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Papstbesuch auf Kuba - welche Folgen?

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Papstbesuch auf Kuba - welche Folgen?

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Kuba – das ist zweifellos eine der kompliziertesten Papstvisiten. Als Kubas Hauptreligionen gelten der Katholizismus und die Santería, in der sich westafrikanischer Naturglaube mit christlichen Elementen vermischt. Als unpolitische Form der Religionsausübung erhält sie Santería seit einigen Jahren staatliche Förderung.
Die “Barmherzige Jungfrau von El Cobre” ist für die Katholiken die Schutzpatronin Kubas. Auf sie bezog sich Papst Benedikt XVI. denn auch, als er die Gläubigen aufrief, “mit den Waffen von Frieden, Vergebung und Verständnis für die Errichtung einer offenen und erneuerten Gesellschaft zu kämpfen.”

14 Jahre zuvor hatte mit dem polnischen Papst Johannes Paul dem II. erstmals ein katholisches Kirchenoberhaupt das kommunistische Kuba besucht. Das war überhaupt erst möglich geworden, nachdem 1992 per Verfassungsänderung der “atheistischen” Staat zu einem “säkulären” erklärt wurde, womit sich seither Kirchgang und Parteibuch vereinbaren lassen. “Möge Kuba sich der Welt öffnen und möge die Welt sich Kuba öffnen”,
lauteten 1998 die päpstlichen Schlüsselworte.

Als der polnische Papst starb, ließ der katholisch getaufte Fidel Castro alle Welt sehen, wie er sich ins Kondolenzbuch einträgt. Bilder von wohlbedachtem Symbolwert.
Die katholische Kirche hat nach eigenen Angaben knapp 7 Millionen Anhänger – bei einer Bevölkerung von elf einhalb Millionen. 17 katholische Bischöfe und 361 Gemeindegeistliche versehen auf Kuba ihren Dienst. Die Kirche betreut in 12 Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Universität mehr als tausend Jugendliche.
Kirchliches Leben findet öffentlich sichtbar statt.
Und die Kirche vertreibt 16 verschiedene Publikationen in diesem Land, in dem der Staat alle Medien kontrolliert.

Adrian Lancashire, euronews:
Diana Alvear, vom amerikanischen Sender ABC ist uns aus Kuba zugeschaltet. An sie zunächst die Frage: Nach ihren eigenen Beobachtungen vor Ort, ist dieser Papstbesuch als Wendepunkt anzusehen?

Diana Alvear, ABC News correspondent in Cuba
Zunächst einmal gibt es viel Nervosität um den Papstbesuch herum. So wie vor 14 Jahren, als Papst Johannes Paul II. kam. Viele Kubaner haben mir direkt gesagt, dass sie hoffen, der Papst werde die Botschaft vom Wandel bringen. Die offizielle Absicht dieser Reise ist es, die Gläubigen wieder zur Herde des Herrn zurückzuführen. Es gibt hier sehr viele getaufte Katholiken, die ihre Religion aber nicht praktizieren. Soweit die erklärte Mission – aber natürlich schwingen da reichlich politische Zwischentöne mit. Sowohl die Dissidenten als auch der Papst haben Politisches anklingen lassen.

euronews:
Geht es dabei mehr um Frieden oder um Politik?

Diana Alvear:
Zu Glaube und Frieden hat sich der Papst immer sehr klar geäußert. Auch zu Geduld. Er hat gesagt, dies seinen die Dinge, die die Kubaner brauchten, um sich selbst für den Marsch voran in die Zukunft zu rüsten. Er benutzte diese Sätze aber so, dass man etwas hineinlesen kann, wenn er sagte, Kuba werde eine offenere Gesellschaft werden. Da waren in allem was er sagte solche verhüllten, interpretierbaren Zwischentöne. Johannes Paul II.
sagte damals ganz klar: Kuba muss sich zur Welt hin öffnen und die Welt sich zu Kuba.
Das hat bisher so nicht stattgefunden. Darum wartet hier auch jeder, ob die Worte von Papst Benedikt eine andere Wirkung haben werden.

euronews:
Papst Benedikt sagte, sein Vorgänger habe vor 14 Jahren einen Hauch von Frischluft gebracht, der Kuba seither verändert habe. Mehr als nur den Platzwechsel der Castro-Brüder?

Diana Alvear:
Die eindringliche Hoffnung nach den Worten von Johannes Paul II. bezog sich auf politischen Wanden, auf einen Regimewechsel. Den gab es nicht. Statt dessen kann man unter Raul Castro eine Öffnung der Wirtschaft sehen und damit gab es, ob gewollt oder nicht, einige Veränderungen auf der Insel. Wir haben mit vielen Kubanern gesprochen, die sagen, es hat sich manches verändert. Man kann einen Bankkredit bekommen, mehr Hotels und Restaurants sind auch für Kubaner zugänglich und ähnliches mehr. Das ist ihnen aber nicht genug. Viele sagen, was sie brauchen, seien nicht nur wirtschaftliche Veränderungen. Sie wollen politische Veränderungen und erwarten deshalb von Papst Benedikt Anstöße in eine andere Richtung.
Sie hoffen darauf, weil Raul Castro im Vergleich zu seinem Bruder Fidel die Dinge eher praktisch sieht.
Aber das ist eine Frage der Zeit.

euronews:
Der katholische Klerus hilft als Vermittler den Dissidenten. Welchen Einfluß hat die katholische Kirche in Kuba, welche Kompromisse muss sie machen?

Diana Alvear:
Sie wissen, darum wird sehr viel gestritten, weil die Kirche viel stärker ist, was ihre Beziehungen zum Castro-Regime anbelangt. Die Leute sehen in der Kirche die mögliche Quelle für Veränderungen.
Es gibt auch reichlich Besorgnis und sogar Kritik am Kardinal von Havanna, Jaime Ortega, wegen dessen Verhandlungen, die vor 2 Jahren dazu führten, dass mehr als hundert Dissidenten freigelassen wurden.
Aber viele Leute halten ihm vor, dass die Dissidenten in Absprache mit dem Castro-Regime nach Spanien ausgewiesen wurden, weg aus dem eigenen Land, auf einen anderen Kontinent.
Es gibt nicht viele Leute, die den kubanischen Kardinälen die Fähigkeit zutrauen, Wandel zu bewirken. Sie brauchen hier wirklich den Papst persönlich, damit etwas passiert.

euronews:
Der Papst sagte: “ Der Marxismus entspricht nicht mehr der Realität.” Hier hört man, dass dieser Satz in Kuba nicht publik gemacht wird. Erleben Sie noch so etwas wie “marxistische Atmosphäre” in Kuba?

Diana Alvear:
Als ich aus dem Flugzeug stieg und durch die Straßen von Havanna ging, sah ich überall Prppaganda. Man sieht die Plakate mit Ché und auch sein gigantisches Denkmal, sein Bild findet man an einem Haus in der Altstadt. Auf dem Platz der Revolution steht das Denkmal von José Martí, der immer noch als Nationalheld gilt. Das sind die Botschaften des kommunistischen Regimes für das Volk. Man spürt die marxistische Ideologie. Aber wenn man mit den Leuten spricht, hört man, sie denken das, was der Papst sagte und was jeder seit Jahren spürt – es ist eine überholte Ideologie und sie denken, jetzt muss der Wandel kommen.

euronews:
Diana Alvear in Cuba, for the first papal visit since 1998, thanks very much.