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Eingeschüchtert, entführt, getötet: Reporter ohne Grenzen zieht Bilanz

Reporter ohne Grenzen veröffentlicht die Jahresbilanz 2014 in Berlin.

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Eingeschüchtert, entführt, getötet: Reporter ohne Grenzen zieht Bilanz

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Zunächst die gute Nachricht: Insgesamt wurden weltweit weniger Journalisten bei der Arbeit getötet. Das geht aus dem Jahresbericht von “Reporter ohne Grenzen” hervor. Alle anderen Entwicklungen sind jedoch besorgniserregend: Die Ermordungen von Journalisten werden immer grausamer. In einigen Regionen gebe es eine neue Qualität der Gewalt, berichtet die Organisation. Außerdem erschreckend: Die Zahl der entführten Journalisten hat 2014 zum zweiten Mal in Folge deutlich zugenommen – um ein Drittel. Unter ihnen James Foley und Steven Sotloff, deren anschließende Enthauptungen durch die IS-Miliz für weltweites Entsetzen sorgte.
Hintergrund der vielen Entführungen – 119 im Jahr 2014 – ist das Erstarken der Dschihadisten von ISIL im Irak und Syrien, sowie die Zusammenstöße rivalisierender Milizen in Libyen und der fortdauernde Konflikt in der Ostukraine. Dort wurden die meisten Journalisten gekidnappt.

Und wo es mehr Gewalt gibt, da fliehen auch mehr Reporter aus Angst vor Repressalien. Deren Zahl hat sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Organisation nennt auch Fälle von Journalisten, die von ihren eigenen Regierungen bestraft werden. Ganz oben auf der Liste: Ägypten und die Ukraine. Syrien bleibt das weltweit gefährlichste Land für Journalisten, zusammen mit den Palästinensergebieten, der Ukraine, dem Irak und Libyen.
China ist trauriger Spitzenreiter weltweit, wenn es um das Einsperren von Reportern geht – gefolgt von Eritrea und Iran. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, stellte “Reporter ohne Grenzen” einen Container vor den Eiffelturm. Ihr Generalsekretär Christophe Deloire erklärt: “Dieser Container zeigt die Lage dieser gefangen gehaltenen Journalisten. Weltweit sind es 178. In Eritrea, weltweites Schlusslicht bei der Pressefreiheit, sind es 30, die in Gefängnissen, Lagern und in Containern festgehalten werden, die manchmal gefoltert werden. In dem kleinen Land am Horn von Afrika gibt es außerdem 10.000 politische Gefangene.”

Bleibt eine letzte positive Entwicklung, die im Jahresbericht von Reporter ohne Grenzen erwähnt wird: In Staaten wie Indien und den Philippinen, in denen Frieden herrscht, wurden weniger Journalisten getötet als zuvor.