Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Hindu-Tempel in Dubai: Indisches Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Access to the comments Kommentare
Von Euronews
Hindu-Tempel in Dubai: Indisches Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Copyright  euronews   -   Credit: Dubai

euronews: Für dieses Interview sind wir bei der Eröffnung des Hindu-Tempels in Dubai. Der Botschafter Indiens in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist bei uns. Herzlich willkommen, Sunjay Sudheer. Wir befinden uns bei der Eröffnung des Hindu-Tempels hier in Dubai. Was bedeutet das für das Zusammenleben in Dubai, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und insbesondere für die indische Gemeinde?

Sunjay Sudhir, indischer Botschafter in den VAE: Es ist eine wunderbare neue Entwicklung. Die Eröffnung des Tempels in Dubai bedeutet so viel für die indische Gemeinde. Die Gemeinschaft besteht aus etwa 3,5 Millionen Menschen, von denen ein großer Teil Hindus sind. Und es ist nicht der erste Hindu-Tempel in diesem Land, es gibt viele andere. Aber jeder neue Tempel bringt der indischen Gemeinde neue Freude, und besonders dieser Tempel, denn es ist ein so schöner, ästhetischer Tempel, der an sich schon ein Kunstwerk ist. Und er beherbergt 16 Gottheiten und auch die heilige Schrift der Sikhs von Guru Granth Sahib.

„Toleranz und Harmonie“

euronews: Erzählen Sie uns mehr über die Vereinigten Arabischen Emirate und die hier herrschende Toleranz, über die Kulturen, die hier friedlich zusammenleben, und was der Tempel für diese Vision darstellt.

Sudhir: Das ist das Verdienst von Scheich Zayed, dem Gründer des Landes, denn dieses Land wurde auf der Grundlage von Toleranz und Harmonie aufgebaut. Deshalb gibt es in diesem Land Vertreter aller möglichen Glaubensrichtungen, darunter Muslime, Hindus, Sikhs, Christen und so viele andere. Toleranz und Harmonie sind Teil der Umgangsformen. Es ist etwas ganz Besonderes, dass es in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Minister für Toleranz gibt, Scheich Nayhan, der zu unserer großen Freude diesen Tempel einweihen wird. Wenn also ausländische Staatsangehörige verschiedener Glaubenszugehörigkeiten herkommen, sind sie beruhigt. Sie haben die Gewissheit, dass sie in der Lage sind, ihrem Glauben nachgehen, ohne Angst in ihrem Kopf und ihrem Geist zu haben, dass da etwas lauert.

Enge Zusammenarbeit der beiden Länder

euronews: Der Handel zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien hatte 2020 und 2021 einen Umfang von 44 Milliarden Euro. Was ist die treibende Kraft dahinter? Warum wird er immer stärker?

Sudhir: Es handelt sich um eine Beziehung, die lange Zeit zurückgeht. Es ist eine Beziehung, die auf gegenseitigem Vertrauen und Achtung beruht. Und das kommt von oben. Der Präsident, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, und unser Premierminister Narendra Modi haben ein gutes Verhältnis zueinander. Daher kommt das. Unsere Regierungen sind Bürokratien. Es ist dann viel einfacher, miteinander zu arbeiten. Das Vertrauen lässt sich bis auf die Ebene dieser beiden Personen zurückführen. Es besteht eine feste Bindung zwischen der Führung und den Menschen, ein Bindung für die Menschen, die sich in vielerlei Hinsicht zeigt. Die größte ausländische Gemeinde in diesem Land ist die indische. Etwa 3,5 Millionen. Das macht in den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa 25 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Und es ist eine wachsende Bevölkerung. Das zeigt, wie stark die Beziehungen sind. Zusätzlich zu den zwischenmenschlichen Beziehungen ist auch die Beziehung bezüglich Handel und Geldeinsatz sehr stark.

euronews: Zwischen Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten herrschte schon immer gegenseitige Achtung. Was ist der Grund dafür?

Sudhir: Heute haben wir bereits 107 sogenannte Einhorn-Unternehmen in Indien, von denen viel von den VAE finanziert werden. Die VAE und Indien sind überzeugt, dass beide für die Zukunft des jeweils anderen wichtig sind, und deshalb passen die beiden Länder so gut zusammen. Auch die Menschen passen gut zusammen.

euronews: Sind Sie der Meinung, dass Dubai und die Emirate ein guter Nährboden für mittelständische und kleine Unternehmen sind, um Waren zu testen, um zu sehen, ob sie sich weltweit aufstellen können? Finden Sie, dass die Emirate ein Testgelände für Unternehmen sind?

Sudhir: Sicherlich ist das wirtschaftliche Umfeld hier sehr förderlich für das Wachstum und die Entwicklung von Unternehmen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil des Verständnisses von Dubai, von Abu Dhabi, ja des ganzen Landes. Der Geldeinsatz, der zur Schaffung dieses Umfelds getätigt wurde, war groß und wurde von der Führung dieses Landes vorausschauend geleitet.

euronews: Kurz zu Ihrer Rolle: Sie sind seit fast einem Jahr als Botschafter Indiens in den VAE tätig. Erzählen Sie uns, was sich im vergangenen Jahr getan hat.

