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Verdis "Don Carlos" in Salzburg: Ein Staraufgebot, besondere Klangfarben und ein sprunghafter Charakter

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Verdis "Don Carlos" in Salzburg: Ein Staraufgebot, besondere Klangfarben und ein sprunghafter Charakter

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Die Salzburger Festspiele feiern Verdis 200. Geburtstag mit drei seiner Opern: „Don Carlos“ ist eine von ihnen – die längste, die am häufigsten überarbeitete – und zweifellos eine der schönsten und vielschichtigsten.

Die Freiheit des Menschen und die der Völker, die Unfähigkeit von Vater und Sohn, miteinander zu sprechen, die politische gegen die private Welt, die Komplexität menschlicher Beziehungen – darum geht es in dieser Oper.

Die Salzburger Inszenierung von Peter Stein wartet mit einer eindrucksvollen Besetzung auf. Antonio Pappano dirigiert dieses Werk voller exquisiter Musikalität: “Bei Don Carlos haben Sie ganz besondere Klangfarben: Die Violinen spielen in tiefen Lagen, die G-Saite wird oft verwendet, schon ganz am Anfang… und die Kombination der Celli mit dem Kontrabass, verschmolzen mit den Fagotten. Man fügt die Hörner, dann die Posaunen hinzu, und so ergibt das ein sehr düsteres tonales Bild.“

Der gepeinigte, verwundbare, leidenschaftliche Don Carlos, dessen Vater ihm die Braut wegnimmt, um sie zur Königin von Spanien zu machen, er wird gesungen und gespielt von dem gefeierten Tenor Jonas Kaufmann: “Ich denke, dieser Don Carlos ist sehr sprunghaft. Er springt immer vor und zurück zwischen verschiedenen Denkweisen… Wenn Sie an das Duett im zweiten Akt denken, wenn er hereinkommt und sehr leise und sanft beginnt, und dann plötzlich bricht er aus. Er versucht, sich an die Regeln und Konventionen zu halten, und dann, im nächsten Augenblick, muss er doch seinen Gefühlen für Elisabetta nachgeben.”

Dirigent Pappano sagt: “Einiges wird Ihnen wahrhaft spanisch vorkommen: Etwa der charakteristische Einsatz des Rhythmus’ bei Prinzessin Eboli und ihrem ‘Lied vom Schleier’. Der Chor setzt es fort. Hören Sie die Virtuosität des Orchesters, das den Chor der Frauen begleitet – das alles sind kleine Episoden in einem großen Klangwerk!”

Hauptdarsteller Kaufmann weiß, dass er mit Don Carlos einen schwierigen Charakter verkörpert: “Sobald sich Elisabetta ihm nähert, lebt er auf, agiert gerade heraus… Don Carlos ist ein sehr einfacher Charakter, in dem man aber unglaublich viele Dinge entdecken kann. Das zu organisieren und alles in eine Linie zu bringen, das ist eine andere Geschichte.”

Star-Dirigent Pappano zieht sein Fazit der Oper: „Was in Erinnerung bleibt, ist die Klangfarbe vom 4. Akt bis zum Schluss. Denn dort konzentriert und fokussiert sich irgendwie alles – und wir kommen zu ‘des Pudels Kern’ in diesem Drama: die private Seite im Leben eines Königs.”