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"Moderne Sklaverei": 168 Millionen Kinder schuften weltweit

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"Moderne Sklaverei": 168 Millionen Kinder schuften weltweit

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Millionen Kinder müssen arbeiten, um ihren Familien den Lebensunterhalt zu sichern. Darauf haben internationale Organisationen anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit aufmerksam gemacht. Auf 168 Millionen schätzt die internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen ILO die Zahl der betroffenen Minderjährigen. Auch der Papst griff bei einer Ansprache in Rom das Thema Kinderarbeit auf:

“Wir alle erneuern unsere Bestrebungen, die Gründe dieser modernen Sklaverei zu eliminieren, die Millionen Kinder ihrer fundamentalen Rechte beraubt und sie in Gefahr bringt. Heute sind weltweit viele Kinder Sklaven.”

An diesem Welttag gegen Kinderarbeit wollen die Organisationen vor allem auf das Problem der Lieferketten aufmerksam machen, also darauf, dass auch in alltäglichen Produkten Materialien verarbeitet sein können, die aus Kinderarbeit stammen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty protestierte in den vergangenen Tagen beispielsweise vor einem Apple-Store in Brüssel. Der Vorwurf: Technikhersteller bemühten sich nicht ausreichend, ihre Lieferanten auf Kinderarbeit zu überprüfen.

So enthalten elektronische Geräte beispielsweise Cobalt, ein Metall, das in Afrika von Kindern abgebaut werde, so Amnesty. In den Minen würden sowohl siebenjährige Kinder als auch Erwachsene unter gefährlichen Bedingungen arbeiten. Auch ILO-Generaldirektor Guy Rider forderte ein klares Bekenntnis der Unternehmen gegen Kinderarbeit.

Neue Gesetze, aber schwierige Umsetzung

Ein Problem ist die Unübersichtlichkeit der Lage. So weichen staatliche Statistiken von den Angaben der Beobachterorganisationen ab, Definitionen, ab welchem Alter eine Arbeit nicht mehr als Kinderarbeit zählt, sind uneinheitlich. Und selbst wenn sich die ärmsten Staaten der Welt bemühen, gegen Kinderarbeit vorzugehen, läuft nicht alles rund: Die Regierung von Bangladesch hatte sich 2010 zum Ziel gesetzt, dass es bis 2016 zumindest keine gesundheitsgefährdende Kinderarbeit mehr im Land gibt. Inzwischen wurde dieses Ziel auf 2021 verschoben.

Aber es gibt auch Fortschritte im Kampf gegen das weltweite Problem. So führte die pakistanische Provinz Punjab im Januar ein Gesetz ein, mit dem Kinderarbeit in Ziegeleien unterbunden werden soll. Eltern, die ihre Kinder zur Schule schicken, bekommen dafür Geld – ein Ausgleich für die entfallende Arbeitskraft des Kindes. Auch das Nachbarland Indien will seine Gesetze gegen Kinderarbeit verschärfen. Kritiker bemängeln, dass es trotz neuer Gesetze an der Umsetzung mangelt. Doch die Gesetze zeigen, dass ein weltweites Bewusstsein für das Problem heranwächst.

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