Eine Frau namens Blanche Mortemard hat gerade erfahren, dass sie die schlechteste Fotografin der Welt ist – unter 127.642 Menschen, die sich genau darum bemüht haben.
Bei den meisten Fotowettbewerben führen verschwommene Horizonte, schiefe Bildkompositionen und versehentlich mitfotografierte Daumen sofort zur Disqualifikation.
Für Icelandair sind sie hingegen das komplette Konzept.
Anfang des Jahres startete Islands nationale Fluggesellschaft eine virale weltweite Suche nach dem "schlechtesten Fotografen der Welt". Jetzt steht die Siegerin fest – und nein, es ist nicht Brooklyn Beckham; wer weiß, der weiß.
Blanche Mortemard aus Paris setzte sich gegen 127.642 Bewerberinnen und Bewerber aus 178 Ländern durch und sicherte sich den herrlich zweideutigen Titel. Sie beeindruckte die Jury "mit ihrer bewundernswerten Abwesenheit von Fähigkeiten und Kenntnissen der Grundlagen der Fotografie".
Ihr Siegerportfolio umfasst eine verschneite Stadtansicht von Oslo, in der ein Daumen gut zwanzig Prozent des Bildes verdeckt, ein schlecht belichtetes, verschwommenes Foto, das ungefähr in Richtung Freiheitsstatue zeigt, sowie ein Bild einer Möwe auf einem Laternenpfahl, die sich den Bildausschnitt etwas unglücklich mit einem Ohrläppchen teilt.
Wirklich bemerkenswerte Arbeit. Wirklich. Überzeugen Sie sich selbst:
Mortemard nimmt ihren neuen Titel gelassen: "Seit Jahren fragen mich Freunde und Familie, warum meine Fotos immer so enttäuschend aussehen. Ich bin glücklich, endlich eine Antwort zu haben: Ich habe für diese Rolle trainiert. Dieses Projekt feiert die Unvollkommenheit – vermutlich der einzige Fotowettbewerb, den ich je gewinnen konnte."
Die Idee hinter der Kampagne ist einfach. Island ist so absurd fotogen, argumentiert Icelandair, dass sogar jemand mit übernatürlichem Talent für missratene Fotos Mühe hätte, das Land schlecht aussehen zu lassen.
Nach Angaben von Icelandair war die Resonanz überwältigend.
"Wir freuen uns, dass wir endlich unsere schlechte Fotografin gefunden haben", sagte Gísli S. Brynjólfsson, globaler Marketingdirektor der Fluggesellschaft. "Dieses Projekt kommt weltweit an, weil die Menschen die inszenierte Perfektion satt haben. Wir bewundern den Mut der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Echtheit über Täuschung zu stellen – das hat sich in den Bewerbungen deutlich hervorgetan."
Im Rahmen ihrer neuen Aufgabe wird Mortemard zehn Tage lang durch Island reisen – eine Fotoexpedition mit nur einer Frage: Kann ein Mensch in einer der spektakulärsten Landschaften der Welt wirklich unfähig sein, ein gutes Foto zu machen?
"Ich werde Island mit der Selbstsicherheit einer Profifotografin dokumentieren – und mit den Fähigkeiten von jemandem, der garantiert keine ist. Wenn Island es überlebt, von mir fotografiert zu werden, überlebt es alles!", hat Mortemard angekündigt.
Für ihren Einsatz erhält sie ein stattliches Honorar von 50.000 Dollar. Es deckt ihre Zeit, ihre Ausgaben und natürlich ihre Fotos ab. Island ist gewarnt.