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Iran: Alle Männer eines Dorfes wegen Drogenhandel hingerichtet

Für ihre Verwicklungen in den Drogenhandel soll die gesamte männliche Bevölkerung in einem Dorf der iranischen Provinz Sistan und Belutschistan

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Iran: Alle Männer eines Dorfes wegen Drogenhandel hingerichtet

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Für ihre Verwicklungen in den Drogenhandel soll die gesamte männliche Bevölkerung in einem Dorf der iranischen Provinz Sistan und Belutschistan hingerichtet worden sein. Das sagte die iranische Frauen und Familien-Ministerin Shahindokht Molaverdi in einem Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur Mehr. Um welche Ortschaft es sich genau handelte, sagte sie nicht.

Doch selbst die Regierung verspricht sich nach den Hinrichtungen keine Beruhigung der Situation.

Molaverdi befürchtet jetzt offenbar eine Eskalation der Gewalt und eine Verschlechterung der Situation vor Ort: “Die Kinder der hingerichteten Kriminellen sind schon jetzt in den Drogenhandel verwickelt. Sie wollen den Tod ihrer Väter rächen. Gleichzeitig ernähren sie ihre Familien mit dem Geld aus dem Drogengeschäft, die Bürger dieses Ortes können nicht geschützt werden.”

Die Provinz Sistan und Balutschistan teilt sich mehrere Tausend Kilometer ihrer Grenze mit Afghanistan und Pakistan und ist ein Hotspot für den Opium – und Drogenhandel. Die weitgehend ländlich geprägte Gegend ist infrastrukturell wenig entwickelt, ein Großteil der Bevölkerung ist auf den Drogenhandel als zusätzliches Einkommen angewiesen. In den vergangenen Jahren ist die Region zunehmend zum Rückzugsgebiet von aus Pakistan stammenden sunnitischen Extremistengruppen geworden.

Die iranische Regierung geht scharf gegen beide vor: Den Drogenhandel und die sunnitischen Extremistengruppen. Eine genaue Zahl der vollstreckten Hinrichtungen in der Provinz wurde von der iranischen Regierung nicht veröffentlicht. Laut der iranischen Presseagentur für Menschenrechte HRANA gehört Sistan und Balutschistan zu den Provinzen, in denen die Todesstrafe im Jahr 2014 am häufigsten vollzogen wurde.

“Wenn wir nichts gegen diese Menschen unternehmen, wird die Kriminalität zurückkehren”, so Ministerin Malaverdi. “Die Gesellschaft ist für die Familien der Hingerichteten verantwortlich. Das Unterstützungsprogramm für Familien ist jahrelang vernachlässigt worden, aber jetzt wurde es als Teil des 6. Nationalen Entwicklungsplans neu gestartet.”

Der Iran gehört zu den Ländern, in denen die Todesstrafe am häufigsten vollstreckt wird. Ein Großteil der Todesurteile werden im Zusammenhang mit Drogenkriminalität ausgesprochen. Das könnte sich jetzt ändern: Die iranische Nationalversammlung hat im vergangenen Dezember eine neue Gesetzesvorlage erarbeitet, die vorsieht, die Todesstrafe bei Drogendelikten in lebenslange Haftstrafen umzuwandeln.