Partnerschaftsabkommen seit Mai in Kraft

Sudhir: Kurz gesagt: Es hat sich eine Menge getan, denn es gab Arbeit in allen Bereichen der Beziehung zwischen unseren Ländern. Im Februar dieses Jahres haben wir das umfassende Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Es ist am 1. Mai in Kraft getreten. Es ist das erste Partnerschaftsabkommen, das die VAE mit einem anderen Land unterzeichnet haben. Und für Indien ist es das erste Wirtschaftsabkommen dieser Art, das wir in den letzten zehn Jahren unterzeichnet haben. Unsere Staats- und Regierungschefs haben im Februar das sogenannte Visionsdokument veröffentlicht. Das ist ein Fahrplan für die Zukunft, der die Vorstellungen unserer Führung über die weitere Entwicklung unserer Beziehungen zum Ausdruck bringt. Es geht um erneuerbare Energien. Es geht um Finanztechnologie, Gesundheit, Energiesicherheit, Zusammenarbeit im Bereich von Geldanlagen. Eigentlich die ganze Bandbreite. Wir treiben also den Handel voran. Wir setzten Geld ein, es ist ein Wirken von Mensch zu Mensch. Ein großer Teil der Geldmittel ist von den VAE in neugegründete indische Unternehmen geflossen.

euronews: Was hat Sie in Ihrer Rolle im letzten Jahr am meisten überrascht? Wo haben Sie am meisten gelernt und was hat Sie am meisten überrascht?

Sudhir: Ich habe diese Beziehung immer für gut erachtet, aber erst als ich herkam und ein Teil dieser Beziehung wurde und mit der Verantwortung betraut wurde, die Beziehung als Botschafter Indiens zu leiten, wurde mir klar, dass es tatsächlich so viel mehr zu tun gibt, weil jeder hier offen ist. Sowohl hier als auch in Indien. Um noch einmal auf das Verständnis, das Vertrauen und die gegenseitige Achtung zwischen unseren politischen Spitzen zurückzukommen: Jeder ist sich bewusst, dass wir gemeinsam viel erreichen können, und deshalb machen wir Vorstöße in verschiedene Bereiche. Indien und die VAE arbeiten gemeinsam an der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen in Afrika. Wir arbeiten im Bereich Finanztechnologie zusammen. Wir haben bereits begonnen, uns mit Fragen des Klimawandels zu befassen. Es geschieht viel, und mir ist klar, dass die Möglichkeiten fast grenzenlos sind.

euronews: Erzählen Sie doch mal über Ihren Weg in die Außenpolitik und wie Sie dorthin gekommen sind, wo Sie heute sind.

Es ist also eine fast eine Weltreise, und es waren sehr unterschiedliche Aufgaben, aber trotzdem sehr bereichernd für mich, weil diese gesamte Palette vielfältig und bunt ist.
Sunjay Sudhir
Botschafter von Indien in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Sudhir: Es begann vor etwa 30 Jahren in Ägypten, wo ich Arabisch gelernt habe, gefolgt von einer weiteren Entsendung nach Syrien und dann zurück nach Delhi. Danach ging es weiter nach Sri Lanka und dann zur Welthandelsorganisation nach Genf. Ich bin nach Indien zurückgekehrt, dann nach Sydney gegangen und war anschließend Botschafter auf den Malediven und jetzt hier. Es ist also eine fast eine Weltreise, und es waren sehr unterschiedliche Aufgaben, aber trotzdem sehr bereichernd für mich, weil diese gesamte Palette vielfältig und bunt ist.

„Weiterer Weg, der der Erfüllung des Wunsches der Hindus dient“

euronews: Was wird der Hindu-Tempel hier in Dubai innerhalb der Gemeinde für den Glauben bewirken? Und warum ist das wichtig?

Sudhir: In den meisten Menschen gibt es diese Sehnsucht nach Glauben, nach religiöser Verwirklichung. Der Bau und die Einweihung dieses Tempels bietet einen weiteren Weg, der der Erfüllung des Wunsches der Hindus dient. Dieses Land bietet Frieden, Sicherheit, Harmonie, Arbeitsmöglichkeiten, in denen sich die besten Menschen entfalten können, und das ist ein großer Anziehungspunkt für Menschen aus Indien, mit ihren Familien in dieses Land zu kommen: mit Kindern, die zur Schule gehen, Männern und Frauen, die arbeiten und ihr Bestes geben und einen Beitrag zur Wirtschaft, zur Gesellschaft hier und auch für Indien leisten.

euronews: Warum sollten die Menschen den Tempel besuchen, wenn sie die VAE besuchen? Warum ist das ein guter Ort für einen Besuch?

Sudhir: Das ist eine persönliche Entscheidung. Dieser Tempel ist ein Kunstwerk. Dubai ist bekannt für seine modernen Gebäude, und dieser Tempel passt genau zum Entwurf Dubais. Alles, was in Dubai gebaut wird, muss sich abheben. Dieser Tempel sticht also auch in dieser Hinsicht hervor. Ich bin sicher, dass Inder, die herkommen, bei der Aufmerksamkeit, die die Einweihung dieses Tempels in Indien erhalten hat, versucht sein werden, diesen Tempel zu besuchen.