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Sima baut Schulen und Krankenhäuser für afghanische Frauen und Kinder

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Sima baut Schulen und Krankenhäuser für afghanische Frauen und Kinder

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Von der sowjetischen Invasion 1979 bis zum Konflikt zwischen NATO-Truppen und den Taliban lebt Afghanistan seit mehr als 30 Jahren im Kriegszustand.

Gewalt, Armut, schlechte Gesundheitsversorgung und Diskriminierung machen es zum gefährlichsten Land der Welt für Frauen laut einer Studie der Thomson Reuters Foundation.

Sima Samar kennt das nur zu gut. Als Frau und Mitglied der stark verfolgten Hazara Gemeinde hat sie früh gelernt, sich gegen jede Not zu erwehren. Ihr Kampf begann 1979 nach der Verhaftung ihres Mannes, den sie nie wieder sah: “Ich war 23 Jahre alt, als ich Witwe wurde, mit einem kleinen Kind. Als die Leute um 22 Uhr abends in unser Haus kamen und meinen Mann holten – er unterrichtete an der Universität in Kabul, versprach ich ihm, dass ich für seine Freiheit kämpfen und seine Sache am Leben halten würde.”

Sima Samar hat ihr Wort immer gehalten.

Nach dem Medizinstudium an der Universität Kabul 1982 begann sie ihre Arztkarriere in armen, abgelegenen Dörfern von Afghanistan, bevor sie gezwungen wurde, nach Pakistan zu fliehen. Im Exil eröffnete sie ein Krankenhaus für afghanische Flüchtlings-Frauen, bevor sie 1989 die Shuhada Stiftung gründete, die Schulen und Krankenhäuser für Frauen in Afghanistan baute. Eine echte Herausforderung. “Die Leute verfolgten mich, weil ich von Menschenrechten sprach. Ich sprach von gleichen Rechten für Männer und Frauen”, sagt Sima Samar: “Stellen Sie sich vor, ich eröffnete 1988 ein Krankenhaus in Afghanistan, wir bauten ein Krankenhaus mit norwegischem Geld und es wurde dreimal geplündert. Sie schlugen meine Mitarbeiter und sie schlugen einen meiner Brüder. Und das alles, weil wir ihnen nicht das Geld und die Befehlsgewalt darüber gaben. Als ich den Bau einer Mädchenschule begann, taten sie das Gleiche: Sie haben den Zement gestohlen und die Bücher in der Schule verbrannt.”

Die Stiftung zählt heute rund 50 Schulen für Mädchen und Jungen in Afghanistan und mehrere in Pakistan.

Als Sima Samar 2001 aus Pakistan zurückkehrte, wurde sie in der Übergangsregierung von Hamid Karsai die erste Ministerin für Frauenangelegenheiten, die es jemals gab. Unter ständigem Beschuss innerhalb der Regierung war ihr Mandat nur von kurzer Dauer.

Aber sie arbeitete weiter für den Zugang der Frauen zu Bildung und Gleichberechtigung in Afghanistan. Sima Samar leitet jetzt die unabhängige Kommission für Menschenrechte in Afghanistan, die erste in der Geschichte des Landes.

Ein Job, der ihr weiterhin Bedrohungen einbringt, weshalb sie unter ständigem Schutz von Leibwächtern lebt: “Ich kann mich an keine Nacht ohne Albträume erinnern. Immer renne ich und versuche mich zu verstecken, ich versuche zu laufen, zu springen. Ich versuche, einen Platz zu finden, wo ich mich und all meine Sachen verstecken kann. Es ist ein normales Gefühl geworden. Nicht wirklich normal, es ist eher eine Art Spannung. Aber ich glaube, ich habe mit meiner Arbeit eine Menge erreicht und deshalb unterdrücke ich meine Angst.

Wenn ich in die verschiedenen Provinzen reise, werde ich gut aufgenommen. Sie versuchen allerdings immer noch, uns einzuschüchtern. In ihren Freitagsgebeten sagen sie, dass das alles westliche Werte seien und sie diejenigen sind, die darüber bestimmen, wie sich Frauen zu verhalten haben. Dass wir uns nicht gut, nicht konform mit dem islamischen Recht verhalten. Aber es nützt ihnen nichts, es funktioniert nicht”, sagt Sima Samar.

Ihre Inspiration und Hauptantriebskraft sind all die Frauen, die so viele Tragödien überlebt haben und deren Stimme man nie hört: “Sie sind wirklich sehr stark”, so Sima Samar. “Stellen Sie sich die Frau vor, die sieht, wie ihr kleines armseliges Haus zerstört wird, wie ihre Kinder vor ihren Augen umgebracht werden. Aber sie lebt weiter in Armut und im Kampf ums tägliche Überleben mit all seinen Problemen. Und niemand ist da, der ihr sagt ‘Ja, Du hast Kopfschmerzen, hier hast Du eine Aspirin.”

Es gibt Frauen, die versuchen, dieses Leid zu lindern. Wie Farzana und Nafiza, die sie im zweiten Teil unserer afghanischen Ausgabe von “Women and War” kennenlernen können.