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Moderation: Isabelle Kumar

Tragödie in Bangladesch: Wie reagieren die Textil-Giganten?
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Mehr als tausend Tote in einer Bekleidungsfabrik in Bangladesch haben bei westlichen Einzelhändlern ein schlechtes Gewissen ausgelöst. Wird ein richtungsweisendes Abkommen wirklich für mehr Sicherheit in den Sweatshops des Landes sorgen?

Über dieses Thema sprach Isabelle Kumar von euronews mit dem Generalsekretär der UNI Global Union Phillip Jennings. Die Vereinigung vertritt weltweit 900 Gewerkschaften und 15 Millionen Arbeitnehmer.

Isabelle Kumar, euronews:
“Wir sind mitten in einer Rezession und die Verbraucher wollen billigere Waren kaufen. Vor kurzem ist wieder eine Bekleidungsfabrik in Kambodscha eingestürzt. Können sie garantieren, dass so eine Katastrophe nicht wieder passiert?

Phillip Jennings:
“Wir haben gemeinsam eine Vereinbarung getroffen. Die UNI Global Union mit einer anderen weltweiten Vereinigung, der IndustriALL. Das ist eine Partnerschaft von Produktion, Dienstleistungen und dem Handelssektor. Es ist ein Abkommen über die Sicherheit in den Fabriken in Bangladesch, rechtlich verbindlich und durchsetzbar. Mehr als 40 der größten Einzelhändler und globalen Marken haben diese bindende Vereinbarung unterzeichnet. Dies ist entscheidend und wird seine Wirkung zeigen. Ich frage die Verbraucher: sind sie trotz der wirtschaftlichen Krise und finanzieller Engpässe bereit, einen Penny oder einen Cent mehr für die Produkte zu zahlen? Nur so können wir garantieren, dass für die Produkte nicht Kinder und ihre Mütter ausgebeutet werden oder unter Bedingungen arbeiten müssen, die für jeden Bürger der Europäischen Union inakzeptabel wären. Es wurde höchste Zeit und deshalb ist diese Vereinbarung in Kraft getreten, damit sich die Verhältnisse in Bangladesch und anderen Ländern ändern.”

Isabelle Kumar, euronews:
“Aber diese Vereinbarung betrifft doch nur Bangladesch. Warum konnten Sie die Einzelhändler nicht überzeugen, die Vereinbarung für alle Länder zu unterzeichnen?”

Phillip Jennings:
“Unsere Herausforderung ist, wie wir es schaffen, eine breiter angelegte Vereinbarung durchzusetzen. Aber angesichts der Fabrikeinstürze und der Tatsache, dass mehr als 2000 Menschen in Bangladesch ihr Leben verloren haben und in diesem Sektor 4 Millionen Menschen in 4000 Fabriken beschäftigt sind, ist das die entscheidende Frage. Es wird Hilfe kommen und sie ist ja auch schon auf dem Weg in all die anderen betroffenen Länder. Ich denke, es ist unvermeidlich, dass wir eine breit angelegte Debatte führen.”

Isabelle Kumar, euronews:
“Kommen wir zu unserer ersten Frage aus Frankreich:”

“Guten Morgen, mein Name ist Nicolas und ich komme aus Frankreich. Welche großen Unternehmen haben noch nicht das Sicherheitsabkommen für Bangladesch unterzeichnet?”

Isabelle Kumar, euronews:
“Einige grosse Namen wie H&M, Calvin Klein, Primark, Carrefour haben unterschrieben, aber zahlreiche wichtige fehlen noch. Wer fehlt noch?”

Phillip Jennings:
“Vor allem die Firmen aus den USA haben sich am wenigsten beteiligt. Abercrombie & Fitch, Calvin Klein, Tommy Hilfiger sind dabei und wir haben viele andere globalen Namen, aber vor allem aus den Ländern der Europäischen Union. Das ist ein Erfolg. Aber die weltweit größte Supermarktkette ist Walmart. Sie beschäftigen zwei Millionen Menschen und sind die Beschaffungsexperten. Sie wissen, wie man jedes Korn auspresst, um die Kosten zu senken. Sie haben sich geweigert die Vereinbarung zu unterstützen und wollen ihren eigenen Weg gehen, wollen selbst entscheiden, was richtig und falsch ist. Sie sind ein Beispiel für selbstgerechte Bequemlichkeit. Das gleiche mit GAP. GAP präsentiert sich gerne modisch, zeitgenössisch und verantwortungsbewusst. Ich weiß nicht, was bei GAP los ist, aber sie haben sich auch geweigert zu unterschreiben. Sie wollten eine Sondervereinbarung, das haben wir abgelehnt.”

Isabelle Kumar, euronews:
“Die US-Einzelhandelsvereinigung hat ihnen vorgeworfen, ihrer Vereinbarung fehle es und da zitiere ich an “gesundem Menschenverstand”. Was sagen Sie dazu?”

