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Verträumte Momente auf Kammermusik-Festival in Saint Paul de Vence

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Verträumte Momente auf Kammermusik-Festival in Saint Paul de Vence

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Es ist ein Schmuckstück im Herzen der Provence. Auf einem Hügel mit Blick auf die französische Riviera war das Dorf Saint Paul de Vence lange ein Paradies für Künstler wie den Maler Chagall oder den französischen Dichter Prévert. Aber auch Filmstars wie Yves Montand zog es hier her. Im Sommer findet in dem Dorf ein Kammermusik-Festival statt.

Am Fuße der mittelalterlichen Mauern vor einer atemberaubenden Kulisse gaben sich Pianistin Claire Désert und Bratschist Gérard Caussé die Ehre. Auf dem Programm: Schumann’s Märchenbilder und Beethoven’s Sonate für Klavier und Cello No. 3.

Claire Désert: “Meine Herzenswahl wäre vielleicht Schumann, denn es ist der Komponist, dem ich mich schon immer am nächsten gefühlt habe. Ihn habe ich am meisten aufgenommen. Sein Universum ist etwas Besonderes, diese Zerbrechlichkeit, die Leidenschaft, entsprechen mir am meisten. Das ist der intimste Schumann, leidenschaftlich.“Es ist ein Werk, das nicht sehr lang ist. Es hat vier Sätze, die wie immer bei Schumann, einen verträumten Charakter haben oder exzessive Hemmungslosigkeit zeigen.

Gérard Caussé: “Er hat immer diesen Charme der langsamen, nostalgischen Melodien. Manchmal sind sie ein bisschen depressiv. Dann gibt es wieder sehr schnelle Sätze, die von den Bewegungen eines Pferdes inspiriert werden. Das war damals der Bezugspunkt der Epoche. Es gab noch nichts anderes – keinen Motor, der zündete. Ich habe die Sonate für Cello opus 69 von Beethoven transkribiert. Ich fand diese einzigartig und es war frustrierend, sie nicht spielen zu können. Deshalb sagte ich mir, ich muss sie transkribieren und das habe ich getan. Die Tonlage der Bratsche gibt ihr eine Tiefe und zugleich vielleicht auch eine Form der Herbheit. Diese Farbe lässt uns die Bratsche in einer anderen Bandbreite erleben.”

Claire Désert: “Die zwei Instrumente sind gleichwertig. Es findet ein echter Dialog statt. Die Romantik, die Lyrik Beethovens in dieser 3. Sonate ist sehr offen, sehr aussagekräftig.”
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In dieser Reportage können Sie folgende Auszüge hören:

Robert Schumann: Märchenbilder für Klavier und Viola op. 113

Ludwig van Beethoven: Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 3 A-dur op. 69