Eilmeldung

Eilmeldung

Nicaragua: Angehörige campieren vor dem Gefängnis

Sie lesen gerade:

Nicaragua: Angehörige campieren vor dem Gefängnis

Nicaragua: Angehörige campieren vor dem Gefängnis
Schriftgrösse Aa Aa

Vor dem Gefängnis El Chipote in Managua, Nicaragua, ist vorübergehend ein Zeltlager entstanden. Dort campieren die Angehörigen und Freunde inhaftierter Demonstranten, die bei Anti-Regierungsprotesten in den vergangenen drei Monaten festgenommen wurden.

"Die Regierung besteht darauf, auf Kosten des Blutes der Nicaraguaner an der Macht zu bleiben."

José Medina Angehöriger

Rechtliche Klarheit über den Verbleib von Angehörigen

Viele wollen wissen, was mit ihren Verwandten passiert ist. Hilfsorganisationen unterstützen sie dabei, sie prangern auch die Gewalt an. Braulio Abarca vom Zentrum für Menschenrecht in Nicaragua sagt: "Es gibt Fälle, in denen sie Menschen gewürgt haben - mit Wasser und einem Knebel im Mund. Es gibt Anzeigen von jungen Frauen vor, die von der Polizei oder paramilitärischen Kräften vergewaltigt wurden."

Nach Angaben der Organisationen befinden sich mindestens 300 Menschen in verschiedenen Gefängnissen. Angehörige bringen Essen und versuchen, rechtliche Klarheit zu erlangen. Sie wollen nicht nachgeben, bevor ihre Familienmitglieder befreit sind.

"Wir haben hier draußen unter freiem Himmel geschlafen. Wie hoffen dass die Justiz etwas tun kann und unsere Kinder rausholen kann", erklärt Margarita Ortiz.

"Sie schleppten in unter Schlägen aus dem Haus"

Dieser Mann kritisiert, dass es ihm nicht erlaubt wurde, seinen Verwandten zu besuchen: "Es ist ungerecht. Jeden Tag gibt es 5, 6 Tote. Und rund 20, 30, 40 werden von der Regierung, Polizei, paramilitärischen Kräften entführt. Die Regierung von Daniel Ortega und Rosario Murillo besteht darauf, auf Kosten des Blutes der Menschen an der Macht zu bleiben."

Einige wissen noch nicht einmal, wo sich ihre Angehörigen befinden. Maribel Martínez sucht ihren Ehemann: "Sie haben ihn im Haus erwischt. Er war drinnen mit seiner Tochter. Er wurde oft geschlagen. Sie schleppten ihn unter Schlägen aus dem Haus. Er wurde in einen Geländewagen gesperrt. Wir wissen nicht, wo er ist. In Masaya sagen sie uns, dass er hier ist. Aber hier schicken sie uns in eine andere Provinz, um ihn zu suchen."

Die Menschen befürchten auch, dass die Zahl der Festnahmen weiter steigt.

Euronews-Korrespondent Héctor Estepa ist in Managua, er führt aus "Drei Monate Proteste, mehr als 350 Tote und tausende Verletzte: das ist die Bilanz in Nicaragua. Demonstranten verurteilen die Unterdrückung durch bewaffnete Zivilisten, die dem Präsidenten treu ergeben sind. Die Regierung glaubt, dass die Opposition von anderen Ländern finanziert wird und prangert einen Putsch an. "