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Exzentriker und Superhelden mischen britischen Wahlkampf auf

Die alteingesessenen Politiker bekommen Konkurrenz von Kandidaten, die sich einen Spaß aus dem Ganzen machen. In einem als platt und inszeniert kritisierten Wahlkampf sorgen diese Exzentriker, Sonder

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Exzentriker und Superhelden mischen britischen Wahlkampf auf

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Den britischen Premier David Cameron kennt man, seinen Herausforderer Ed Miliband von der Labour-Partei auch. Geht es nach Spezialisten und Wahlkampfbeobachtern, gibt es bei der britischen Parlamentswahl am 7. Mai zwischen den beiden ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch die alteingesessenen Politiker bekommen Konkurrenz von Kandidaten, die sich einen Spaß aus dem Ganzen machen. In einem als platt und inszeniert kritisierten Wahlkampf sorgen diese Exzentriker, Sonderlinge und Komiker jedenfalls für Heiterkeit:

Meinung

Unser eigentliches Ziel: Wir versprechen, dass wir all die Dinge machen sollten, die die anderen Parteien versprechen, wenn sie es nicht tun.

Verrückte Monster im Wahlkampf: Official Monster Raving Loony Party

An vorderster Front in Sachen Verschrobenheit steht die Official Monster Raving Loony Party (etwa: Offizielle Partei der rasenden verrückten Ungeheuer), die sich bereits seit 1982 über den Politikbetrieb lustig macht und in diesem Jahr mit 16 Kandidaten zur britischen Parlamentswahl antritt. “Don’t be gloomy, vote Loony!” (Seid nicht traurig, wählt Loony!), so lautet ihr Wahlspruch.

Parteichef Alan „Howling Laud“ Hope tritt in weißem Anzug mit einer Rosette in Übergröße, Cowboyhut und Fliege im Leoparden-Look auf. Der 72-jährige tritt im Wahlkreis Uxbridge and South Ruislip gegen Londons exzentrischen Bürgermeister Boris Johnson an. Er hofft, dass die Wählern nicht erkennen, wer der wahre “Loony”, englisch für Sonderling, ist. „Unser eigentliches Ziel: Wir versprechen, dass wir all die Dinge machen sollten, die die anderen Parteien versprechen, wenn sie es nicht tun“, so Hope. „Wir haben das alles schon mal gesehen, alles schon mal gehört und glauben es bis heute nicht.“

Das Parteiprogramm „Manicfesto“ (eine Anspielung auf das englische Wort “manic” zu Deutsch verrückt¨) enthält Vorschläge wie: Klimaanlagen außen an Häusern anbringen, um der Erderwärmung zu begegnen und die Börse mit Airbags ausrüsten, um sie für den nächsten Crash zu wappnen. Einst als übergeschnappt abgetan, wurden einige Vorhaben der Loonies tatsächlich umgesetzt, darunter Pässe für Haustiere und 24-Stunden-Pubs.

Ein Superheld und Einzelkämpfer: Captain Beany jetzt im orangenen Anzug

In Aberavon im südlichen Wales mischt Captain Beany das politische Establishment auf. Der 60-Jährige Barry Kirk trat 25 Jahre lang erfolglos im Superhelden-Baked-Beans-Kostüm an, als Anspielung auf die bei Briten beliebten und für Blähungen sorgenden weißen Bohnen in Tomatensauce. Dieses Mal will Captain Beany einen ernsthafteren Ton anschlagen und hat sein Cape gegen seinen orangefarbenen Anzug getauscht.

Er, der einst zum Exzentriker des Jahres in Großbritannien gewählt wurde, kandidiert gegen Stephen Kinnock, Sohn von Ex-Labour-Chef Neil Kinnock und Ehemann von Dänemarks Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt. Kinnock ist der Labour-Sitz sicher, auch wenn er überhaupt nicht aus dem Wahlkreis stammt. „Es ist ein Schlag ins Gesicht für die örtliche Bevölkerung“, meint Beany. „Die Leute sagen mir, du bist wenigstens von hier, hast deinen Teil für diesen Ort getan, wieso sollen wir diesen Eindringling wählen?“

Im Wahlkampf liefen sich die beiden über den Weg. „Was für ein Langweiler! Er würde eher in eine Möbelausstellung passen“, sagt Beany und kringelt sich vor Lachen. Er selbst setzt darauf, dass sein neuer Look und ernsthafter Ansatz mehr Wähler anziehen. „Die Politiker versprechen das Blaue vom Himmel und setzen doch nichts davon um“, klagt er. Er will zumindest sein Bestes geben. „Können Sie sich einen orangenen Mann auf den hinteren Plätzen im Parlament vorstellen? Das wäre genial.“

Ein bißchen Wirklichkeit muss sein: “The Reality Party”

Andernorts geht es nicht minder bunt zu. Mark „Bez“ Berry ist Rumba-Rassel-Tänzer, Schlagzeuger und Mitglied der Alternative-Rock-Band Happy Mondays. Vor einem Jahr hat er die ““Reality Party”“:http://www.realitypartysalford.co.uk/?page_id=42 gegründet, die Partei der Wirklichkeit. Er kämpft gegen die Sparpolitik und Fracking, eine Technik bei der Gas aus dem Erdreich gelöst wird. Er tritt in Salford and Eccles in Manchester an, sein Slogan: „Schüttelt eure Rasseln, wenn ihr gegen die Fracker seid.“

Die Partei präsentiert außerdem noch drei weitere Kandidaten bei den Wahlen am 7. Mai. Einer von ihnen ist Nigel Askew. Er tritt gegen Nigel Farage an, den Parteichef der rechten Unabhängigkeitspartei UKIP. Askew konnte einen Freund überzeugen, seine Wahlwerbung auf der Kuppel einer Moschee anzubringen.

Ein Professioneller: der Komiker Al Murray alias “The Pub Landlord”

In South Thanet in Südostengland tritt als weiterer Gegenkandidat zu dem EU-kritischen und rechtspopulistischen UKIP-Chef Nigel Farage der bekannte Komiker Al Murray an. Er kandidiert als seine Figur ““The Pub Landlord”“:http://thepublandlord.com/ – ein patriotischer, fremdenfeindlicher, reaktionärer Gastwirt. Die Ähnlichkeit mit UKIP-Leader Farage ist von Murray gewollt.

“Es scheint mir, dass das Vereinigte Königreich bereit ist für einen Kerl, der mit einem Bier in der Hand einfache und verständliche Lösungen anzubieten hat”, so der Komiker. “”:http://thepublandlord.com/fukp/AlMurrayJacket.jpg
Das Programm seiner Partei FUKP: Alle Arbeitslosen ins Gefängnis werfen und den Ärmelkanal-Tunnel im Kampf gegen illegale Einwanderer einfach zumauern- mit englischen Pflastersteinen natürlich.