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Pferde und das eigene Leben zähmen

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Pferde und das eigene Leben zähmen

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 Von Harry Smith, NBC

Zehntausende wildlebende Pferde gibt es in Nordamerika - im US-Bundesstaat Colorado etwa. Hier werden einige der Tiere gezähmt. Dabei geht es nicht nur um die Mustangs selbst, sondern auch um die Menschen, die mit dieser Aufgabe betraut sind. Denn im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms arbeiten Strafgefangene mit den Pferden, die anschließend als Arbeitstiere eingesetzt werden sollen.

„Wenn ich die Hinterhand unter Kontrolle habe, habe ich das ganze Pferd unter Kontrolle", sagt Taylor Hommertzheim. Er ist kein Pferdeflüsterer, sondern Häftling.

Wie es für ihn sei, täglich mit den Tieren arbeiten zu können, fragt der Reporter. „Das ist besser als alles andere. Es ist schade, dass ich erst ins Gefängnis kommen musste, um darauf zu stoßen, doch ich bin dankbar, dass ich die Aufgabe gefunden habe", so Hommertzheim.

Das Programm, an dem er teilnimmt, verfährt nach dem Grundsatz: Wenn man einem Menschen beibringt, wie er ein wildes Pferd zähmen kann, lernt er damit auch eine Menge über sich selbst.

„Was ist das Wichtigste, was Sie hier bislang für sich mitgenommen haben?", fragt der Reporter einen anderen Gefangenen.

„Geduld", antwortet Alex. „Mit Pferden zu arbeiten, ist das beste Rezept, um Geduld zu lernen. Man kann das nicht einfach mal so abhaken oder die Fassung verlieren. Es ist nun mal ein Pferd - und das beansprucht eine Menge Deiner Kraft", erläutert er.

Geduldig sein, auf das Tier eingehen und es mit Respekt behandeln. Wer das tut, für den macht das Pferd so gut wie alles, was man von ihm verlangt.

„Ich arbeite seit zehn Monaten mit den Pferden und habe in der Zeit mehr über Verantwortung gelernt als in meinem gesamten vorherigen Leben", erzählt der Gefangene.

Schon einige Mal sei er im Gefängnis gelandet, sagt David McCormack. Die Arbeit mit den Tieren habe ihm unter anderem gezeigt, dass es Ausdauer brauche. Der Umgang mit den Mustangs verlange all das, was auch im wirklichen Leben gefordert sei, sagt er. Man sei Stress ausgesetzt und lerne, wie man agiere und nicht reagiere - so wie er und seine Kollegen es früher oft gemacht hätten.

Alle bisherigen Versuche, die David McCormack unternahm, um nicht wieder auf die schiefe Bahn zu geraten, schlugen fehl. „Ich glaube, diesmal schaffe ich das", meint der Häftling.