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Kaufmann verzaubert als Lohengrin die Scala

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Kaufmann verzaubert als Lohengrin die Scala

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Es ist ein Vorgeschmack auf das große Richard Wagner-Fest: Im kommenden Jahr feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag des Komponisten.
Hier in Mailand eröffnete die berühmte Mailänder Scala ihre neue Saison mit Lohengrin. Am Dirigentenpult: Musikdirektor Daniel Barenboim.
Kein geringerer als Star-Tenor Jonas Kaufmann verkörpert Lohengrin – den Schwanenritter und Wächter des heiligen Grals.

Kaufmann wuchs mit der Musik Wagners auf. Sein Großvater hörte mit Leidenschaft seine Musik. Kaufmann erzählt: „Ich habe Wagner fast mit der Muttermilch aufgesogen, also als Kind lief das einfach ständig im Hintergrund. Wenn man das immer sozusagen tröpfchenweise sozusagen mitbekommt, dann ist das was, was ganz tief verwurzelt ist und dann später, als ich mich intensiver damit beschäftigt habe, sind einem viele Sachen wieder in den Sinn gekommen, die man eigentlich als verschüttet geglaubt hat.“

Einmal auf der Bühne von La Scala zu stehen, ist ein Traum für jeden Sänger. Jonas Kaufmann erinnert sich noch lebhaft an seinen ersten Auftritt. „Das war natürlich wahnsinnig aufregend für mich damals. Also der Moment bevor der Vorhang aufging, also man hörte die Ouvertüre hinter dem Vorhang und da kam dann plötzlich so dieser ‘Impact’, dass man irgendwie sagt: Gott du stehst jetzt hier auf der Bühne von La Scala.“

Heute gilt er als der beste Lohengrin-Darsteller. In Wagners traurigster Oper wird die Herzogstochter Elsa von Brabant fälschlicherweise des Brudermordes beschuldigt. Ein unbekannter Ritter taucht auf, um sie zu retten. Allerdings darf sie ihn nicht nach seinem Namen fragen. Als sie dies dennoch tut, muss er Elsa für immer verlassen.

Die Rolle des Lohengrin ist äußerst anspruchsvoll hin und hergerissen zwischen seiner Aufgabe und der Liebe zu Elsa. Jonas Kaufmann zur Rolle: „Immer wieder gibt es diese Momente, da blitzt plötzlich der Held auf und dann kommen wieder zwei, drei Sätze, die ganz knallhart, geschäftsmäßig, politisch gesetzt sind und dann fällt das wieder weg und er ist plötzlich wieder der Liebhaber, der sich offensichtlich in diese Elsa verliebt hat und der die beschützen will. Die Mission gerät immer mehr in den Hintergrund und seine Gefühle kommen immer mehr in den Vordergrund. Das Scheitern gefällt mir sehr gut an der Rolle. Mir gefällt diese Vielschichtigkeit dieses Charakters. Ich glaube einfach nur einen Superhelden zu spielen, der ohne Fehl und Tadel ist, ist etwas äußerst Langweiliges. Viel schöner ist es, jemanden zu spielen, der eben verschiedene Facetten hat, der von Gefühlen getrieben wird.”

Jonas Kaufmann über seinen Lieblingsmoment in der Oper: “Für mich persönlich auch unheimlich schön einer der letzten Momente, wenn eben der Schwan zurückkommt. Das ist so zerbrechlich, so zart, so fein, da ist überhaupt nichts mehr übrig von der Glanz und Glorie dieses Helden. Das ist nur noch der pure kleine Mensch, der da steht und weiß, dass er versagt hat.”

Interview Bonus: Jonas Kaufmann