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Zwei ESA-Chefs, Weltraumprojekte und grüne Männchen

Herzlich Willkommen zur Pariser Luftfahrtmesse in Le Bourget. Die Europäische Weltraumorganisation ESA hier einige ihrer Missionen vor. Dazu gehören

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Zwei ESA-Chefs, Weltraumprojekte und grüne Männchen

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Herzlich Willkommen zur Pariser Luftfahrtmesse in Le Bourget.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA hier einige ihrer Missionen vor. Dazu gehören IXV, das vorläufige experimentelle Raumfahrzeug, und natürlich Philae, der vergangenes Jahr auf einem Kometen landete und jetzt wieder aufgewacht ist.
Wir sind heute hier um mit den zwei Männern an der Spitze der ESA zu sprechen, und ich sage zwei, weil es gerade zwei sind.
Es handelt sich um Johann-Dietrich Wörner, den derzeitigen Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR, der ab Juli die Leitung der ESA übernehmen wird.
Und Jean-Jacques Dordain, der Ende diesen Monats in Rente gehen wird.
Jean-Jacques, wie fühlen Sie sich, wenn Sie sich Philae anschauen?

Jean-Jacques Dordain, scheidender ESA-Generaldirektor:

“Ich fühle mich gut. Es ist ein guter Zeitpunkt, um zu gehen. Ich glaube, dass es das Beste ist, mit so einem Erfolg abzuschließen.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Was wird jetzt mit Philae passieren? Was wird damit gemacht?”

Johann-Dietrich Wörner, neuer ESA-Generaldirektor:

“Als ich vor ungefähr acht Jahren zum DLR kam, wurde mir dieses wunderbare Experiment vorgestellt und ich sagte, es wird nicht funktionieren. Als Bauingenieur schien es mir unmöglich. Wir haben jetzt aber schon drei Stunden Sonnenlicht pro Tag auf der Landesonde. Philae ist also wieder aktiv und sammelt Daten aus seiner Umgebung. Rosetta wird die Umlaufbahn etwas verändern, wodurch die Verbindung besser wird und ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Wochen sehr gute Daten vom Landegerät und von der Raumsonde Rosetta erhalten werden, und dann mehr über Kometen erfahren. Kometen sind die ältesten Bestandteile unseres Sonnensystems. Wir werden also mehr darüber erfahren, was hier vor Milliarden Jahren existierte.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Jean-Jacques, wenn Sie auf ihre Zeit bei der ESA zurückblicken, was war Ihr Highlight?”

Jean-Jacques Dordain, scheidender ESA-Generaldirektor:

“Für mich, als früherer Direktor für Trägerraketen, ist die Tatsache wichtig, dass wir die Palette von ESA Trägerraketen vervollständigen konnten, also von Ariane über Sojus bis zu Vega. Die Landung auf Titan, als ich neu bei ESA war. Das war ein großartiges Ereignis. Dadurch stieg die ESA in die erste Liga der Weltraummächte auf. Die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung, die wir mit Hilfe von Planck, Rosetta und Philae erforschen, machen ESA zu einer sehr wichtigen Weltraumbehörde.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Sie erwähnten Trägerraketen. Es scheint, als ob sich in diesem Bereich viel verändert und in Richtung Privatisierung geht, wie Arianespace. Was steckt dahinter und ist Privatisierung der richtige Weg in die Zukunft?”

Johann-Dietrich Wörner, neuer ESA-Generaldirektor:

“Der Wandel vollzieht sich gerade. Ziel ist eine klare Verständigung und das Teilen von Risiken und Verantwortungen.
In der Vergangenheit finanzierte der öffentliche Sektor. Der private Sektor übernahm keine Verantwortung. Wir versuchen das nun zu ändern und ich bin mir ziemlich sicher, dass es funktionieren wird.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Jean-Jacques, wie steht es um die internationalen Partner? Die ESA arbeitete sehr gut mit der russischen Weltraumbehörde Roscosmos zusammen. Doch sie hatte sie einige Probleme. Sind sie in der Lage gute Partner zu sein? Sollte die Zusammenarbeit mit Russland fortgeführt werden?”

Jean-Jacques Dordain, scheidender ESA-Generaldirektor:

“Ich bin überzeugt davon, dass wir mit Russland weiterhin zusammenarbeiten sollten. Wir brauchen Russland. Wir können Galileo nicht ohne Sojus in den Weltraum befördern, oder ExoMars ohne russische Hilfe. Wir brauchen sie. Die internationale Zusammenarbeit ist ein wichtiger Teil der Weltraumarbeit. Wir sollten die Probleme auf der Erde nicht in den Weltraum tragen. Stattdessen sollten wir die Zusammenarbeit auf die Erde bringen.”

