Patienten erhalten neue Medikamente in Europa sehr ungleich: Die Wartezeiten reichen von wenigen Monaten bis zu mehr als drei Jahren, so der Pharmaverband EFPIA.
Es kommen zwar immer neue Medikamente und Therapien auf den Markt. Doch viele Arzneimittel sind in Europa weiterhin nicht überall gleich gut verfügbar.
Ein neuer Bericht des Verbands der europäischen Pharmaunternehmen EFPIA untersucht, wie lange es dauert, bis Medikamente in der Europäischen Union verfügbar sind, und wie stark sich die Länder unterscheiden.
Arzneimittel werden in Europa zunehmend schwerer zugänglich. Im Jahr 2025 übernahm die öffentliche Hand die Kosten vollständig nur noch für 28 Prozent der Medikamente; 2019 waren es noch 42 Prozent.
Auch die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß.
Laut dem Bericht warten Patientinnen und Patienten in manchen europäischen Ländern etwa siebenmal so lange wie in anderen, bis sie dasselbe Medikament erhalten – von mindestens fünf Monaten bis hin zu 37 Monaten.
Wo Patientinnen und Patienten am längsten warten
Nach Angaben der EFPIA vergeht im Median eine Zeit von 532 Tagen zwischen der Zulassung eines Medikaments und seiner tatsächlichen Verfügbarkeit in europäischen Ländern.
Die Wartezeit unterscheidet sich stark von Land zu Land. In Deutschland kommen neue Medikamente im Schnitt 56 Tage nach der Zulassung auf den Markt. In Rumänien müssen Patientinnen und Patienten dagegen 1.201 Tage warten.
Nach Deutschland schneiden die Schweiz, Serbien, Österreich und Dänemark am besten ab, auch wenn sich die Zahl der verfügbaren Präparate zwischen diesen Ländern deutlich unterscheidet.
In Rumänien, Portugal, Litauen und Kroatien kommen Medikamente besonders spät auf den Markt.
Dem Bericht zufolge erhalten Patientinnen und Patienten in Nord- und Westeuropa neue Therapien meist 100 bis 500 Tage nach der Zulassung. In Süd- und Osteuropa warten sie dagegen 500 bis 900 Tage.
Welche Länder die meisten Medikamente anbieten
Lange Wartezeiten und verspätete Markteinführungen sind nicht die einzigen Hürden für Patientinnen und Patienten in Europa, die Zugang zu Medikamenten brauchen. Auch die Zahl der verfügbaren Präparate unterscheidet sich deutlich.
Nicht alle Länder bieten dieselben Medikamente an, vor allem nicht bei innovativen Therapien und sogenannten Orphan Drugs, also Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen.
Im Jahr 2019 lag die Quote vollständiger Verfügbarkeit bei 42 Prozent. Bis 2025 sank sie europaweit auf 28 Prozent. Der Anteil der Medikamente, für die die öffentliche Hand die Kosten vollständig übernimmt, ist deutlich zurückgegangen; fast ein Fünftel der Präparate ist nur noch unter Auflagen erhältlich.
Der EFPIA-Bericht verfolgte 168 innovative Medikamente, die die Europäische Arzneimittel-Agentur zwischen 2021 und 2024 zugelassen hat.
Im selben Zeitraum kamen in Deutschland 156 dieser Präparate auf den Markt, in Malta waren es 22.
Auch Österreich mit 143, Italien mit 133 und Spanien mit 116 verfügbaren Produkten zählten zu den Spitzenreitern in der EU.
Am anderen Ende der Skala stehen Lettland mit 25, Rumänien mit 28 und Ungarn mit 35 Präparaten.
Europa im Vergleich zu anderen Regionen
Die EFPIA warnt außerdem, dass die europäischen Zulassungsverfahren langsamer laufen als manche internationalen Prozesse, insbesondere in den USA. Dadurch gerät die Region ins Hintertreffen.
Mit Daten des globalen Gesundheitsdienstleisters IQVIA hat die EFPIA zudem ein vierteljährliches Monitoring erstellt. Es zeigt, in welchem Umfang neue Medikamente, die in den USA zugelassen wurden, auch von anderen Behörden weltweit genehmigt wurden oder werden – darunter die Europäische Arzneimittel-Agentur und die chinesische NMPA.
Zwischen 2021 und 2025 genehmigte die EMA 231 neue Wirkstoffe, die US-Arzneimittelbehörde FDA 253. In China waren es 296.
Nur ein Teil dieser Medikamente erhält in allen Regionen eine Zulassung. Der Bericht hält fest, dass China und die USA viele Präparate haben, die anderswo nicht zugelassen sind. Neue Daten zeigen zudem, dass die Zahl der in den USA genehmigten, in Europa aber fehlenden Produkte weiter steigt.
Von 526 Medikamenten, die die US‑FDA zwischen 2016 und 2025 zugelassen hat, besitzen 193, also 37 Prozent, keine EMA-Zulassung.
„Selbst mit den Vorschlägen der Europäischen Kommission zur Straffung der EU-Zulassungsverfahren deutet vieles darauf hin, dass Europa bei der Geschwindigkeit der Prüfungen zurückliegt und diesen Rückstand so bald nicht aufholen wird“, warnt die EFPIA.