Der französische Konzern betont, dass er Peking nicht endgültig verlässt. Künftig will er Marken und Produkte anbieten, die den neuen Erwartungen chinesischer Verbraucher entsprechen.
Das französische Luxus-Kaufhaus Galeries Lafayette hat an diesem Mittwoch, dem 27. Mai, sein erstes chinesisches Flaggschiff geschlossen – dreizehn Jahre nach der Eröffnung. Das Unternehmen begründet den Schritt mit sinkenden Umsätzen in den vergangenen Jahren.
Der chinesische Luxusmarkt wuchs Mitte der 2010er-Jahre stark, vor allem dank einer aufstrebenden Mittelschicht. Doch Covid-19 und die schwere Immobilienkrise markierten einen Wendepunkt. Sie ließen den Binnenkonsum abrupt einbrechen und zwangen die Branche, sich auf neue wirtschaftliche Realitäten einzustellen.
„Wir haben in China ein Jahrzehnt Wachstum im Luxussegment erlebt. In diesen Jahren ist der chinesische Konsument deutlich reifer geworden. Er kennt den Umgang mit Luxus und Marken heute viel besser. Er hat sich diese Welt erschlossen, und seine Vorlieben sind feiner und anspruchsvoller geworden“, erklärt Lisa Nan, Redakteurin beim Jing Daily.
„Wenn man sich die jungen Konsumentinnen und Konsumenten von heute ansieht, merkt man, dass sie vielleicht nicht mehr nur von Marken angezogen werden, sondern eher von immersiven Pop-up-Läden und den zahlreichen Marketingaktionen in China“, sagt sie weiter.
Lisa Nan erinnert zudem daran, dass das französische Haus bereits angekündigt hatte, seinen gesamten Immobilienbestand in China zu überprüfen. „Deshalb glaube ich, dass diese Entscheidung eher auf interne Überlegungen zurückgeht, denn die Lage dieser Häuser war ziemlich ungünstig“, sagt sie. Und weiter: „Der Einzelhandel steht in China vor großen Herausforderungen, und das gilt nicht nur für Galeries Lafayette, sondern auch für Lane Crawford.“
Galeries Lafayette: Präsenz in China bleibt stark
Am Dienstag, am Vorabend der Schließung, schlenderte ein stetiger Strom von Kundinnen und Kunden durch das Haus, um die letzten Angebote mitzunehmen, während die Mitarbeitenden die unverkaufte Ware und die Schaufensterpuppen einpackten.
Qian Linlin, Beschäftigte im Finanzsektor, deren Büro nur wenige Schritte vom Pekinger Flagship-Store entfernt liegt, zeigte sich überrascht, als sie erfuhr, dass das Einkaufszentrum, das sie gelegentlich in ihrer Mittagspause besuchte, schließen würde. „Mir ist aufgefallen, dass nicht viele Kunden da waren, aber ich hätte nie gedacht, dass es eines Tages plötzlich schließen und verschwinden würde“, sagte sie. „Nach seiner Eröffnung war es damals auch ein Wahrzeichen, und wir jungen Leute kamen alle zum Einkaufen her. Jetzt bleiben uns nur noch die Erinnerungen.“
Das sechsstöckige, 48.000 Quadratmeter große Warenhaus, rund drei Kilometer westlich der Verbotenen Stadt, wurde vor der endgültigen Schließung von Handtaschen, Kleidung, Schuhen und Kinderspielzeug geräumt.
Dennoch zieht sich Galeries Lafayette nicht endgültig aus der chinesischen Hauptstadt zurück. „Seien Sie nicht traurig, das ist kein Abschied. Bis bald, Peking“, schrieb der französische Konzern in einer Mitteilung. Künftig will die Marke funktionalere Häuser eröffnen, mit stärkerem Fokus auf die Auswahl an Marken und Produkten.
„Die Erwartungen der Kundinnen und Kunden an das klassische Warenhausmodell haben sich stark verändert. Moderne Käuferinnen und Käufer legen immer mehr Wert auf Bequemlichkeit, besseren Service, eindrücklichere Erlebnisse und ein gesteigertes Wohlbefinden“, heißt es ebenfalls in der Mitteilung des Konzerns.
Galeries Lafayette betont zudem, dass die Schließung die Präsenz in China nicht infrage stellt. Die Häuser in Shanghai, Shenzhen und in der Sonderverwaltungsregion Macao bleiben geöffnet.