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Roboter statt Kind oder Pfleger? Die Zukunft der Altenbetreuung


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Roboter statt Kind oder Pfleger? Die Zukunft der Altenbetreuung

Allein in den eigenen vier Wänden leben, so lange es geht – die Hoffnung vieler Menschen. Doch wie sieht es mit der Betreuung aus? Wie wäre es mit einem dienstbaren Roboter im Hause? Ein europäisches Projekt forscht in dieser Richtung weiter…

Isabel Neto ist 79. Eigentlich lebt sie allein in ihrer Wohnung in Coimbra in Portugal, doch zurzeit hat sie einen Mitbewohner, einen Roboter. Er wurde konzipiert, um die Lebensqualität alter Menschen zu verbessern, die allein zu Hause leben. Isabel erlitt vor zehn Jahren einen Schlaganfall. Sie probiert als eine der freiwilligen Testpersonen den Serviceroboter aus. Er kann autonom arbeiten und sich in häuslicher Umgebung bewegen, Menschen und Gegenstände erkennen und ihnen folgen. “Heute geht es mir mehr oder weniger gut, ich kann wieder alles machen”, sagt sie, “aber ich werde älter und vielleicht seniler. Ich könnte zum Beispiel meine Brille verlegen. Und es wäre doch toll, wenn ich dann den Roboter bitten kann, sie zu suchen. Das wäre sehr hilfreich.”



Der Roboter wurde im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts GrowMeUp entwickelt. Künftig soll er auch in der Lage sein, zu hören, zu sehen und sich zu unterhalten. Rudimentär sprechen kann er schon. Gonçalo S. Martins, Ingenieur von der Universität Coimbra, arbeitet an der Programmierung: “Der Roboter kann künstlich Stimmen herstellen und Worte verstehen. Auf dieser Grundlage sind wir in der Lage, Dialoge zu konstruieren, die dem angepasst sind, was der Nutzer in einem bestimmten Moment sagt.”



Roboter macht den Kühlschrank zu und den Backofen aus


Die Roboter werden unter anderem in einem Labor in Coimbra entwickelt. Sie sind mit dem internationalen öffentlichen WLAN-Netz The Cloud verbunden. Noch stecken die dienstbaren Roboter allerdings in den Kinderschuhen. Doch eines Tages, erklärt Martins, “soll der Roboter Teil eines intelligenten häuslichen Umfelds des Nutzers sein. Er würde mit Sensoren die Temperatur kontrollieren, Wärmelecks aufspüren, wenn zum Beispiel der Backofen oder der Kühlschrank offensteht. Noch können die Roboter das nicht oder sie müssen ganz nah dran sein, um die Parameter messen zu können. Wir wollen dies aus der Ferne erreichen und den Roboter dafür mit vielen verschiedenen Sensoren ausstatten.”


Marktlücke Altenpflege: Die Kundschaft geht nicht aus


Auch in der Senioren-Tagesstätte der Caritas in Coimbra werden die neuen Roboter getestet. Ein potenzieller Ersatz für Personal, das in vielen Ländern Europas in der Altenbetreuung fehlt – und an dem es künftig noch mehr mangeln dürfte. Caritas-Altenpflegerin Ana Santos ist überzeugt: “Diese Roboter werden in Zukunft sehr nützlich sein. Sie können zum Beispiel interaktive Spiele machen, die die alten Leute kognitiv und kommunikativ anregen. Sie könnten sich mit den Senioren unterhalten, und das ist sehr nötig, denn die alten Leute reden immer weniger, wenn sie allein leben.”

André Antunres, einer der Senioren in der Tagesstätte, amüsiert sich schon mit dem Testroboter: “Ich lebe allein zu Hause, der Roboter könnte mir bei vielem nützlich sein. Er könnte mich zum Beispiel daran erinnern, wann ich meine Medikamente nehmen muss. Das ist sehr wichtig für mich.”

Unsere Zukunftsperspektive: Roboter zur Gesellschaft statt Kinder und Enkel oder Altenpfleger? Der potenzielle Markt entsteht gerade … Projektkoordinator Jorge Dias: “Wenn die Betriebswirte im Gesundheitswesen überzeugt sind, dass diese Technologie helfen kann, die Folgen der Alterung Europas aufzufangen, dann werden sie einen Markt schaffen. Und der wird automatisch die Entwicklung dieser Technologie weiter voranbringen.”



Noch sind die Roboter nicht völlig alltagstauglich. Doch in Zukunft könnten sie alten Menschen ermöglichen, länger selbständig in den eigenen vier Wänden zu leben. Wenn diese denn mit einem Roboter vorliebnehmen wollen.

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