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Lviv: Ein Leben nach der EM 2012?

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Lviv: Ein Leben nach der EM 2012?

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Jeden Morgen wachte er in der Frühe auf, ging zur Strassenbahnhaltestelle und fuhr zum Hauptbahnhof von Lviv, wo seine Schicht anfing.
Olesj Gomernyk hat ehrenamtlich für die Europameisterschaft 2012 gearbeitet. Der 21 Jahrealte Student und zukünftige Tierarzt
half ausländischen Fans, sich in der fremden Stadt nicht zu verirren.

Olesj Gomernyk vertraut uns an, daß die ukrainischen Ehrenamtlichen mit dieser besonderen Leistung nur dank der netten Reaktion der Fans fertig geworden sind.

Diese Letzten kamen näher und sagten, sie hätten nicht erwartet, so viel Spaß hier zu haben. Außerdem würden sie dadurch viele anderen Plätze besichtigt haben.

Die Fans bedankten sich für diese tolle Stadt und die Hilfe der Ehrenamtlichen.

Während der EM in Lviv haben 40 Personen ehrenamtlich am Hauptbahnhof gearbeitet. Jetzt sind es nur noch zwei pro Schicht. Mittlerweile langweilen sie sich, die Anfragen der Touristen sind rar geworden. In Lviv finden leider keine Auscheidungskämpfe der Europameisterschaft statt.

Nach Olesj Gomernyks Meinung hat die Euro 2012 für Lviv ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Ukrainer haben endlich das Klischee des alten Landes aus der Sovietunion abgeschafft.

Der Eingang zum Pressezentrum.
Malanka-Mariya Podolyak, 16 Jahre alt, ist die jüngste Ehrenamtliche in Lviv. Sie zeigt uns den Tagungsraum des Bürgermeisters. Dieser Ort hat sich vor einigen Tagen zum Presseraum der ausländischen Journalisten gewandelt, die nach Lviv kamen, um über die EM zu berichten.

Malanka stellt fest, es habe in diesem Raum vor einigen Tagen anders ausgesehen. Es herrschte eine dynamischere Stimmung mit vielen Computern und die Leute waren in ständiger Bewegung. Die Ehrenamtlichen saßen auf der einen Seite, die Journalisten auf der anderen.
Man spürte keine Arbeitsatmosphäre, sondern viel mehr eine kreative Stimmung. Malanka und ihre Kollegen waren immer hilfsbereit.

Die 16 Jährige hat den Eindruck, die zwei Wochen seien zu schnell vergangen.
Jetzt sei sie traurig und fühle keine Erleichterung. Es handelte sich um ein Ereignis, auf das Lviv lange gewartet und sich vorbereitet hatte.
Malanka beklagt sich, dass dieser Sturm sie mitgenommen, weggeblasen und wieder losgelassen habe und bedauert, daß es so kurz dauerte.

Der Leiter der EM 2012 von Lviv Oleg Zasadnyi
führt uns auf das leere Feld seiner Arena, auf dem drei Spiele stattgefunden haben.
Seine Gefühle sind gespalten: Einerseits
ist er froh, dass alles gut gegangen sei, andererseits ist er enttäuscht, dass es wieder vorbei sei.

Er erklärt uns, die UEFA habe zu Beginn die Befürchtung gehabt, daß die Ukraine ein solches Turnier nicht bewältigen könnte, da die Ukrainer bis dato keine Erfahrung in solchen Angelegenheiten hatten. Aber dann wurde ihm schnell klar, dass man Erfahrung leicht mit Enthusiasmus ersetzen kann.

Das Leben nach der Euro 2012 habe einen neuen Sinn, beschreibt er:

“Am Tag nach dem letzten Spiel, wirkte die Stadt wie ausgestorben. Man konnte sich kaum vorstellen, daß gestern hier so viel los war.
Man wünscht sich dann, daß es so weitergeht und man diese Feststimmung behält.”

Und diese Motivation weiss der Bürgermeister von Lviv Andriy Sadovyi weiterzutragen.
2015 wird die Stadt Gäste zur Basketball-Europameisterschaft empfangen.
Und wenn die Regierung es erlaubt, will Lviv sich auch für die Olympischen Spiele im Winter 2022
bewerben.
Eine also nie endende Urlaubstimmung?

Der Bürgermeister von Lviv, Andriy Sadovyi, konstatiert, sie haben die Kraft, solche Ereignísse zu veranstalten. Es spiele keine Rolle,
wieviel sie für die Werbung ihrer Stadt und ihres Landes ausgäben. Denn ohne die Euro 2012 hätten sie ein solches Ergebnis niemals erzielt.

Die EM 2012 ist für die Ukraine und Polen
zu Ende. In Lviv hat das Turnier mit dem Pfiff von Carlos Velasco Carballo aufgehört, der das Ende des Spiels Dänemark gegen Deutschland markierte. In der Altstadt sind die Straßen nun außergewöhnlich leer, ruhig und verlassen. Experten und Spezialisten kalkulieren und analysieren, wieviele Fans die Ukraine während der Europameisterschaft bereist haben und wieviel Geld das Land damit eingenommen hat. Und die Ukrainer fangen an dieses schöne und einzigartige Gefühl mit sich zu tragen, das Gefühl von Stolz.

“Stolz. Stolz auf Lviv. Stolz auf die Heimat.
Es ist ein eigenartiges Gefühl, das einem kalt den Rücken herunterläuft und Tränen fließen läßt. Ein Gefühl, das man ständig spüren möchte”

Mit diesem Satz möchte der Bürgermeister von Lviv, Andriy Sadovyi, unser Gespräch beenden.