Phillip Jennings:
“Ehrlich gesagt, der gesunde Menschenverstand fehlt hier bei Glenn Murphy, dem Geschäftsführer von GAP und bei den Chefs von Walmart. Der US-Einzelhandlesvereinigung fehlt ein konsequentes Vorgehen. Sie werden von Wallmart und GAP unter Druck gesetzt und dann sagen sie, uns fehlt der gesunde Menschenverstand. Wir reden hier über Leben und Tod. Der gesunde Menschenverstand verlangt das zu tun was wir können. Einzeln, mit Gewerkschaften und der Regierung, um die Qualität des Lebens in Bangladesch zu verbessern. Das ist der gesunde Menschenverstand, aber es ist auch das Gemeinwohl.”

Isabelle Kumar, euronews:
“Sie sprechen über Leben und Tod. Könnte man auch sagen sie waren in den Verhandlungen zu kompromisslos? Wäre es nicht besser gewesen, noch mehr Einzelhändler an Bord zu holen, um die Forderungen durchzusetzen?”

Phillip Jennings:
“Isabelle, wir haben einen breiten Zusammenschluss von Einzelhändlern und bekannte Namen.”

Isabelle Kumar, euronews:
“Aber die Großen, wie Walmart und GAP, sind nicht an Bord …”

Phillip Jennings:
“Einen Moment, haben Sie die Liste der Unternehmen, die dieses Abkommen unterzeichnet haben, gesehen?”

Isabelle Kumar, euronews:
“Ja, das habe ich.”

Phillip Jennings:
“Haben Sie all die Namen gesehen, soll ich sie alle unseren zuschauern vorlesen?”

Isabelle Kumar, euronews:
“Nein, dafür haben wir leider die Zeit nicht.”

Phillip Jennings:
“Ich will bei Ihnen oder den Zuschauern nicht den den Eindruck erwecken, dass es sich hier um eine marginale Veranstaltung handelt und dass es keine kritischen Meinungen gibt. Aber das ist ein Nebenschauplatz. Schauen Sie, die Vertriebsmarken hatten Jahrzehnte lang diese Rechte und wir sind nicht mehr bereit, freiwillige Vereinbarungen zu akzeptieren, die nicht ordnungsgemäß durchsetzbar sind und wo es keine Transparenz gibt. Alles was wir bekommen sind vage Versprechungnen, wie “ja, wir werden die Dinge verbessern.” darum geht es…”

Isabelle Kumar, euronews:
“Wir haben nicht mehr viel Zeit. Noch eine Frage einer Zuschauerin aus Großbritannien:”

“Mein Name ist Tessa Waite und ich komme aus Großbritannien Die EU will mehr zu tun, um die Arbeitsbedingungen in Bangladesch zu verbessern – wird das Versprechen Wirklichkeit werden?”

Isabelle Kumar, euronews:
“Europa ist der wichtigste Handelspartner für Bangladesch und Europa hat angekündigt, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Was wollen Sie tun, um sicherzustellen, dass die EU wirklich handelt?”

Phillip Jennings:
“Das ist doch kalter Kaffee. Die Europäische Union macht Wischiwaschi-Aussagen. Wir müssen mehr tun um verbesserte Arbeitsbedingungen in Bangladesch umzusetzen, das reicht bisher nicht. Ich denke, Herr Barroso, Herr Van Rompuy, und Herr László Andor, der Kommissar für soziale Angelegenheiten, sollten diese Vereinbarung unterstützen. Wir unterstützen damit die Wirtschaft. IndustriALL und UNI Global Union stellt sicher, dass diese Vereinbarung umgesetzt wird. Die Europäische Union muss den Wettlauf nach unten stoppen, und die menschliche Tragödie und deren Folgen die wir gesehn haben, ist ein Ergebnis dieses Wettlaufs nach unten, wo die Arbeiter aus Bangladesch von 38 Dollar im Monat leben müssen.”

Isabelle Kumar, euronews:
“Was sagt ihr Bauchgefühl? Wird es ein Engagement auf EU-Ebene geben?”

Phillip Jennings:
“Ich und der Europäische Gewerkschaftsbund werden alles tun, um garantieren, dass es diese Vereinbarung geben wird. Und die Europäische Union könnte uns noch mehr unterstützen, indem sie den Einzelhandel überzeugt. Immerhin ist er der größte private Arbeitgeber in Europa. Es wäre in ihrem Interesse, wenn die Waren, die sie verkaufen, unter fairen, gerechten und sicheren Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Wenn wir das bei jedem Geschäft umsetzen und die Verbraucher ein gutes Gewissen haben, kann das die Welt des Handels verändern. Am Ende des Tages hilft es den Menschen, die unter unerträglichen Bedingungen arbeiten, ein besseres Leben zu bekommen.”

Isabelle Kumar, euronews:
Phillip Jennings, vielen Dank für ihren Besuch bei I talk.

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