Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Zivilgesellschaft gegen Monsanto: "Schäden an Mensch und Umwelt" - Urteil im Dezember


Deutschland

Zivilgesellschaft gegen Monsanto: "Schäden an Mensch und Umwelt" - Urteil im Dezember

Im niederländischen Den Haag, dem Sitz des Internationalen Strafgerichtshofs, wo sonst Verfahren gegen internationale Kriegsverbrecher stattfinden, haben Umweltaktivisten einen Prozess gegen den US-Konzern Monsanto organisiert. Sie werfen dem Unternehmen mit Sitz in St. Louis (Missouri) “Ökozid” vor, denn Monsanto vermarkte zahlreiche hochgiftige Produkte, die Krankheit oder Tod von Tausenden von Menschen verursachten und die Umwelt dauerhaft schädigten. Auf ihrer Internetseite informieren die Monsanto-Gegner über ihre Aktion.

Die Umweltaktivisten aus zahlreichen Ländern der Erde haben in Den Haag Bauern, Imker und Menschen befragt, die sich als Opfer von Monsanto sehen. Als erste Zeugin berichtete die Französin Sabine Grataloup von der Behinderung ihres 9 Jahre alten Sohn Theo, der bereits 50 Operationen erleiden musste, weil er mit einer verschlossenen Speiseröhre zur Welt kam. Da Ärzte ihr sagten, dass Pestizide diese Fehlbildung verursacht haben könnten, führt Sabine Grataloup die Behinderung auf das von Monsanto in Unkrautvernichtern enthaltene Glyphosat zurück.

Fünf internationale Richter unter dem Vorsitz der Ex-Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, Françoise Tulkens, sollen bis Dezember ein zumindest symbolisches Urteil abgeben.


Zum Abschluss der Veranstaltung in Den Haag feierten die Aktivisten die “Samen der Freiheit”.


In einem Kommentar bezeichnete die Schweizer NZZ das Tribunal gegen Monsanto als wenig hilfreiches Kesseltreiben, da die gesamte industrielle Landwirtschaft angeprangert werde, die aber zur Ernährung der Weltbevölkerung notwendig sei.

Der deutsche Chemiekonzern Bayer, der Monsanto für 66 Milliarden Dollar übernehmen will und damit in Den Haag mit auf der Anklagebank saß, wollte den Prozess nicht kommentieren. Bayer-Vorstandschef Werner Baumann erklärte laut Frankfurter Rundschau jüngst in einem Interview, Monsanto habe sich seinen schlechten Ruf zum Teil selbst zuzuschreiben, und er distanzierte sich von einigen Praktiken des US-Konzerns: “Wir wollen Monsanto nicht übernehmen, um genveränderte Pflanzen in Europa zu etablieren.“
Gegen die Übernahme von Monsanto durch Bayer hatte es auch am Firmensitz in Leverkusen Proteste gegeben.

Jetzt haben französische Top-Köche einen Offenen Brief gegen die Fusion von Monsanto und Bayer ins Leben gerufen. Sie richten sich gegen die “Invasion unseres Essens durch die Agrochemie, die die gesamte Lebensmittelkette kontrollieren will”. Die Bürger könnten nicht tatenlos zuschauen, wie die Chemiekonzerne unsere Teller eroberten, meinen die an der Aktion beteiligten Küchenchefs – wie TV-Koch Thierry Marx und Top-Patissier Christophe Michalak.