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Das Geschäft mit Turnschuhen boomt. Prognosen zufolge wird der Weltmarkt bis 2026 ein Volumen von 120 Milliarden Dollar erreichen, nachdem er 2020 noch 80 Milliarden Dollar wert war. Vorbei sind die Zeiten, in denen man Turnschuhe trug, bis sie auseinanderfielen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Art und Weise, wie Turnschuhe getragen werden, merklich verändert. Die Schuhe sind zu begehrten Modeobjekten geworden, die nicht mehr als zu informell für die Arbeit angesehen werden. Heute sind sie ein Symbol für Wohlstand und tragen wesentlich dazu bei, dass Schuhe die umsatzstärkste Kategorie auf dem Online-Luxusmarkt sind.

In dieser Folge von The Exchange untersucht Euronews die sich ständig verändernde Welt der Sneakers und die neuesten Trends auf dem Markt.

Wer setzt die Trends?

Den Schuhhändlern zufolge sind es die jungen Leute, die entscheiden, wohin sich die "Sneaker-Kultur" entwickelt, wodurch ein sich ständig weiterentwickelnder Markt entsteht, der mit den Kunden wachsen muss.

Susie Kuhn, die Präsidentin von Foot Locker für Europa, den Nahen Osten und Afrika, erklärte gegenüber euronews, dass die großen Einzelhändler die sich ändernden Geschmäcker und Trends verfolgen, um sicherzustellen, dass die jungen Leute bei der Stange bleiben.

"Die Sneaker-Kultur entwickelt sich jeden Tag weiter, denn die Kids entscheiden, wohin sie sich entwickeln wird. Wir sind ständig auf der Suche nach Expansion, Wachstum und Kontakten zu allem, was in diesem Ökosystem der Sneaker-Kultur passiert, und da passiert gerade eine Menge."
Susie Kuhn
EMEA-Präsidentin bei Foot Locker

Das Wachstum der Luxus-sneaker-Läden

Der Wiederverkaufsmarkt, auf dem Sammler oder "Sneakerheads" ihre Schuhe in limitierter Auflage zum Verkauf anbieten, ist ein wichtiger Pfeiler der Sneaker-Industrie, der weltweit rund 6 Milliarden Dollar umsetzt.

So entstand eine neue Marktnische: Premium-Sneaker-Läden, die im Auftrag ihrer Besitzer gegen Provisionen Sammlerstücke verkaufen.

Ein solches Geschäft ist "Presentedby", ein Unternehmen, das in seiner Eigendarstellung sagt,  es repräsentiere "eine raffinierte Erneuerung der Sneaker- und Streetwear-Kultur" in einer Welt, in der "Streetwear ein neuer Luxus ist".

"Presentedby" hat Läden in London, Paris, Dubai, Doha und Riad, von denen jeder eher wie ein Sneaker-Tempel als ein normales Schuhgeschäft aussieht.

Im Geschäft in Doha kann ein Paar Sneakers zwischen 2.000 und 50.000 Dollar kosten, wobei exklusive Paare wie die Dior Air Jordans sogar noch mehr kosten.

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Dior Air Jordanseuronews

Wie funktioniert der Sneaker-Wiederverkaufsmarkt?

Ridwane Ettoubi gründete "Presentedby" 2017, um die wachsende Gemeinde der Sneaker-Enthusiasten in Großbritannien anzusprechen, die Schuhe in limitierter Auflage besitzen wollten.

Ettoubi sagte euronews, dass man ein Paar Sneaker für 120 Dollar im Einzelhandel kaufen und am selben Tag für 400 Dollar auf dem Wiederverkaufsmarkt verkaufen kann, wenn man weiß, was man tut.

Klingt einfach genug. Aber laut dem Geschäftsführer von Presentedby braucht es bestimmte Fähigkeiten, um auf dem Wiederverkaufsmarkt erfolgreich zu sein.

"Man muss in der Lage sein, das richtige Produkt zur richtigen Zeit auszuwählen und zu wissen, wie lange man es behalten muss. Jetzt sind einige Stücke über einen Zeitraum von fünf Jahren um 1.000 % im Wert gestiegen."
Ridwane Ettoubi
Gründer & Geschäftsführer von "Presentedby"

Ettoubi fügte hinzu, dass die Verfügbarkeit ein Schlüsselfaktor bei der Auswahl wertvoller Sneaker ist, da eine "begrenzte Auflage" die Preise in die Höhe treibt.

"Handelt es sich also um eine Luxusmarke, die mit einer Sportmarke zusammenarbeitet? Ist es das erste Mal, dass sie zusammenarbeiten? Ist es der Designer, der beteiligt ist? Wie bei Aktien und Anteilen schwanken die Preise für diese Artikel", fügte er hinzu.

Eine Sneaker-Börse?

Es mag seltsam erscheinen, den Wiederverkauf von Sneakern mit Aktien und Anteilen zu vergleichen, aber ein ehemaliger NFL-Athlet hat die Idee in die Realität umgesetzt und eine Anlageplattform für Schuhe geschaffen.

Gerome Sapp hat RARES geschaffen, damit man in Sammlerstücke - ähnlich wie in Rohstoffe wie Gold - investieren kann. 

Sapp wollte eine Anlageplattform schaffen, die für die Generation-Z und Millennials besser geeignet ist als traditionelle Börsenmärkte.

Der RARES-Geschäftsführer sagte gegenüber euronews, dass junge Menschen „mehr mit Sneaker am Hut haben“ als mit traditionellen Rohstoffen wie Gold, und fügte hinzu, dass „sie jetzt ihr Anlageportfolio mit etwas erweitern können, das nicht nur cool ist, sondern auch etwas, das Ihnen Geld einbringt.“

Tatsächlich zeigen Daten von StockX, dass die Investition in Sneaker eine bessere durchschnittliche jährliche Rendite bietet als andere Vermögenswerte wie Rohöl und Gold.

Mit seiner frischen Interpretation der "Sneakerhead"-Kultur hat Gerome Sapp jungen Menschen eine neue Möglichkeit eröffnet, sich am Finanzmarkt zu engagieren und gleichzeitig ihrer Leidenschaft für Schuhe nachzugehen.

Diese jüngsten Innovationen auf dem Luxusgütermarkt haben den eheamals bescheidenen Sneakern zu einer Machtposition erhoben, die weiterhin boomt.