Eilmeldung

Eilmeldung

Wirtschaftsrückblick 2014: Innovationen aus China

Sie lesen gerade:

Wirtschaftsrückblick 2014: Innovationen aus China

Schriftgrösse Aa Aa

Asiatische Unternehmen standen lange in dem Ruf, Produkte eher zu imitieren, als sie zu erfinden. Dieser Trend geht langsam zu Ende. Fast die Hälfte aller Internet-User und mehr als 60 Prozent der weltweiten Bevölkerung leben in einem sich ständig modernisierenden Asien. China ist mit 500 Millionen Usern der größte Internet-Markt der Welt. Das Land ist inzwischen Heimat mehrerer der weltweit größten Technologie-Unternehmen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre Blicke auf die Märkte im Westen warfen.

Alibaba war 2014 der größte Börsengang überhaupt. Mit 25 Milliarden Euro aus dem e-commerce wurde es eines der wertvollsten Unternehmen weltweit. Der frühere Englischlehrer Jack Ma, der die Firma 1999 mit weniger als 50.000 Euro gründete, wurde umgehend der reichste Mann Chinas. Hete kontrolliert Alibaba mit seinen beiden Websites Taobao, einer e-Bay-ähnlichen Plattform, und TMall 80 Prozent des chinesischen e-commerce-Marktes. Große Marken verkaufen hier direkt an die Verbraucher. Dennoch gibt es auf den globalen Märkten noch immer Herausforderungen. Der Anteil des Verkaufs im Ausland liegt bei lediglich 10 Prozent dessen in China, das zwingt das Unternehmen zu Investitionen in Märkte wie in den USA und Indien. Chinas Internet-User wenden sich immer mehr Smartphones zu. Alibaba muss gegenüber Konkurrenten wie Tencent und JF.Com bestehen, um seine Krone zu behalten. Schließlich hat Apple mit Apple Pay Alipay nun auch Konkurrenz auf dem Markt des elektronischen Bezahlens gemacht.

15 Jahre bis zum Erfolg – das ist eine Ewigkeit im Vergleich zu dem kometenhaften Aufstieg von Xiaomi. Im dritten Quartal 2014 ist das Unternehmen mit Sitz in Peking zum drittgrößte Smartphone-Anbieter nach Samsung und Apple geworden. Beeindruckend, denn sein erstes Gerät bot es im Jahr 2011 an. Außerhalb Chinas verkauft Xiaomi preisgünstige Android-Smartphones mit High-End-Qualität und bietet sie Online an. Das derzeitige Flaggschif Mi4 kostet knapp 250 Euro. Ein Schnäppchen, verglichen mit dem 680 Euro teuren iPhone 6. Weil das Unternehmen selbst keine Fertigungsstätten hat, ist es von anderen Herstellern wie Apple oder dem Zulieferer Foxcom abhängig. Alles vom Design bis zum Marketing-Stil von Firmengründer Jun Lei erinnert an Cupertino. Sollte das Unternehmen auf den US-Markt drängen, hätte es wohl Probleme mit dem Patentrecht. Deshalb begnügt sich das “Apple des Ostens” mit dem heimischen Markt und schnell wachsenden Märkten wie Indien.

Huawei, ein weiterer chinesischer Technologie-Tiger, ist schon lange bei uns. Der 40-Milliarden Dollar schwere Telekommunikationsgigant operiert in 140 Ländern. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, schon einmal eines der No-Name-Telefone des in Shenzhen angesiedelten Unternehmens in der Hand gehabt zu haben. Begonnen hat Huawei mit Billigprodukten. Allerdings dauerte es nicht lange, bis sich das änderte – mehr als die Hälfte der 150.000 Beschäftigten arbeitet in der Forschung und Entwicklung. Das neueste Produkt, das Ascend P7, ist ein High-End-Gerät, allerdings musste das Unternehmen seinen weltweit dritten Platz jetzt räumen. Smartphones sind aber nur die Spitze des Eisbergs. 2012 hat Huawei Ericsson als größter Produzent von Telekom-Zubehör überholt – vor allem bei Breitbandnetzen und Infrastruktur. Experten sagen, das Unternehmen re-investiere 13,7 Prozent seines Gewinnes in Forschung und sei damit bestens für die Zukunft platziert. Ein Beispiel ist die 5G-Technologie, in die Huawei bereits Millionen Dollar investiert hat.

Unter diesen “stillen Eindringlingen” konnte sich nur einer einen Markennamen im Westen machen: Lenovo. Das Unternehmen hat 1988 seinen ersten Computer produziert, Ende der 90-er-Jahre war es der größte PC-Hersteller in Asien. 2004 kaufte Lenovo IBM auf und sorgte damit für Schlagzeilen. 2013 wurde es der größte PC-Produzent der Welt, im dritten Qartal 2014 lieferte es 20 Prozent aller PCs weltweit. Jetzt wendet man sich auch bei Lenovo in Peking dem Smartphone-Markt zu. Kürzlich kaufte das Unternehmen für 2.9 Milliiarden Dollar Motorola von Google und festigte sich damit auf den internationalen Märkten. Wird Lenovo nun auch den dritten Rang auf dem Smartphone-Markt einheimsen? Der Kampf um die Bronze-Medaille wird auf jeden Fall unter chinesischen Unternehmen ausgetragen.