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Geld im US-Wahlkampf

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Geld im US-Wahlkampf

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Norminierungsparteitage im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf erscheinen aus europäischer Sicht wie ein Mix aus Karneval und Krönungsmesse. Die Entscheidungen sind gefallen.

Hier geht es um Außenwirkung. Und das lassen sich die Parteien etwas kosten. 123 Millionen zahlt die Republikanische Partei für ihren Konvent in Florida.
Da wird dann für den Wahlkampfendspurt von Mitt Romney in drei Tagen Konvent soviel ausgegeben, wie Rivale Barack Obama im ganzen Monat Juli an Spenden eingesammelt hat.

Seit ab 2010 die sogenannten “Political Action Commitees” als offiziell von Parteien und Politikern unabhängige Gremien unbegrenzt Geld von Gruppen wie Einzelpersonen entgegennehmen dürfen, erreichen die Wahlkampfkosten weitere Rekordhöhen. 2,5 Milliarden Dollar insgesamt könnte dieser Wahlkampf am Ende gekostet haben, andere Schätzungen rechnen mit bis zu drei Millliarden. Und die Hälfte davon wird allein für Fernsehwerbung ausgegeben. Allein im Monat Juli sammelte Herausforderer Mitt Romney 186 Millionen Dollar, während der um die Wiederwahl kämpfende Barack Obama in diesem einen Monat auf 124 Millionen Dollar kam.

Und was sagt uns das am Ende? Dass Macht mit Geld zu tun hat? Das hatte man sich in Bezug auf die USA doch schon immer so vorgestellt.

Ungewöhnlich könnte diesmal der Ausgang sein – falls Obama wieder gewinnt, wäre er der erste US-Präsident, der es trotz der finanziellen Überlegenheit des Gegners geschafft hätte.

US-Experte zu Wahlkampfspenden

Wahlkampfspots im Fernsehen spielen bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen eine überaus wichtige Rolle. Wer die Wähler rund um die Uhr mit seinen Argumenten beschallen kann, hat gute Chancen, vor allem die noch Unentschlossenen auf seine Seite zu ziehen. Fernsehwerbung aber kostet viel Geld. Folglich ist eine wohlgefüllte Wahlkampfkasse schon der halbe Weg zum Erfolg.

Der Washingtoner Politikwissenschaftler Dr. Thomas Mann spricht von Rekordbudgets bei dieser Wahl, von diversen Milliardären, die Schecks über jeweils mehr als eine Million Dollar ausgestellt haben. Und das meiste davon wird für Fernseh- und Radiowerbung ausgegeben. 2008 wurde von den Vorwahlen bis zur Entscheidung von allen Bewerbern zusammem die Rekordsumme von 515 Millionen Dollar nur für Fernsehwerbung ausgegeben. Diesmal dürften es nach seiner Schätzung für alle Werbeformen zusammen bis zu drei Milliarden Dollar werden.

2010 hatte der Oberste Gerichtshof das Parteispendengesetz geändert. Danach gibt es bei Spenden an die sogenannten “Political Action Committees” praktisch keine Obergrenze mehr “Barack Obama ist wahrlich nicht ungeschickt beim Spendensammeln”, erklärt der Experte und verweist darauf, dass die Rekordsumme von 750 Millionen Dollar für Obamas Wahl 2008 sich aus sehr vielen Einzelspenden zusammensetzte. Er schätzt, es könnte diesmal etwas weniger werden, vielleicht 700 Millionen Dollar. Romney dürfte ähnlich viele Spenden sammeln, so dass beide für die Zeit nach den Parteitagen enorme Summen für Wahlwerbung ausgeben können.

Wie es aussieht, sind die Wahlkampfkassen beider Kontrahenten ähnlich gut gefüllt, so dass in diesem Fall nicht das Geld den Ausschlag geben wird beim Endspurt ins Weiße Haus. Aus der Geschichte weiß man allerdings, dass der Kandidat, der das meiste Geld hat und die meisten Werbebotschaften aussenden kann, auch die besseren Chancen hat.