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Harte Zeiten für unabhängige Filmemacher

Dank digitaler Technik scheint es für unabhängige Filmemacher leichter denn je, ihre Filmprojekte umzusetzen.
Kameras und Schnittprogramme sind in Europa heute leichter zugänglich – eine Filmfinanzierung zu finden wird dagegen immer komplizierter.

Der Autorenfilm in Europa steckt in einer Krise. Viele Länder sparen im Kulturbereich. Wie schaffen es junge Regisseure trotzdem, ihre Projekte umzusetzen? Tiago Pereira erklärt, wie man als Nachwuchsregisseur überleben kann:

“Man muss seine Fantasie benutzen. Man kann ein Crowdfundingprojekt starten oder ein Konzert oder eine Spendenaktion organisieren, um seinen Film zu finanzieren.
Man muss kreativ sein, um Geld für kreative Projekte aufzutreiben.”

Tiago Pereira hat eine Internetdatenbank gegründet. Auf seiner Seite kann man Dokumentarfilme über traditionelle, alternative und vergessene Musikstile aus Portugal und portugiesischsprachigen Ländern sehen. Kunstformen, denen der Mainstream der Musikindustrie keine Beachtung schenkt.

Salomé Lamas ist 25 Jahre alt und Regisseurin. Ihren neuen Film, eine Doku-Fiction, wird sie in Peru drehen. Sie erklärt, wie sie es schafft, ihre Filmprojekte trotz geringer Mittel umzusetzen:

“Ich bin sehr pragmatisch. Ich denke nicht über Dinge nach, die mir nicht zur Verfügung stehen. Ich plane keine Einstellung, für die ich einen Kamerakran bräuchte, wenn ich keinen habe. Normalerweise sind meine Ideen umsetzbar. Ansonsten fange ich gar nicht erst an, das Projekt zu entwickeln.”

Für ihren neuen Film möchte Salomé Partner aus anderen Ländern finden. Internationale Koproduktionen werden immer häufiger.

Es ist sehr schwer, einen Film ins Kino zu bringen.
Verleiher und Kinobetreiber investieren nicht gerne in unabhängige Filmproduktionen. Deshalb spielen Festivals heute eine immer wichtigere Rolle, so Salomé Lamas:

“Manche Filme werden nie gezeigt. Nicht im Fernsehen und auch nicht im Kino. Festivals sind oft der erste Kontakt zwischen Film und Publikum. Normalerweise öffnen sie Türen zu anderen Vermarktungsmöglichkeiten. In Schulen zum Beispiel, in Filmklubs oder Ähnlichem.”

Es ist sehr schwer im Wettbewerb einer globalen Industrie zu überleben, die von Hollywood dominiert wird.

Generation Y hat nachgefragt: Bei “Medeia Filmes”, einer Verleihfirma aus Portugal, die auch eigene Kinos betreibt.

Dieses Kino in Lissabon gehört zum Netzwerk “Europa Cinemas”. Die Filmtheatervereinigung wird von der Europäischen Kommission unterstützt. Ziel des Netzwerks ist es, europäische Filme ins Kino zu bringen.

Paulo Branco ist Filmproduzent und Eigentümer von “Medeia Filmes”. Er findet es wichtig, europäische Produktionen in die Kinos zu bekommen – doch das allein reicht nicht:

“In Europa gab es nie ein Projekt für eine europäische Filmkultur. Oft wird darüber gesprochen, die Vielfalt zu erhalten. Das ist sehr wichtig. Neugier und Offenheit für Filme aus anderen Ländern gab es aber nie. Für einen portugiesischen Film ist es fast unmöglich, im deutschen, italienischen oder französischen Fernsehen gezeigt zu werden. Zumindest bei öffentlich-rechtlichen Sendern. Das ist schade, das hätte die europäische Filmindustrie stärken können.”

Salomé Lamas jüngster Dokumentarfilm wurde auf der Berlinale vorgestellt. Er wird in drei Ländern ins Kino kommen:

“Es ist ein Film über Demokratie. Über einen Söldner. Das gibt es in jedem Regime. Egal ob wir über die Todesschwadrone der GAL in Spanien sprechen, oder über den portugiesischen Kolonialkrieg: Es gibt immer Verbindungen mit ähnlichen Ereignissen in anderen Ländern. Es ist ein universeller Film.”

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