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Countertenor Philippe Jaroussky und seine Liebe zu Vivaldi

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Countertenor Philippe Jaroussky und seine Liebe zu Vivaldi

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Die Stimme eines Engels – die Virtuosität eines Teufels. Philippe Jaroussky ist einer der hellsten Sterne am Opernhimmel. Er ist ein Countertenor, ein erwachsener Mann, der wie ein Chorknabe singt. Das Repertoire wurden ursprünglich für Kastraten geschrieben und wird heute oft von einer Mezzosopranistin gesungen.

Einer der wundervolle Arien für Kastraten komponiert hat, ist Antonio Vivaldi. Sein Repertoire war lange Zeit in Vergessenheit geraten und wurde erst im vergangenen Jahrhundert wiederentdeckt. Heute wird es häufig aufgeführt, wie hier in Versailles auf dem Festival: “Venedig, Vivaldi, Versailles”.

Philippe Jaroussky zählt zu denen, die das Opernrepertoire des “roten Priesters” wiederentdeckt haben. “Ich liebe wirklich überschäumende Persönlichkeiten wie ihn. Obwohl Vivaldi ein Priester war, hatte er Ähnlichkeiten mit Kastraten. Er war ziemlich wild. Man fühlt auch, dass er davon bessesen war, gemocht zu werden und er war auch ein Kämpfer. Man darf nicht die Zeit, in der er lebte, vergessen. Damals schrieben die Komponisten ständig neue Opern: für den nächsten Karneval oder für ein neues Theaterstück. Das erklärt wahrscheinlich die Vielzahl von Opernkompositionen in der Barock-Ära. Manche haben sich ein wenig wiederholt. Da stechen einige wenige Genies hervor – wie im Falle Vivaldis.”

Vivaldi, einer der produktivsten Komponisten aller Zeiten, war am meisten in und um Venedig aktiv.

Philippe Jaroussky: “Für einen Vivaldi-Interpreten ist es ein absolutes Muss nach Venedig zu fahren – mehr als einmal. Davon zehre ich, wenn ich beispielsweise ‘Vedrò con mio diletto’ singe, eine Arie, die ich sehr genieße mit all ihren Pizzicatos. Man kann sich in Gedanken leicht an den Canal Grande versetzen. Es hat etwas Verschwommenes, Liebliches. Es ist schwierig zu ermessen, wieviel man in die Stimme legt, um dies wiederzugeben. Aber sicher ist, dass ich mir die Bilder für meine Interpretation vorstelle.”

“Es gibt die Tendenz, nur die virtuose Seite seiner Arbeit zu sehen. Aber ich mag auch die empfindsame Seite Vivaldis, ein Musiker, der schlicht und unverfälscht sein kann, darin unterscheidet er sich zum Beispiel von der neapolitanischen Schule. Er kann ebenso poetisch und völlig schlicht, und nicht nur auf die reine Demonstration der Stimme konzentriert sein. Es ist klar, dass Vivaldi zu schnell als Komponist für die Violine abgeurteilt wurde. In Wirklichkeit hatte er einen klaren Einblick in die stimmliche und dramatische Seite der Kunst.”

“Ich mag auch die Leichtigkeit einiger seiner Stücke. Das ist etwas, das mich bewegt. Er hat hunderte Konzerte geschrieben. Er prahlte damit, dass er ein Konzert schneller komponieren könnte, als ein Kopist für das Abschreiben der Partitur braucht. Das beweist, das er eitel war. Er genoss auch, dass seine musikalische Inspiration direkt aufs Papier übertragbar war. Es gibt vielleicht einige Längen in seinen Stücken, aber plötzlich schlägt sein Genie wieder zu und man weiß, das ist ein Akt der Freiheit.”

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In diesem Beitrag hören Sie Auszüge aus dem Album Vivaldi Heroes: Antonio Vivaldis “Vedrò con mio diletto” und “Fra le procelle” aufgenommen von Philippe Jaroussky/Jean-Christophe Spinosi & Ensemble Matheus (Virgin CLASSICS)