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Nach Spanien Italien? Referenden zur Unabhängigkeit von Lombardei und Venetien am 22.10. ab

Was steckt hinter dem Referendum in Italien am 22.10.2017?

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Nach Spanien Italien? Referenden zur Unabhängigkeit von Lombardei und Venetien am 22.10. ab

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Es klingt wie ein Déjà-vu: An diesem Sonntag werden die zwei reichsten Regionen Italiens ein Referendum abhalten. Alles erinnert an spanische Zustände. Doch geht es nicht um eine Unabhängigkeit, sondern um mehr Autonomie. Die Lombardei und Venetien werden von der rechtspopulistichen Lega Nord regiert.

Die Referenden sind nicht bindend.

Lombardei – mit Hauptstadt Mailand

Die Lombardei – auf Italienisch Lombardia – ist eine wirtschaftsstarke Region mit mehr als 10 Millionen Einwohnern bestehend aus den elf Provinzen Bergamo, Brescia, Como, Cremona, Lecco, Lodi, Mantua, Monza und Brianza, Pavia, Sondrio, Varese und der Metropolstadt Mailand.

Auch im Internet wird für das Referendum mobil gemacht.


In der Lombardei liegt der Lago Maggiore.

Venetien – mit Hauptstadt Venedig

Fast 5 Millionen Menschen leben in Venetien – auf Italienisch Veneto. Die Hauptstadt von Venetien ist Venedig.

Auslöser für die Volksbefragung ist Streit über die Finanzpolitik. Die wirtschaftsstarken norditalienischen Regionen wollen erreichen, dass sie mindestens die Hälfte der Steuereinnahmen behalten können. Die Lombardei überweist derzeit fast 60 Milliarden Euro jährlich nach Rom, im Falle Venetiens sind es an die 20 Milliarden Euro, ein Viertel des gesamten italienischen Bruttoinlandsprodukts.

Viele Menschen in den betroffenen Regionen sind dagegen, dass mit ihren Steuern ärmere Regionen in Italien unterstützt werden.

Die Lega Nord hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung, um eine bessere Verhandlungsposition in Rom zu haben. Die rechtspopulistische Partei ist gegen den Euro und Einwanderung. In der Vergangenheit setzte sie sich bereits für ein unabhängiges Padanien ein, eine fiktive Region rund um den Fluss Po.

Für Roberto Maroni und seinen Kollegen aus Venetien, Luca Zaia, wären Autonomie-Verhandlungen mit der Zentralregierung in Rom die Krönung ihrer politischen Karriere. Beide Lega-Politiker hoffen auf eine Wiederwahl als Regionalpräsidenten. Maroni, Ex-Innenminister im Kabinett von Silvio Berlusconi, führt die Lombardei seit 2013 und kandidiert 2018 für ein zweites Mandat. Ex-Landwirtschaftsminister Zaia hofft auf einen prestigereichen Posten in der italienischen Regierung, sollte das Mitte-rechts-Lager als Sieger aus den Parlamentswahlen im kommenden Frühjahr hervorgehen.

In der Lombardei hatte Umberto Bossi in den 80er Jahren die Autonomiebewegung gestartet.