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Was bringt der Weihnachtsmann den Griechen?


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Was bringt der Weihnachtsmann den Griechen?

Unter der Vormundschaft der Gläubiger und mit wachsenden Steuern belegt – so verbringen die Griechen dieses Weihnachtsfest. Und danach geht es mit Silvesterböllern in das 7. Rezessionsjahr in Folge. Einen ziemlich hohen Preis müssen sie zahlen, um noch einmal vor der Staatspleite gerettet zu werden. Das besorgen der Internationale Währungsfond IWF und die Europäische Union. Dass der griechische Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr noch weiter sinkende Umsätze beklagt, wundert da niemanden mehr. “Second hand” wird eingekauft.
Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras ist vor allem froh, dass das Thema “Ausstieg aus dem Euro” erst einmal vom Tisch ist. In Brüssel sagte er beim EU-Gipfel am 14. Dezember: “Die Dinge sehen gut aus für Griechenland. Und eine griechische Erfolgsstory wird auch eine Erfolgsstory für Europa sein.” Drücken wird den Grund für sein Lächeln doch mal in Zahlen aus: EU und IWF überweisen einen Gesamtbetrag in Höhe von 52,5 Milliarden Euro.
Aber im Gegenzug muss Griechenland in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt 2,5 Milliarden Euro an Einkommenssteuern einnehmen. Vor allem die griechische Mittelschicht begehrt auf gegen die als überaus drückend empfundene neue Steuerlast.
Die Steuersätze werden bei Jahreseinkommen bis 25.000 Euro auf 22% steigen, bei Einkommen bis 42.000 Euro auf 32% und darüber auf 42%.
Bauern und Selbstständige werden mit 26% ihrer Jahreseinnahmen veranlagt. Während der Steuersatz auf Unternehmensgewinne von 20% auf 26% steigt, sinkt die Besteuerung von Dividenden von 25 auf 10%. Und für den Normalbürger?
Versteuert eine Familie mit drei Kindern 25.000 Euro Jahreseinkommen, dann kassiert der Fiskus davon 3.800 Euro, das sind 830 Euro mehr als im Vorjahr. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Anastasia Thoma urteilt: “Ich glaube, das wird helfen, aber nur kurzfristig, nicht auf lange Sicht.
Unser Land braucht sehr große Veränderungen, um sich wirklich zu erholen.” Seit das Land in die Rezession rutschte, ist das Bruttoinlandsprodukt um 22% gesunken. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit ständig gestiegen. Allein seit 2010 von 11% auf 25%. Und die Korruption, das alte griechische Problem? Damit ist das Land in der Statistik von Transparency International inzwischen auf Platz 27 der 27 EU-Staaten gelandet.
euronews STAMATIS GIANNISIS
Wir schalten jetzt live nach Athen und sprechen mit Professor George Pagoulatos, Ökonom an der Athener Wirtsachaftsuniversität. Ist das neue Steuersystem fair für alle griechischen Steuerzahler, oder sind es wieder einmal Arbeiter und Angestellte des öffentlichen und privaten Sektors, die die Hauptlast zu tragen haben?

GEORGE PAGOULATOS:
Es ist in der Tat ein Problem, dass gesetzestreue Bürger diejenigen sind, die am meisten belastet werden durch die Bemühungen, die Staatseinnahmen zu erhöhen. Dies ist sowohl kontraproduktiv als auch sozial ungerecht. Es ist wichtig, dass der griechische Staat sich viel mehr auf jene Gruppen der Bevölkerung konzentriert, die sich bisher systematisch der Steuerpflicht zu entziehen wissen. Das betrifft nicht nur jene mit höheren Einkommen, sondern auch bei kleinen und mittleren Unternehmen und Selbstständigen ist “Steuervermeidung” normal.

euronews STAMATIS GIANNISIS:
Trotz aller Anstrengungen hat es bisher keine griechische Regierung geschafft, die Steuerhinterziehung wirksam zu bekämpfen.
Warum ist das so?

euronews GEORGE PAGOULATOS:
Um fair zu sein, muss man sagen, die Bemühungen um die Bekämpfung der Steuerhinterziehung in den letzten Jahren sind so sorgfältig und systematische erfolgt wie seit Jahrzehnten nicht. Diese Bemühungen dauern ihre Zeit, weil es nicht nur um eine Steuerreform geht, sondern auch um die Reorganisation der Entlohnung im öffentlichen Dienst. Es geht vor allem um eine Änderung in der Haltung eines großen Teils der griechischen Gesellschaft, der es einfach nicht gewohnt ist, Steuern zu zahlen. Ein weiteres Problem ist das langsame Tempo, in dem Gerechtigkeit bei Steuerhinterziehung hergestellt wird. Die Behörden, die Gericht brauchen zu viel Zeit. Aber ich bin optimistisch, dass Reformen Früchte tragen werden, auch wenn wir die Resultate nicht so bald spüren.

euronews STAMATIS GIANNISIS:
Macht die Entscheidung der Eurogruppe, Griechenland die lang erwartete Tranche zu geben, die Möglichkeit einer wirtschaftlichen und politischen Krise in absehbarer Zeit weniger wahrscheinlich?

GEORGE PAGOULATOS:
Wir haben einige neue Tatsachen geschaffen.
Durch die aktuelle Kapitalisierung sind die Banken leichter in der Lage, Geld zu verleihen. Eine weitere beruhigende Sache ist das erklärte Engagement der Mitglieder der Eurozone, die Gefahr zu verringern, dass Griechenland aus dem Euro aussteigen muss. Diese Gefahr hatte eine lähmende Wirkung auf den gesamten wirtschaftlichen Prozess in Griechenland, vor allem im Hinblick auf den Zustrom von Kapital, von Investitionen. Es war eine unangemessen große Angst, aber 75% der griechischen Gesellschaft wollen an den Euro gebunden bleiben.
Jetzt, da diese Gefahr verschwindet, hat das Land die Chance, in einer Phase der wirtschaftlichen Stabilität wieder ausländische Investitionen anzuziehen.

euronews STAMATIS GIANNISIS:
Das Jahr 2013 wird für Griechenland das siebte Jahr in Folge mit einer Rezession sein.
Gibt es Anzeichen dafür, dass bis zum Ende des nächsten Jahres Griechenland auf den Weg der wirtschaftlichen Erholung zurückkehren kann, zum Beispiel durch, einige schwerwiegende wirtschaftliche Investitionen?

GEORGE PAGOULATOS:
Wie ich schon sagte, das Gefühl der Stabilität ist zurück in der griechischen Wirtschaft. Zweitens, da die Gefahr, den Euro zu verlieren, worum sich viele Menschen Sorgen gemacht haben, sich verringert, wird das Land nun attraktiver für potenzielle Investoren. Es hat einen großen Teil seiner verlorenen Wettbewerbsfähigkeit wieder gewonnen.
Es ist daher ein Land, das eine Menge an wirtschaftlichen Perspektiven hat. Dazu trägt auch das umfangreichen Programm bei, Aktien der staatlichen Unternehmen zu verkaufen..

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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