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In diesem Lager warten 199 "juristisch tote" Menschen und 100 Haustiere auf Wiederbelebung

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Von Roselyne Min
In diesen Tanks sind bei etwa - 100 Grad Celsius Menschen und Tiere kryokonserviert - um sie eines Tages vielleicht wiederzubeleben.
In diesen Tanks sind bei etwa - 100 Grad Celsius Menschen und Tiere kryokonserviert - um sie eines Tages vielleicht wiederzubeleben.   -   Copyright  Reuters

Von der Wand mit Porträts von Patientinnen und Patienten blickt die kleine Matheryn Naovaratpong aus Thailand herab. Sie verstarb, bevor ihr Leben so richtig begonnen hatte.

"Sie ist bei weitem unsere jüngste Patientin, nicht ganz drei Jahre alt. Sie hatte einen Gehirntumor. Ihre Eltern waren beide Ärzte. Sie wurde mehrfach am Gehirn operiert, leider ohne Erfolg", erklärt Max More, Ehrenpräsident der Kryonik-Einrichtung Alcor Life Extension Foundation in Arizona, USA.

More zufolge beherbergt die Einrichtung derzeit 199 Menschen und fast 100 Haustiere in Tanks, die mit flüssigem Stickstoff gefüllt sind. Die Hoffnung ist es, sie eines Tages wiederzubeleben, wenn die Technologie weit genug fortgeschritten ist, um ihre Krankheit zu behandeln.

Er sagt, die Patienten seien nur "juristisch tot", aber nicht biologisch. Die Kryonik könnte ihre Rettung sein.

Angeschlossen an Geräte, in flüssigem Stickstoff

Das Verfahren ist komplizierter als das bloße Einfrieren und Auftauen. Nachdem der Patient für rechtlich tot erklärt worden ist, wird der Körper in ein Eisbad getaucht.

Während dieser Prozedur wird ein mechanisches Herz-Lungen-Wiederbelebungsgerät eingesetzt, um die Blutzirkulation und die Versorgung mit Medikamenten zu gewährleisten und die Zellen vor Schäden zu schützen.

Es gibt keinerlei biochemische Aktivität, schon gar keine neurologische.

More erklärt, dass dies verhindert, dass der Patient wieder zu Bewusstsein kommt und Blutgerinnsel entstehen. Er fügt hinzu, dass die Aufrechterhaltung des Blutdrucks für die Lebensfähigkeit entscheidend ist, ähnlich wie bei der Organspende.

Die Körper seien technisch gesehen nicht eingefroren, sondern würden verglast.

"Wir wollen den Patienten nicht einfrieren. Wir wollen sie vitrifizieren... Der Grund dafür ist, dass die Lösung, sobald sie auf einen Wert unter dem Gefrierpunkt abgekühlt ist, nicht mehr kristallisiert, sondern immer dicker wird und wie ein glasartiger Block alle Zellen an Ort und Stelle hält, ohne eine innere Struktur zu haben, und somit keinen Schaden anrichtet", so More.

"Und sobald wir diesen Punkt erreichen, etwa bei minus 110 Grad, wird der Körper wirklich fest und es passiert absolut nichts mehr im Körper. Es gibt keinerlei biochemische Aktivität, schon gar keine neurologische. An diesem Punkt spielt es keine Rolle, ob man einen Tag oder 100 Jahre wartet, man wird genau so sein wie zu Beginn".

"Ziemlich Science-Fiction und naiv"

Die Ehefrau von More, die Futuristin und Autorin Natasha Vita-More, glaubt, dass diejenigen, die sich für die Kryokonservierung entschieden haben, nach ihrer Wiederbelebung nicht einsam sein werden.

"(Sie) werden höchstwahrscheinlich Familienmitglieder oder Freunde haben, die sich ebenfalls für die Kryonik entschieden haben... Eine Person, die Krebs oder ALS oder eine andere Art von Krankheit hatte, wird wiederbelebt. Die Krankheit oder Verletzung wird geheilt oder behoben, und die Person erhält einen neuen geklonten Körper oder eine Ganzkörperprothese oder ihren Körper reanimiert und trifft sich wieder mit ihren Freunden", sagte sie.

Für Dr. Arthur Caplan, Direktor der Abteilung für medizinische Ethik und Professor für Bioethik an der Grossman School of Medicine der New York University, ist die Idee der Kryonik nicht mehr als "eine Diskussion in einem Studentenwohnheim".

"Letztendlich halte ich die Vorstellung, uns in der Zukunft einfrieren zu lassen, für Science-Fiction und für naiv", sagte er.

"Klar klingt das gut, wie wäre es wenn ich mich selbst einfrieren und dann wie eine Tüte Erbsen wieder auftauen könnte, um in ferner Zukunft zu landen? Hört sich gut an, aber dann merkt man, wie sehr wir die Produkte unserer eigenen Zeit sind", so Caplan.

Weitere Informationen zu dieser Geschichte finden Sie im Video oben auf dieser Seite.