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Russlands Kandidatin für Eurovision Song Contest bringt Ukraine in missliche Lage

Die an den Rollstuhl gebundene Julia Samoilowa war 2015 auf der Krim aufgetreten und ist deshalb möglicherweise von einer ukrainischen Einreisesperre betroffen.

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Russlands Kandidatin für Eurovision Song Contest bringt Ukraine in missliche Lage

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Bis zuletzt gab es Spekulationen, ob Russland überhaupt teilnehmen würde. Nun hat der teilstaatliche russische TV-Sender Perwy Kanal (Erster Kanal) mitgeteilt, dass die 27-jährige Julia Samoilowa mit dem Lied “Flame is Burning” zum diesjährigen Eurovision Song Contest in die ukrainischen Hauptstadt Kiew fahren soll.

Samoilowa wurde 2013 als Teilnehmerin einer russischen TV-Show bekannt und sang auch 2014 bei der Eröffnung der Paralympischen Winterspiele in Sotschi. Sie ist wegen einer Rückenmarkserkrankung an den Rollstuhl gefesselt. Von der Teilnahme am ESC habe sie seit ihrer Kindheit geträumt, sagte Samoilowa im russischen Fernsehen.

Letztes Jahr gewann die Krimtatarin Jamala den Eurovision Song Contest und damit die diesjährigen Austragungsrechte für die Ukraine – mit dem Lied “1944”, das an die Deportation ihres Volkes von der Krim erinnert. Viele werteten das Lied als Provokation gegen Moskau.

Die russische Auswahl ist nun pikant, weil sie die Gastgeberin Ukraine in eine schwierige Situation bringt. Denn Samoilowa war 2015 auf der annektierten Halbinsel Krim aufgetreten. Die Ukraine ahndet ungenehmigte Reisen auf die Krim über Russland eigentlich mit mehrjährigen Einreisesperren und hat das bei 140 anderen russische Künstlern, die nicht über die Ukraine einreisten, auch schon getan. Die ukrainischen Behörden erklärten, Samoilowas Fall zu prüfen. Der Kreml erklärte, die Auswahl Samoilowas habe nichts mit dem Krim-Auftritt zu tun.

Die Halbfinale des ESC finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, das Finale ist am 13. Mai. Gesten, Einlagen und Texte politischer Natur sind dabei untersagt.