Johann-Dietrich Wörner, neuer ESA-Generaldirektor:

“Die ESA hat gute Verbindungen zu vielen Staaten auf der Welt. Deswegen kann die ESA Vermittler sein und sie ist es schon in schwierigen Zeiten.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Sie erwähnten vorhin das Galileo-Projekt. Zurzeit scheint es mir, als ob ich kein Galileo-Signal in meinem Auto empfange. Nur ein GPS-Signal. Wann werde ich beim Autoverleih gefragt, ob ich ein Galileo haben möchte?”

Jean-Jacques Dordain, scheidender ESA-Generaldirektor:

“Wir empfangen das Galileo-Signal. Vielleicht bemerken Sie es nicht, weil die Empfangsgeräte auf der Erde mit GPS und Galileo kompatibel sind. Aber wir haben schon acht Satelliten auf der Umlaufbahn.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Also wird das Galileo-Navigationssystem bald arbeitsfähig sein? Wie das GPS?”

Jean-Jacques Dordain, scheidender ESA-Generaldirektor:

“Die ersten Dienste werden 2016 betriebsbereit sein. 2019 wird es dann vollständig einsatzfähig sein. Spätestens 2020.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Nächstes Jahr werden Sie zum Mars fliegen und dort nach Leben suchen. 2018 soll dort ein Rover nach Leben suchen. Glauben Sie es zu finden?”

Johann-Dietrich Wörner, neuer ESA-Generaldirektor:

“Ich drehe die Frage um: Glauben Sie, dass in diesem große Universum nur Leben auf der Erde existiert? Bei so vielen Sonnensystemen, Planeten und Sonnen, bin ich mir sicher, dass wir nicht die Einzigen sind. Ich erwarte keine grünen Männchen oder so etwas! Aber ich finde es sehr interessant etwas zu finden, das Leben in einer Art Grundform darstellt.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Denken Sie es ist eine gute Idee Menschen auf den Mars zu schicken?”

Jean-Jacques Dordain, scheidender ESA-Generaldirektor:

“Ich bin mir sicher, dass Menschen auf den Mars fliegen werden. Ich weiß nur noch nicht wann.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Zurzeit ist der einzige Ort für Menschen im Weltall die Internationale Raumstation ISS. Die muss wohl in den nächsten zehn Jahren ausgetauscht werden. Was wird passieren?”

Johann-Dietrich Wörner, neuer ESA-Generaldirektor:

“Wir müssen neue Ideen mit unseren Partnern in den USA und Russland entwickeln. Vielleicht sogar mit China und Indien, um herauszufinden, was die Vor-und Nachteile der ISS sind und dann daran zu arbeiten. Eine meiner Ideen ist es, zur Hinterseite des Monds zu fliegen, um dort Roboter und Menschen auf einer dauerhaften Station unterzubringen. Es soll nicht alles auf den Mond geschafft, sondern das dort vorhandene Material verwendet werden, um große Teleskope etc. zu bauen.”

Jean-Jacques Dordain, scheidender ESA-Generaldirektor:

“Das wichtigste Erbe der ISS ist die Partnerschaft. Sie wird viel länger bestehen, als die Ausrüstung. Man verbraucht das Material, aber die Partnerschaft bleibt.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Johann-Dietrich, was werden Sie als erstes bei ihrem Amtsantritt am 1.Juli tun?”

Johann-Dietrich Wörner, neuer ESA-Generaldirektor:

“Ich werde zuerst mit den Angestellten der ESA reden, denn ich kenne nur wenige. Sie sollten mich kennenlernen und ich sie. Ich möchte erfahren, was sie an der täglichen Arbeit interessiert und motiviert. Kommunikation wird also der erste Schritt sein.”

Jeremy Wilks, Euronews:

“Jean-Jacques, bis jetzt gibt es noch einen freien Platz auf dem Flug zur ISS am 1.September. Werden Sie ihn nutzen?”

Jean-Jacques Dordain, scheidender ESA-Generaldirektor:

“Wenn Sie mir 40 Millionen Dollar geben, gerne! Das ist der Preis. Aber wenn ich kostenlos fliegen kann, dann sofort. Mein Traum war immer Astronaut zu sein. Ich wurde sogar ausgewählt, um Astronaut zu sein. Als ich jedoch nicht konnte, war Generaldirektor eben der Plan B. Ich bin aber bereit der erste Generaldirektor zu sein, der Astronaut wird.”