Der wirtschaftliche Schaden durch gefälschte oder illegal eingeführte Medikamente steigt stark an. Trotz sinkender Stückzahlen vervierfachte sich der Warenwert beschlagnahmter Präparate zwischen 2023 und 2025.
Der deutsche Zoll schlägt Alarm: Der wirtschaftliche Schaden durch gefälschte oder illegal eingeführte Arzneimittel wächst rasant. Wie die Behörde Euronews mitteilte, hat sich der festgestellte Warenwert schutzrechtsverletzender Medikamente zwischen 2023 und 2025 mehr als vervierfacht – von 545.223 Euro auf über 2,3 Millionen Euro.
Gleichzeitig zeigt sich ein gegenläufiger Trend: Während die Zahl der beschlagnahmten Einzelstücke im selben Zeitraum deutlich zurückging – von 46.059 auf 5.025 –, stieg der Wert pro Einheit erheblich. Das deutet darauf hin, dass zunehmend hochwertigere oder markengeschützte Präparate betroffen sind.
Im Jahr 2025 stammten die sichergestellten Medikamente überwiegend aus China und dem Vereinigten Königreich. Der Zoll hält Sendungen zurück, die möglicherweise gegen Schutzrechte verstoßen, und vernichtet sie anschließend in enger Abstimmung mit den jeweiligen Rechteinhabern. Eine Schutzrechtsverletzung liegt etwa dann vor, wenn Patentrechte verletzt werden.
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) warnt: „Die Fälschungen können toxisch sein – wegen toxischer Inhaltsstoffe oder wegen der Überdosierung korrekter Wirkstoffe.“ Oft würden sie unter „unhygienischen Bedingungen“ hergestellt, so die ABDA in einem Faktenblatt.
Potenz- und Schlankheitsmittel
Demnach gebe es mehrere Arten von Fälschungen: Produkte ohne Wirkstoff, Produkte mit falschen Wirkstoffmengen sowie Produkte mit gefälschten oder falschen Inhaltsstoffen.
Auch Nahrungsergänzungsmittel können illegale Stoffe enthalten, so die Verbraucherzentrale. Viele „natürliche“ Produkte, insbesondere aus Asien, würden Stoffe enthalten, die in der EU nicht zugelassen seien. Teilweise seien sie krebserregend. Gefährliche Arzneistoffe fänden sich vor allem in Mitteln zur Potenz- oder Libidosteigerung, in Sportlerprodukten sowie in Schlankheitsmitteln.
Immer wieder beschlagnahmt der Zoll etwa an Flughäfen wie dem Flughafen Frankfurt Sendungen mit gefälschten oder illegalen Medikamenten, darunter Dopingmittel, Potenzmittel oder auch Mittel gegen Jetlag oder Schlafstörungen, so die Gewerkschaft der Polizei im Jahr 2023.
Der Arzneimittelproduzent Bayer spricht sich für die Nutzung von Apotheken sowie zertifizierten Online-Apotheken aus. So könnten Käufer sicher sein, ein echtes Präparat zu erhalten. Insbesondere verschreibungspflichtige Medikamente sollten legal mit Rezept bezogen werden.
Bei der Überwachung von Arzneimitteln übernimmt der Zoll lediglich eine unterstützende Rolle. Originär zuständig sind die Arzneimittelüberwachungsbehörden der Bundesländer. Der tatsächliche Umfang der insgesamt sichergestellten Medikamente dürfte daher noch größer sein.
Zuletzt gab Interpol bekannt, 6,42 Milliarden Dosen gefälschter und illegaler Medikamente beschlagnahmt zu haben. Insgesamt lag der Wert der Arzneimittel bei 13,1 Millionen Euro. Dabei handelte es sich etwa um gefälschte Potenzmittel, Antibiotika, aber auch um Mittel zur Rauchentwöhnung.